Wie fit sich Neumarkt inzwischen für das heißere Klima gemacht hat

Von Wolfgang Endlein · 9. Juli 2026 um 17:00

Die extrem heißen Tage Ende Juni haben es einmal mehr gezeigt: Die Menschen gemachte Klimakatastrophe schreitet spürbar voran. Das durch Klimaschutz zu begrenzen, bleibt wichtig. Ebenso wichtig ist es, sich an die Folgen des veränderten Klimas anzupassen. Damit die Neumarkter trotz mehr Hitze, mehr Trockenheit und mehr Unwettern eine lebenswerte Stadt haben, hat der Stadtrat vor drei Jahren ein Konzept beschlossen. Was davon ist umgesetzt worden?

Besonders gut nachvollziehbar ist das sich verändernde Klima anhand der Tage mit 30 Grad und mehr. Bis 1991 waren es laut Stadt maximal 15 Tage jährlich. Seither wird dieser Wert immer häufiger überschritten. 2015 war der bisherige Rekord mit 29.

Die Wucht des Klimawandels abzumildern, soll ein Wortungetüm helfen: Klimafolgenanpassungskonzept. Im Fokus stehen vor allem die Neumarkter und deren Gesundheit, Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie der Schutz vor Naturgefahren.

Mehr Grün in der Stadt Neumarkt und weniger versiegelte Flächen sind das Ziel

2021 begannen ein Fachbüro, die Verwaltung und die Stadtpolitik, ein Konzept zu erarbeiten, an dem auch die Bürger beteiligt wurden. 2023 beschloss der Stadtrat das Konzept, das eine Richtschnur für ein strategisches Vorgehen bei der Klimaanpassung sein soll. Nichtsdestotrotz finden sich darin auch konkrete Maßnahmen.

Die Stadtwerke Neumarkt haben in der Marktstraße einen Trinkbrunnen aufgestellt. Ob und wo zusätzliche Trinkwasserspender eingerichtet werden sollen, steht laut Stadt bislang nicht fest. - Foto: Wolfgang Endlein

Sie lassen sich grob in zwei Bereiche aufteilen. Der eine sind die Maßnahmen, die ganz praktisch Klimaanpassung umsetzen. Also Gebäude anzupassen (beispielsweise Fassadenbegrünung), die Stadt zu be- und durchlüften, die Aufenthaltsqualität zu steigern und für mehr Grün und weniger versiegelte Fläche zu sorgen. Der andere Bereich umfasst Maßnahmen, die durch Information und Beteiligung ein Bewusstsein in der Bevölkerung, Politik und Verwaltung schaffen.

Wie sich die Zahl der Hitzetage im Landkreis Neumarkt entwickelt hat

• Hitzetag: Als Hitzetag gilt in der Meteorologie ein Tag, an dem die Temperatur 30 Grad und mehr erreicht. Deren Zahl hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen, wie ein Blick in die Daten der Wetterstation Parsberg/Eglwang des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zeigt. Dort erfasst der DWD seit 1950 zahlreiche Parameter, unter anderem auch die maximale Tagestemperatur.

• Trend: Die Zahl der Hitzetage schwankt zwar stark von Jahr zu Jahr, aber über die Jahrzehnte hinweg ist ein klarer Trend ablesbar. In den 1950er-Jahren maß die Wetterstation Parsberg/Eglwang durchschnittlich drei Hitzetage pro Jahr. Seit den 1990er-Jahren steigt der Wert rasant an. Durchschnittlich sechs Hitzetage jährlich waren es im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Seit den 2010er Jahren sind es zehn und in den 2020er nähert man sich durchschnittlich elf Hitzetagen pro Jahr an.

• Rekordjahre: 2003 und 2015 gab es die meisten Hitzetage in einem Jahr, seit die Wetterstation Daten sammelt. Jeweils 26 Tage mit 30 Grad und mehr maßen die Messgeräte in Parsberg/Eglwang. Im aktuellen Jahr gab es bereits zwölf Hitzetage.

• Rekordhitze: Die höchste Temperatur an einem Tag, den die Parsberger DWD-Wetterstation seit ihrer Existenz gemessen hat, waren am 27. Juli 1983 37,9 Grad. 2026 kam der 27. Juni nahe an diesen Rekordwert heran mit 36,8 gemessenen Grad. Überhaupt lag die Temperatur Ende Juni an vier aufeinanderfolgenden Tagen (24. bis 28. Juni) durchgehend über 33 Grad.

Aus diesen zwei Bereichen formuliert das Konzept etliche Einzelmaßnahmen, die kurz- (bis 2023/24), mittel- (2024 bis 2026) und langfristig (nach 2026) umgesetzt werden sollten oder eine Daueraufgabe sind.

Was von diesen Maßnahmen wurde in die Tat umgesetzt? Weil Klimaanpassung ein Thema sei, das quer durch alle Bereiche gehe, lasse sich kaum eine abschließende Aufstellung anfertigen, sagt das Rathaus. Sein Fazit lautet: „Wir kommen gut voran, teilweise bestehen aber sowohl Zeitrückstände als auch Zeitvorsprünge.“

Mobile Tröge mit Pflanzen sollen auf dem Neumarkter Rathausplatz für Schatten und Aufenthaltsqualität sorgen. - Foto: Wolfgang Endlein

Als umgesetzte Maßnahme nennt die Verwaltung allen voran, dass sie mit Philip Köhler einen Klimaanpassungsmanager eingestellt hat. In der Verwaltung gebe es einen ämterübergreifenden „Arbeitskreis Klimaanpassung“. Die Bürger habe man in diversen Formaten beteiligt und informiert, beispielsweise bei „Klimaspaziergängen“. Zudem informieren eine Broschüre und eine Webseite über das Thema.

Die sichtbarsten Zeichen des Konzepts finden sich aber in der Innenstadt: mobile Tröge mit Pflanzen, Sonnensegel, ein Trinkwasserbrunnen in der Marktstraße, der Test mit einem mobilen Spielbrunnen und die begonnene Fassadenbegrünung des Rathauses II.

Weil die Stadt nicht im Alleingang für „Neues Grün für Neumarkt“ sorgen kann, hat sie ein gleichnamiges Förderprogramm aufgelegt. Wer beispielsweise bestimmte Baumarten pflanzt, kann dafür Geld von der Stadt bekommen.

Stadt Neumarkt will Forstflächen zu einem Klimawald umbauen

In den Startlöchern sind andere Maßnahmen, wie beispielsweise ein Konzept, das die Grünflächen vernetzen soll. Im Zuge des Projekts „Klimawald“ will die Stadt, Waldflächen klimaresilient entwickeln und entsprechende Baumarten fördern. Über einen Fonds sollen sich Neumarkter, Unternehmen und Organisationen an Pflanzungen beteiligen können.

Beim Blick in den Maßnahmenkatalog lässt sich festhalten: Die als kurzfristig eingestuften Maßnahmen hat die Stadt größtenteils angegangen. Klar ist aber auch: Die dicksten Bretter mit der größten Wirkung sind nach wie vor zu bohren, was nur schrittweise gelingen kann. Beispielsweise ein Beschluss des Stadtrats und ein daraus folgendes Handeln, alle Entscheidungen beispielsweise in der Bauleitplanung einem „Klimacheck“ zu unterziehen.

Die dicken Bretter muss aber nicht nur die Politik bohren, gefragt ist jeder Neumarkter.