Von wegen kurzer Rasen: Stadt Neumarkt hat die Pflege ihrer Grünflächen verändert

Von Wolfgang Endlein · 30. Mai 2026 um 05:00

Seit einigen Wochen blüht Neumarkt wieder auf – auch dank der Arbeit der städtischen Mitarbeiter. Die ist – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – seit einigen Jahren zunehmend von einem Begriff geprägt: Biodiversität. Klingt kompliziert, ist aber kein Grund, um gleich geistig abzuschalten. Es geht nämlich um etwas, was sich alle Neumarkter von ihrer Stadt erhoffen: sich wohlzufühlen.

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Manuel Traub und Werner Schütt stehen vor einer kleinen Grünfläche, wie es sie hundertfach in Neumarkt gibt. Eingesäumt vom Bordstein wächst aus Laiensicht irgendetwas Grünes zwischen Gehsteig und Straße. Für den Leiter der Stadtgärtnerei und den Leiter des Umweltamts wächst hier aber Biodiversität, wenn man es hochgegriffen formulieren will. Einfacher ausgedrückt sind es Pflanzen, die mit wenig Pflege genau an diesem trockenen Standort zurecht kommen und von denen Insekten profitieren.

Und damit letztlich auch noch jemand anderes: „Die Bürger fühlen sich wohl, wenn sie Vögel zwitschern hören, wenn Schmetterlinge fliegen, wenn Hummeln brummen“, sagt Schütt. Aus seiner Sicht ist Biodiversität keine Sache, die eine Stadt anstreben sollte, wenn gerade noch etwas Zeit und Geld übrig bleibt. Für ihn ist es ein Standortfaktor.

So viel Geld gibt die Stadt Neumarkt für ihre Grünflächen aus

Rechtlich gesehen sind die rund 3,5 Millionen Euro, die die Stadt jährlich in ihre Grünflächen steckt, eine sogenannte „freiwillige Aufgabe“ der Stadt. Für Schütt sind diese Ausgaben aber auch in Zeiten, die mehr Sparsamkeit erfordern, eine Pflicht. „Biodiversität ist Daseinsfürsorge und die ist ureigenste Aufgabe von Kommunen“, sagt er. Zumal beispielsweise pflegeleichte Pflanzen auch Arbeit und damit Geld sparen.

Unter diesem Gitter (l.) fließt das Regenwasser nicht ungenutzt in den Kanal, sondern über eine Leitung der Grünfläche nebenan zu. Wie hier am Parkplatz in der Neumarkter Mühlstraße - Foto: Wolfgang Endlein

Wobei die Pflege der Grünanlagen und die Förderung von Biodiversität nicht zwangsläufig das Gleiche bedeuten. Das Augenmerk auf Letzteres hat in den vergangenen Jahren Einzug in die Arbeit der Stadtgärtnerei gehalten. So wie auch in der Gesellschaft das Thema generell an Bedeutung gewonnen hat. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sei ein Verstärker gewesen, erinnert sich Schütt. „Die meisten Menschen haben erkannt, dass es so nicht mehr weitergeht.“

Weshalb man auch bei der Stadt den Umgang mit den Wiesen, Wäldchen, Straßenrandstreifen und anderen Grünflächen verändert hat. Wobei es nicht den einen Plan gibt, mit dem der große Wurf gelingen soll, wie Schütt erklärt. Klein anfangen, Zug um Zug vorankommen. Dieser Ansatz gefalle ihm auch an der Zusammenarbeit mit Philipp Unterweger. Der Biodiversitätsberater unterstützt die Stadt seit 2020.

Stadt Neumarkt hat die Art, wie sie ihre Rasen und Wiesen mäht, verändert

Doch was bedeutet das alles konkret? Als Beispiel nennt Traub, wie die Stadt inzwischen mäht. Das habe sich stark verändert im Vergleich zu früheren Jahren. Die Vorstellung, dass der Rasen kurz gehalten werden muss und alles aufgeräumt aussehen muss, sei überkommen. Stattdessen wird seltener gemäht, oftmals auch unregelmäßig und andere Technik verwendet. Entlang von Wegen werden nur noch schmale Streifen gemacht, damit Passanten nicht nass und dreckig werden.

Durch das andere Mähen wachsen unterschiedliche Pflanzen, die schon immer auf dem Boden gediehen wären. Im Zweifel sind sie besser auf den Standort angepasst. Genau das, was die Stadt sucht. Und günstiger ist es auch noch. Schütt formuliert es so: Man sollte Vertrauen in die Natur haben. Sie mache es im Zweifel richtig.

Totholz (r.) ist nicht nutzlos, sondern fördert wieder anderes Leben, weswegen die Stadt auch welches liegen lässt. Wie hier im Neumarkter Stadtpark - Foto: Wolfgang Endlein

Das Streben nach mehr Biodiversität endet aber nicht beim Mähen. Es findet sich beispielsweise auch im Totholz, das die Stadt an manchen Stellen liegen lässt, den Staudenpflanzen, die die Stadtgärtnerei zunehmend selbst ziehen will, oder Straßenlaternen, deren Licht so angepasst ist, dass es Insekten nicht mehr so anlockt. Biodiversität ist facettenreich und nahezu eine endlose Aufgabe.

Stadt Neumarkt will grünes Vorbild für die Bürger sein

Bei allen eigenen Bemühungen, die auch Vernetzungspläne für die Grünflächen in Neumarkt und eine angestrebte Zertifizierung beinhalten, ist die Stadt darüber hinaus beim großen Ziel auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Große Teile des (grünen) Stadtgebiets sind in privater Hand. Man wolle als Stadt mit seinem Handeln vorbildhaft vorangehen und die Bürger unterstützen, sagt Schütt. Beispielsweise durch das jüngst aufgelegte Förderprogramm „Neues Grün für Neumarkt“. Es fördert finanziell, wenn Bürger beispielsweise in ihren Gärten bestimmte Baumsorten pflanzen.

Zahlreiche Grünflächen im Neumarkter Stadtgebiet sind inzwischen von trockenresistenten Pflanzen geprägt (Mitte). - Foto: Wolfgang Endlein

„Neumarkt ist schon recht grün“, sagt Schütt, der überzeugt ist: „Aber es wird in Zukunft noch grüner sein.“ Muss es auch, denn die vorhandenen Hitzeinseln in der Stadt werden in Zeiten eines heißeren Klimas durch Grün am besten bekämpft. Und wenn es das richtige, das die Biodiversität fördernde Grün ist, umso besser.