Weniger Steine, mehr Bäume: Neumarkt will Grundstücksbesitzer mit Geld überzeugen

Durch den Klimawandel wird es in Städten heißer und es gibt häufiger Starkregen. Darauf müssen sich Städte einstellen, doch ein Großteil ihrer Fläche ist in Privatbesitz. Der Einfluss der Kommunen ist an dieser Stelle beschränkt. Für mehr Grün statt Grau auf privaten Flächen greift die Stadt Neumarkt jetzt zu einem wirksamen Einflussmittel: Geld. Wir zeigen, wer künftig für was Fördergeld bekommt.
„Vorgärten sind zu begrünen.“ Das stand seit 1995 in der städtischen Satzung zur Gestaltung von Vorgärten. Wie viele Neumarkter überhaupt wussten, dass es diese gibt? Wohl eher wenige. Diese Vermutung war bereits im Stadtrat zu hören gewesen, als dieser im März 2025 die Satzung aufhob. Denn der Freistaat verbietet den Kommunen solche Satzungen. Er will entbürokratisieren.
Dass nun überall Schottergärten entstehen, diese Sorge hatten Stadträte damals nicht. Den Bedarf, etwas zu tun, sahen sie durchaus. Statt Geboten will die Stadt ihren Bürgern nun ein Angebot machen. Am Mittwoch soll der Stadtrat ein neues Förderprogramm mit dem Namen „Neues Grün für Neumarkt“ beschließen.
Neumarkt soll durch Förderprogramm grüner, kühler und lebenswerter werden
Denn wer seinen Garten entsiegelt, das Dach begrünt oder einen Baum pflanzt, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes – sondern der ganzen Stadt. Das Ziel ist laut Förderprogramm eine grünere, kühlere und lebenswertere Stadt. Konkret soll das Programm mehr Bäume, Gründächer und begrünte Fassaden bringen, versiegelte Flächen aufbrechen und Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Auch die Luftqualität soll sich verbessern.
Wie viel Fläche ist in der Stadt Neumarkt versiegelt?
• Fehlende Statistik: Direkt stößt man nicht auf eine Zahl, wenn man die Frage nach der versiegelten Fläche in Neumarkt beantworten möchte. Es gibt aber einen Weg um sich einem Wert anzunähern.
• Gesamtfläche: 7900 Hektar umfasst das gesamte Gebiet der Stadt Neumarkt. Rund 2600 davon sind sogenannte „Siedlungs- und Verkehrsflächen“. Statistiker verstehen darunter Flächen, die für Wohnen, Gewerbe, Industrie und Verkehr verwendet werden. Darin sind aber auch Gärten, Parks, Weiher, Bäche etc. inbegriffen. Die 2600 Hektar sind somit nicht durchgängig versiegelt.
• Satellitenaufnahmen: 2015 hat der Freistaat auf Basis von Satellitenaufnahmen untersucht, in welchem Grad die Siedlungs- und Verkehrsflächen in den einzelnen Landkreisen versiegelt sind. Der Landkreis Neumarkt lag damals mit einem Wert von 56,2 Prozent im oberen Bereich in Bayern.
• Umrechnung: Ein Wert über 50 Prozent ist laut den Ergebnissen der Untersuchung weit verbreitet, insbesondere bei Städten. Auch wenn Neumarkt als kreisangehörige Stadt nicht in der Studie erfasst ist, liegt ein Versiegelungsgrad über 50 Prozent nahe. Demnach wären rund 1300 Hektar von Neumarkts Fläche versiegelt.
Bis zu 5000 Euro für ein Gründach
Das Programm gilt im gesamten Stadtgebiet für Bestandsgebäude ebenso wie für Neubauten. In der Altstadt greifen teilweise andere Förderprogramme. In einer Richtlinie hat die Stadt festgelegt, für was es Geld gibt und für was nicht. Bis zu 5000 Euro sind es, wenn ein Gründach gebaut bzw. saniert wird. Begrünen Eigentümer eine Fassade, zahlt die Stadt bis zu 3000 Euro. Werden Höfe, Gärten und Freiflächen entsiegelt und begrünt, bekommen sie bis zu 5000 Euro bzw. maximal 35 Euro pro Quadratmeter entsiegelter Fläche.
Die Stadt unterstützt Blühflächen für Insekten. Für solche bis 25 Quadratmeter gibt es kostenlos Saatgut von der Stadtgärtnerei. Bei größeren Flächen übernimmt die Stadt im Rahmen des Förderprogramms 50 Prozent der Kosten.
Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen: Auch in Neumarkt haben Starkregen gezeigt, dass man sich wappnen muss. Deshalb unterstützt die Stadt Maßnahmen an Gebäuden und im Gelände mit maximal 1000 Euro, die dem Schutz vor Überschwemmungen und Starkregen dienen. In Risikozonen gibt es mehr Geld.
Stadt Neumarkt unterstützt Wasser zu speichern und wiederverwenden
Es geht aber nicht nur darum, sich vor zu viel Wasser zu schützen. Wichtig wird es auch sein, Wasser zu speichern. Das Förderprogramm unterstützt daher beispielsweise, wenn Regenwasser und Brauchwasser aufgefangen und nochmals genutzt werden. Beispielsweise, im Garten oder für die Toilettenspülung. Fördergeld gibt es für Wasserspeicher bis zu einer Größe von fünf Kubikmeter.
Wenn die Sonne häufiger und heftiger scheint, wird Schatten wichtiger. Die Stadt unterstützt daher beispielsweise soziale Einrichtungen und Eigentümergemeinschaften dabei, pflanzliche oder textile Schattenspender (keine Markisen) für Gemeinschaftsbereiche anzuschaffen. Schatten sind nur ein Vorteil von Bäumen. Die Stadt fördert unter anderem deswegen, neue Laub- und Obstbäume zu pflanzen. Gewerblich genutzte Bäume bekommen kein Geld.
Die Baumarten müssen mit den neuen Klimabedingungen zurecht kommen und sie dürfen nicht invasiv sein. In einer eigenen Liste sind die förderfähigen Arten verzeichnet. Das sind beispielsweise Walnuss, Hainbuche oder Apfelbäume. Fachpersonal muss die Bäume pflanzen, damit es Geld gibt.
Bis zu 250 Euro pro Baum gibt es von der Stadt. Die Förderung ist auf maximal fünf Bäume begrenzt. Der günstigste, dritte Baum wird bei mindestens zwei geförderten Bäumen vollständig von der Stadt bezahlt.
Förderprogramm für mehr Grün in Neumarkt läuft zunächst bis 2030
Die Stadt unterstützt außerdem die Pflege von Einzelbäumen ab 80 Zentimeter Stammumfang durch eine Fachkraft. Weil sich von Bäumen bestandene Flächen in der Stadt positiv auf Kühlung und Luftqualität auswirken, zahlt die Stadt zudem für Pflanzungen ab einer Flächengröße von 250 Quadratmeter bis zu 1500 Euro.
Generell ist die Förderung auf maximal 10.000 Euro pro Grundstück innerhalb von zehn Jahren limitiert. Weitere Einschränkungen sind: Die Stadt fördert keine Maßnahmen, die gesetzlich ohnehin vorgeschrieben sind. Auch keine Projekte, die bereits andere öffentliche Förderung erhalten. Kein Geld gibt es für reine Pflasterungen, Entsorgungskosten, Markisen oder bewegliche Pflanzbehälter. Wer mit der Maßnahme beginnt, bevor die Förderung bewilligt ist, geht ebenfalls leer aus.
Wessen Förderantrag die Stadt bewilligt hat, muss binnen sechs Monaten beginnen, die Pläne umzusetzen, und nach spätestens 18 Monaten fertig sein. Erst dann gibt es Geld. Wichtig: Alle geförderten Projekte müssen zehn Jahre lang erhalten und gepflegt werden. Ansonsten kann es sein, dass man das Geld teilweise zurückzahlen muss.
Das Förderprogramm soll bis 2030 laufen und verlängert sich automatisch um ein Jahr, sofern der Stadtrat nichts anderes beschließt. Für 2026 sind 100.000 Euro eingeplant.