Kaplan tauscht Abensberg gegen Pondorf und erfüllt sich damit einen Traum

Der Kaplan Velangini Reddy Nagireddy bekommt eine eigene Pfarrstelle bei Straubing. Darum sind ihm die Abensberger besonders ans Herz gewachsen.
Im September 2021 kam Velangini Reddy Nagireddy nach Abensberg – mitten in der Coronazeit, zu einer Zeit, in der die Abensberger eigentlich ihr liebstes Fest, den Gillamoos, hätten feiern wollen, aber nicht durften. Nun, fünf Jahre später, wird er sich gebührend von seinen Abensbergern verabschieden – und auch von seinem Gillamoos, nämlich am traditionellen Sonntagsgottesdienst am 6. September im Bierzelt. Die richtige „Ausrüstung“ dafür hat er zum Abschied geschenkt bekommen – aber dazu später mehr.
Aber schon zuvor, bereits zum 1. September, beginnt der 43-Jährige in Pondorf im Landkreis Straubing-Bogen seine neue Aufgabe: Aus dem Kaplan wird ein Pfarrer, für Nagireddy erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch, eine eigene Pfarrstelle.
Eigentlich müsste es ihm also prima gehen. „Aber ich bin auch ein bisschen traurig, dass ich Abensberg verlassen muss, weil ich hier so gut aufgenommen wurde.“ Der Umgang mit den Menschen hätte ihm viel Freude gebracht, dass sie ihn teilhaben ließen an vielen Festen und an ihren Traditionen, das sei sehr schön gewesen.
Dabei waren gerade diese Traditionen, vor allem das bayerische Essen für den jungen Inder nach seiner Ankunft in Deutschland 2010 neben der Sprache erst einmal herausfordernd.
Vom Hinduismus zum Christentum
Nagireddy wollte eigentlich schon in Indien Priester werden, hatte dort, im Südosten des Landes, wo Christen noch einmal mehr als im gesamten Subkontinent zur Minderheit gehören, schon das Priesterseminar besucht. Und erfüllte damit ein Stück weit den Wunsch seiner Tante, ursprünglich eine Hindu, die die Familie Nagireddy schließlich vom christlichen Glauben überzeugte. Dazu trug auch bei, dass Nagireddy, nach einem lange unerfüllten Kinderwunsch der Eltern, neun Monate nach deren Besuch in der Marienbasilika von Velankanni im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, einem bedeutenden christlichen Wallfahrtsort, zur Welt kam. Daraus leitet sich auch sein Vorname Velangini ab.
Velangini wuchs in einfachen Verhältnissen auf, aber Bildung war wichtig: „Ich wurde bis zur 10. Klasse in meiner Landessprache unterrichtet und bin dann ins Priesterseminar, vor allem, weil es dort eine gute Bildung gibt.“ Priester zu werden stand damals noch gar nicht vorrangig auf seinem Plan, „aber ich habe dann gemerkt, wie selbstlos viele Priester in meiner Heimatpfarrei gedient haben“.

Nach Deutschland kam er schließlich durch den Kontakt zwischen einem indischen Bischof, der jedes Jahr nach Regensburg kam, und dem ehemaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller.
Der Weg zum Priester, der war allerdings weit: Neun Monate lang Sprachkurs, zwei Semester Geschichte, Kunstgeschichte, Sprache und Latein – und dann noch zehn Semester Theologiestudium am Rudolphinum in Regensburg. 2017 empfing Nagireddy schließlich die Diakon- und 2018 die Priesterweihe. Nach einer Station in der Nähe von Straubing kam er schließlich nach Abensberg.
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Und hier zählt er nun traurig die Tage bis Ende August. „Ich habe die ganze Zeit hier genossen, die Leute sind nett und zugänglich.“ Auch, dass Pfarrer Georg Birner ihm immer Vertrauen geschenkt habe, habe ihm gefallen. Hinter Nagireddy liegen fünf Jahre mit viel Ministrantenarbeit, mit den Vorbereitungen von Firmungen und Erstkommunionsfeiern, mit unzähligen Gottesdiensten, Beerdigungen, Taufen oder Hochzeiten. Vom Säugling bis zum Senior hatte er mit allen Altersklassen zu tun.

Aber vor allem die Senioren lassen ihn nur ungern gehen. Der Mann, der sich auch zum Abspülen nicht zu schade ist und im Fasching keine Scheu vor albernen Brillen oder Hüten kennt, half bei jedem Seniorenkaffeekränzchen im Pfarrhaus eifrig mit, setzte sich dann gern in die Reihen der Gäste, um zu ratschen und zu scherzen.
Die Senioren wiederum haben den nahbaren Mann mit dem strahlenden Lächeln ins Herz geschlossen, verabschiedeten ihn vor Kurzem mit Geschenken, einem persönlichen Fotoalbum voller Erinnerungen, unter anderem vom Besuch in Rom, einer „Intelligenzbrille“, einem Hemd für den Gillamoos, weiteren netten Kleinigkeiten – und mit vielen lieben Worten.
Gut gerüstet für den Gillamoos
„Du bist a richtiger Gillamoosbursch word‘n“, sagte Lole Schaller scherzend, „eigentlich wollt’ ich dir a Lederhos‘n kaufen“. Stattdessen wurde es eben das Karohemd und ein Gillamoos-T-Shirt. „Ein bisschen groß“, meinte Nagireddy grinsend, als Schaller ihm das T-Shirt hinhielt, „das geht schon ein“, entgegnete sie schmunzelnd. „Das werde ich zum Gillamoos tragen“, versprach daraufhin der scheidende Kaplan. Schaller wiederum versprach, ihm ein Zimmer frei zu halten.
„Du kannst uns jederzeit besuchen kommen“, meinte dann auch dritte Bürgermeisterin Marion Huber-Schallner, die sich stellvertretend für die Stadt von ihm verabschiedete, und schickte hinterher: „Die Damen werden dich auch besuchen, vielleicht mehr, als dir lieb ist. Du bist im Herzen drinnen, wirst nicht vergessen.“
Einen Tipp durfte er auch noch entgegennehmen: „Herr Kaplan, beim neuen Frauenbund, fangens‘ nicht an zu spülen ,sonst bleibt‘s ihnen.“