Burglengenfelder Familie prägt seit 100 Jahren den Einzelhandel in der Stadt mit

Von Thomas Rieke · 1. August 2026 um 05:00

Die Krise des Einzelhandels hat längst auch größere Städte erreicht. Überall mehren sich Leerstände. Insofern hat sich das kleine Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) in den zurückliegenden Jahren doch wacker geschlagen. Hier gibt es in der Geschäftswelt nach wie vor sogar Leuchttürme. Neben Spielwaren Nußstein und Mode Karl zählt ganz sicher auch das Familienunternehmen Lautenschlager mit dazu. An diesem Samstag, 1. August, feiert es sein 100-jähriges Bestehen.

Video ansehen

Zum Gespräch mit dem Reporter hat Sabine Ehrenreich (60) ein Fotoalbum mitgebracht. Darin sind auf den ersten Seiten Aufnahmen zu sehen, die einen Eindruck von den bescheidenen Anfängen des Familienbetriebs vermitteln: Am 1. August 1926 eröffnen Maria und Johann Lautenschlager, also die Großeltern Ehrenreichs, im sogenannten Schellerer-Haus (heute Cheikhos Lounge) ein Schreibwarengeschäft. Schnell entwickelt es sich zu einer festen Größe in der Burglengenfelder Innenstadt, zumal das Warenangebot auch immer umfangreicher wird. Hutmode zählt ebenso dazu wie Trauerbekleidung.

Blick ins Familienalbum: So sah das erste Geschäft 1926 von außen aus. - Foto: Privat

Brandstiftung zwang zu weiterem Umzug

1952 erfolgt der erste große Umzug in ein Gebäude direkt neben dem historischen Rathaus. 1966 wird es aber durch Brandstiftung zerstört, so dass erneut ein Ortswechsel notwendig ist. Übergangsweise geht es für knapp ein Jahr in das sogenannte Träger-Haus (heute Buch- und Spieleladen), im Dezember 1966 kann dann am Marktplatz 1 (Hörl-Haus) Eröffnung gefeiert werden.

An dieser Adresse sollte sich bis heute nichts ändern. Im Hintergrund aber umso mehr. Zum einen haben Ehrenreichs Eltern, Johann und Renate Lautenschlager, die denkmalgeschützte Immobilie, deren Geschichte bis ins Jahr 1676 zurückreicht, 1992 erworben. Zum anderen wurde mehrfach umgebaut, beziehungsweise vergrößert, und das Sortiment umgestellt.

Die Geschichte der Immobilie am Marktplatz 1 reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. - Foto: Julia Ehrenreich

Die Oma gab mit „Spielgeld“ den entscheidenden Impuls

2007 brachte Sabine Ehrenreich frische Ideen in die Geschäftsleitung ein und entwickelte das Warenangebot konsequent weiter. 2015 wurde ihre Tochter Julia Teil der Geschäftsführung. Das war nach Schilderungen der heute 40-jährigen Frau alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die Vorstellung, im Laden der Mutter einmal Kunden zu bedienen oder hinter der Kasse zu stehen, war ihr als Kind nie reizvoll erschienen. Stattdessen träumte sie davon, Tierärztin oder Modedesignerin zu werden. Letztlich ließ sie sich zur Medizinischen Fachangestellten ausbilden und arbeitete zuletzt in der örtlichen Klinik.

Doch da setzte ihre Großmama einen entscheidenden Impuls: Sie schenkte ihrer Enkelin 1000 Euro „Spielgeld“, mit dem sie im Geschäft der Familie zusehen sollte, was sich daraus machen ließe. Julia wollte sich das nicht zweimal sagen lassen und fokussierte sich auf ein Schmuck-Konzept, zu dem sie gleich einen Katalog entwarf.

Mit dem Nischen-Dasein gab sie sich nicht zufrieden

Die Idee schlug so gut ein, dass sich die junge Frau entschloss, fortan mehrgleisig zu fahren. Vormittags wollte sie weiter im Krankenhaus arbeiten, nachmittags im Laden – und abends bei sich zuhause zu Schmuckpartys einladen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, doch ebenso wenig die Erkenntnis, dass die Belastung auf Dauer zu groß sein würde, zumal sich 2014 auch noch Nachwuchs ankündigte. Nun war es an Sabine Ehrenreich, die Tochter zu motivieren, ins Geschäft einzusteigen. Doch mit dem sprichwörtlichen Nischendasein wollte sich Julia nicht zufrieden geben.

Auch das könnte Sie interessieren: Rätselraten um Bierkeller in Burglengenfeld: Hält Eigentümer an Plänen für Eventlocation fest?

Mutter und Tochter leugnen nicht, dass die Zusammenarbeit anfangs keineswegs unbeschwert war. Julia sei mit viel Kreativität, Eifer und Herzblut aufgetreten, heißt es. Alles habe sie umkrempeln wollen. Nicht immer hätten sich ihre Vorschläge mit denen der Mutter gedeckt, die bis heute streng auf die Zahlen achtet.

Doch letztlich fand man zusammen, und es gelang immer besser, an einem Strang zu ziehen, wobei jeder seine individuellen Stärken einbringen sollte. 2018 wuchs das Geschäft erneut und gewann dadurch Verkaufsfläche für Mode, Schmuck, Wohnaccessoires und Geschenkideen. Zwei Jahre später wurden auch die Gewölbekeller in das Konzept integriert.

Unternehmerischer Mut, der sich bezahlt machte

Dies sei ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum heutigen Concept Store „Lautenschlager Fashion & Home“ gewesen, betonen die beiden Frauen. Voller Dankbarkeit erinnern sie aber auch an das Engagement und den Mut ihrer Eltern und Großeltern, die vor Jahrzehnten die Basis dafür geschaffen hätten, dass sich das Unternehmen erfolgreich habe entwickeln können.

Zu den besonderen Stärken, die beiläufig erwähnt werden, zählt Julia Ehrenreichs Gabe, die Sozialen Medien zu nutzen. Über die Netzwerke hat sie sich in mühevoller Kleinarbeit einen beachtlichen Kundenstamm aufgebaut – und mit einem Online-Shop ein weiteres Standbein geschaffen. Das Ladengeschäft am Marktplatz, das durch eine Art Wohnzimmer-Atmosphäre besticht, soll aber im Betrieb nach wie vor die Hauptrolle spielen. Die Krönung dort sind für Gruppen ab sechs Personen exklusives Shoppen nach dem offiziellen Ladenschluss.

Auch treuen Kunden sitzt Geld nicht mehr so locker

Auf die aktuellen Krisen angesprochen, räumen die Geschäftsfrauen ein, dass auch sie bei vielen ihren Kunden eine gewisse Kaufzurückhaltung zu spüren bekommen. Die Menschen seien verunsichert, das Geld sitze nicht mehr so locker.

Aber gemeinsam tue man alles, um den Leuchtturm Lautenschlager weiter blinken zu lassen, versichern Sabine und Julia Ehrenreich. Ein Traum für die Familie wäre es, wenn man die Geschäfte irgendwann guten Gewissens an die nächste Generation übergeben könnte.