Klar und algenfrei: Wasserqualität des Eixendorfer Sees bei Neunburg so gut wie lange nicht

Das Wasser ist klar, und schon am Morgen tummeln sich die ersten Badegäste im See. Eine solche Situation haben die Neunburger in den Vorjahren am Eixendorfer Stausee noch nicht erlebt. Ende Juli hat sich meistens eine riesige Algenschicht auf dem Gewässer ausgebreitet und das Baden unmöglich gemacht. Dass es heuer anders ist, liegt vor allem an einem Bauwerk.
Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) kann sich noch gut erinnern, dass er als Jugendlicher in den 1980er Jahren durch den Eixendorfer Stausee geschwommen ist. In den vergangenen Jahren war das aufgrund des Blaualgenproblems nicht mehr möglich. Heuer könnte der Rathauschef wieder quer durch den See schwimmen, denn trotz fast tropischer Temperaturen ist nichts von einer grünen, schleimigen Algenschicht zu sehen. „Es ist plötzlich eine ganz andere Situation“, freut sich der 55-Jährige bei einem Vor-Ort-Termin am Eixendorfer See. „So eine Situation haben wir jahrelang nicht gekannt.“
Im Juli hatte sich in den vergangenen Jahren meist ein Algenteppich gebildet
Dem kann der frühere Stadtrat Walter Drexler nur zustimmen. Als „Eixendorfer Ureinwohner“, der nur einige hundert Meter vom Ufer entfernt wohnt, kennt der 66-Jährige die Wasserqualität des Eixendorfer Stausees bestens. „In den letzten 30 Jahren hatten wir um diese Zeit keine solche Situation“, blickt Drexler zurück. Im Juni habe man manchmal noch baden können, spätestens im Juli sei dann die Wasseroberfläche aber grün gewesen. Als Beleg zeigt er Bilder vom Blaualgenteppich, die er vor etwa einem Jahr in Höhe des Badestrandes gemacht hat.
Den Grund, dass sich heuer bisher keine Blaualgen gebildet haben, sehen Birner und Drexler im neuen Entnahmeturm, der in den vergangenen Jahren an der nördlichen Stausee-Seite errichtet wurde. Bereits im Herbst 2024 fertiggestellt, konnte der Entnahmeturm am 23. März 2026 schließlich in Betrieb genommen werden, nachdem der Genehmigungsbescheid vorlag.
Der Entnahmeturm führt Wasser aus dem See oberflächennah ab – im Gegensatz zu früher, als Wasser vom Grund des Sees abgeleitet wurde. Das Wasser ist in den verschiedenen Schichten unterschiedlich warm. Und das soll so bleiben, statt ständig durch das Wasserablassen durchgemischt zu werden. Die Nährstoffe, die sich am Boden des Sees befinden, sollen auch dort, in den kälteren Wasserschichten, bleiben. Kommen sie an das wärmere Oberflächenwasser, breiten sich besagte Blaualgen aus.

Kurz nach Ostern, also schon wenige Wochen nach der Inbetriebnahme, hatte sich eine stabile Temperaturschichtung im See eingestellt, teilt Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Weiden, auf Nachfrage mit. Das WWA ist als zuständiger Talsperrenbetreiber auch verantwortlich für den Betrieb des Entnahmeturms.
Konzept des Entnahmeturms entspricht der Situation in einem natürlichen See
Bisher erfolgte der Seeablauf aus dem tief liegenden Grundablass der Talsperre. Dadurch konnte sich der See nicht thermisch schichten. „Das Konzept des Entnahmeturms und die oberflächennahe Entnahme entspricht grundsätzlich der Situation in einem natürlichen See mit oberflächennahem Zu- und Ablauf“, erklärt der WWA-Leiter. Durch die oberflächennahe Entnahme werde aus dem See nur wärmeres, sauerstoffreiches Wasser abgegeben und in den unteren Schichten verbleibe kaltes, sauerstoffarmes Wasser. „Aufgrund der eingetretenen Schichtung unterbleibt die Durchmischung und die Rücklösung von Nährstoffen aus dem Sediment“, so Rosenmüller weiter. „Dies führt zu einem verringerten Nährstoffangebot an die Algen an der Oberfläche, was deren Wachstum im besten Fall bremst.“
So eine Situation haben wir jahrelang nicht gekannt.Martin Birner, Bürgermeister
Mancher habe in den vergangenen Monaten am Nutzen des Entnahmeturms gezweifelt, sagt Bürgermeister Birner. Immerhin waren rund zehn Millionen Euro in das neue Bauwerk investiert worden. Die aktuelle Situation zeige aber, so der Rathauschef, dass es keine Fehlinvestition gewesen sei. Er sei positiv überrascht, wie sich in der Kürze der Zeit die Wasserqualität verbessert habe. Damit sei auch das Ziel, den Stausee touristisch weiter aufzuwerten, erreicht worden.
Die Freude der Neunburger über die deutlich bessere Wasserqualität kann WWA-Abteilungsleiter Christian Götz, der beim Ortstermin am Eixendorfer See dabei war, verstehen. Auch seine Behörde sei angetan vom derzeitigen Zustand.

Allerdings wolle man „den Tag nicht vor dem Abend loben“, meint Götz. Die nächsten Wochen werden nach seinen Worten herausfordernd. Da es in den zurückliegenden eineinhalb bis zwei Monaten keine nennenswerten Regenfälle gegeben habe, sei der Zulauf von der Schwarzach in den See gering. Während momentan etwa 1,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen würden, kämen nur etwa 0,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch den Zulauf dazu. Dadurch verliere der See jeden Tag gut acht bis zehn Zentimeter an Stauhöhe. Hinzu komme eine hohe Verdunstrate aufgrund der sehr heißen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius.
Oberflächennahe Entnahme muss ab einer bestimmten Stauhöhe aufgegeben werden
Ab einer bestimmten Stauhöhe müsse die oberflächennahe Entnahme aufgegeben werden. Das könne durchaus schon in der nächsten Woche der Fall sein. Man müsse danach schauen, wie sich die Situation im See entwickle. Es werde dann aber versucht, die Temperaturschichtung im See so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, um ein erneutes Algenwachstum zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.
Auf Erfahrungswerte mit anderen Seen kann das Wasserwirtschaftsamt Weiden dabei nicht zurückgreifen. Denn die künstliche Schichtung eines Sees wurde – auf Bayern bezogen – in Eixendorf zum ersten Mal umgesetzt. „Wir befinden uns deshalb momentan tatsächlich in einer Erprobungsphase und lernen sukzessive dazu“, so WWA-Leiter Rosenmüller auf Nachfrage. Die Steuerung der Talsperre wird nach seinen Worten von einem umfangreichen Monitoringprogramm begleitet und dokumentiert.
Martin Birner ist sich bewusst, dass verschiedene Kriterien für die Wasserqualität des Stausees eine Rolle spielen. Er hofft aber, dass die aktuell positive Situation noch lange anhält. Der Juli sei immerhin schon „gerettet“ worden, findet auch Walter Drexler. Erst am Mittwoch zählte der 66-Jährige tagsüber 15 und abends zehn Badegäste am Sandstrand des Eixendorfer Sees. Dabei handle es sich nicht nur um Einheimische, sondern auch um Urlauber, wie er selbst festgestellt habe.