Nach Jahren des Platzmangels: Kita in Herrnwahlthann muss Gruppe schließen

Jahrelang fehlten Betreuungsplätze, nun folgt die überraschende Kehrtwende: In der Kita St. Leonhard werden zwei Kindergartengruppen zusammengefasst. Das steckt hinter der Entscheidung.
Die vergangenen Jahre waren in der Kita St. Leonhard in Herrnwahlthann geprägt von Platzmangel und Übergangslösungen. Eine Kindergartengruppe war im Container untergebracht, eine im Pfarrheim und schließlich wurde die Waldgruppe gegründet. Zu Beginn des Kindergartenjahres kehrte Ruhe ein und alle Gruppen waren wieder mit ausreichend Platz unter einem Dach vereint. Doch nun der Schock: Eine Kindergartengruppe wird geschlossen.
Während vielerorts Personalmangel der Grund für Gruppenschließungen ist, sind es in Herrnwahlthann die Kinder. Die Anmeldezahlen für das kommende Kindergartenjahr seien deutlich zurückgegangen, begründete Kita-Leiterin Michaela Krüger den Schritt bei einem Elternabend. Gleichzeitig verändert sich die Personalsituation. Drei Erzieherinnen in Vollzeit und eine in Teilzeit verlassen die Einrichtung.
Gemeinderat lehnt Neueinstellungen ab
Neueinstellungen hatte der Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil der Juli-Sitzung abgelehnt und Bürgermeister Dietmar Pernpeintner zugestimmt, die Zahl der Kindergartengruppen von vier auf drei zu reduzieren und die bestehende Gruppenstruktur anzupassen. Der Betreuungsschlüssel in der Kita sei aber immer noch sehr gut, betont Pernpeintner. Ab September besuchen im Schnitt je 22 Mädchen und Buben die drei Gruppen.
Für die neue Gruppe werden die Eulen- und die Spatzengruppe zusammengelegt. Sie trägt dann den Namen „Vogelgruppe“. Der frei werdende Gruppenraum der Eulen soll als Individualraum weiter genutzt werden. Eine Gruppenschließung sei für alle Beteiligten eine einschneidende Veränderung, sagt Michaela Krüger auf Nachfrage.

In zahlreichen Teamsitzungen sei überlegt worden, welche Lösung für alle Kinder langfristig die beste sei. Darum habe man nicht nur organisatorisch geplant, sondern vor allem pädagogisch, erklärt Krüger. Bei der Einteilung der Gruppen habe man versucht, möglichst viele Faktoren, wie Alter, Entwicklungsstand, Freundschaften, Geschwister oder eine ausgewogene Zusammensetzung zu berücksichtigen.
Bei einem Informationsabend erfuhren die Eltern die Details der Gruppenumstrukturierung. Die Anwesenden hätten den Schritt auch vor dem Hintergrund des hohen Defizits der Kita verstanden, sagt Pernpeintner. Allerdings gab es auch Kritik. Eltern hätten angemerkt, dass die Information sehr kurzfristig erfolgt sei. Sie hätten sich mehr und diese vor allem früher gewünscht. Das versteht Pernpeintner, doch „irgendwann müssen wir handeln“.
Nun sei wichtig, dass den Kindern, die die Gruppe wechseln, der bestmögliche Übergang ermöglicht wird. Seit einigen Wochen läuft die Eingewöhnung mit gegenseitigen Besuchen in den neuen Gruppen, gemeinsamem Spiel, gemeinsamen Ritualen und Kennenlernen der neuen Pädagogen. So sollen die Kinder beim Start im September möglichst gut in ihren neuen Gruppen ankommen.
Krippe und Waldgruppe sind gut ausgelastet
Die sinkenden Anmeldezahlen im Kindergarten bedeuten nicht, dass in der Gemeinde Hausen die Nachfrage nach Betreuungsplätzen grundsätzlich eingebrochen ist. Die Kinderkrippe ist nahezu vollständig belegt, auch die Waldgruppe wird nach Angaben des Bürgermeisters gut angenommen.
Sollte der Bedarf an Kindergartenplätzen wieder steigen, könne die stillgelegte Gruppe jederzeit reaktiviert werden. „Eine Kindergartengruppe ist auch schnell wieder geöffnet“, sagt Pernpeintner.
Kürzere Betreuungszeiten abgelehnt
In der jüngsten Sitzung des Hausener Gemeinderats war die Kita auch Thema im öffentlichen Teil. Die Gemeinderäte diskutierten darüber, im kommenden Kindergartenjahr die Betreuungszeiten von 16 auf 15 Uhr zu reduzieren. Der Grund für die Überlegung war, dass in diesem Zeitraum ab September an drei Wochentagen nur drei beziehungsweise zwei Kinder anwesend sind.
Dies wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt, da eine Umsetzung ab September zu kurzfristig sei. Auch wurde befürchtet, dass Kinder dann in Einrichtungen mit „attraktiveren Betreuungszeiten“ wechseln könnten, heißt es im Protokoll zur Gemeinderatssitzung.