Über Freundschaft, Fußball und Balkan-Beats: Kelheimer Schüler rappen mit Ria Reiser

Mit KI, jeder Menge Kreativität und einer Profi-Musikerin haben Schüler der Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf (Landkreis Kelheim) eigene Songs produziert. Der Workshop zeigte, wie Musik zum Motivator wird. Möglich machte das Angebot das Startchancen-Programm, das der Schule zehn Jahre lang hohe Fördergelder bringt. Für den Schulleiter ist das ein „Sechser im Lotto“.
Rappen statt Mathe, Deutsch und Co. Das stand kurz vor den Sommerferien an zwei Tagen an der Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf auf dem Stundenplan. Mit der Mainburger Musikerin Ria Reiser tauchten die 15 Schüler der 7. Klasse ein in die Welt von Raps und Beats. Für die Präsentation vor der ganzen Schule legte sich sogar der Klassenlehrer einen Künstlernamen „und endlich Haare“ zu.
Mit Ria Reiser hatten die Jugendlichen drei Bands gegründet. Nach einer KI-Einführung entwickelten sie eigene Beats und schrieben mit digitaler Unterstützung eigene Songs. Heraus kamen der Hammergroup-Song, ein Rap über Freundschaft und Zusammenhalt, auch in schwierigen Zeiten, ein Rap, der den Sommer feiert, mit Balkan-Beats und albanischem Text, sowie eine „neue Fußball-Hymne“.
Landkreis: Eine von wenigen Schulen im Förderprogramm
Kurz vor der Abschlussaufführung wurde noch an zahlreichen Details gefeilt. Am Phrasieren der Raps, am Bedienen des Mischpults, am Einfangen der perfekten Schnipsel für ein Video oder am perfekten Zeitpunkt für das Öffnen der Konfetti-Kanone.

Am Ende tanzten und klatschten Mitschüler und Lehrer in der Turnhalle. Mittendrin stand ein zufriedener Schulleiter. „Es zeigt, was wir für eine musikalische Schule sind und was am Ende herauskommen kann, wenn man Profis vor Ort hat“, sagte Thomas Rößler nicht ohne Stolz. Der Musik-Workshop mit Ria Reiser sei nur ein Beispiel, das sichtbar mache, dass das sonderpädagogische Förderzentrum seit diesem Schuljahr Startchancen-Schule sei und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch bieten. Neben dem Beruflichen Schulzentrum sind die Thaldorfer die einzige Schule im Landkreis, die dabei ist.
Beworben hatte man sich dafür nicht, so Rößler. Die Schule sei von der Regierung von Niederbayern vorgeschlagen worden und erhalte nun zehn Jahre lang jährlich „eine hohe fünfstellige Summe, um die Schule weiterzuentwickeln“. Zudem gibt es für den Träger Geld für bauliche Investitionen und eine weitere Säule ermögliche es, das Schulteam personell zu verstärken.

Ziel des bundesweiten Programms sei es, den Schulerfolg unabhängiger vom sozialen Hintergrund der Schüler zu machen. So spielten bei der Auswahl Kriterien wie Migration oder Armut eine Rolle, sagt Rößler.
Als die Zusage vergangenen September kam, sei er überrascht gewesen. Inzwischen hat das Lehrerkollegium Ziele formuliert, auch die Schüler konnten Wünsche äußern. Unter anderem wurden bunte Stühle für den Garten angeschafft, damit die (Ganztags-)Schüler mittags ein wenig relaxen können. Auch eine Slush-Maschine und einen Smoothie-Maker gibt es inzwischen.

Der Musik-Workshop zähle neben Kinderyoga und Hip Hop-Tanz zu den ersten besonderen Aktivitäten, die nun finanziert werden können. Sie helfen unter anderem soziale Kompetenzen zu stärken, so der Schulleiter.
In den kommenden Jahren will Thomas Rößler mit seinen Kollegen und dem Geld vom Bund die Eduard-Staudt-Schule in zahlreichen weiteren Bereichen „weiterentwickeln. Sie zu einem schönen Lebensraum machen“.

Elsa, Raphael, Joana, Raphael, Moussa, Katerina und den anderen gefiel vor allem die Abwechslung. Eugenia hatte Spaß am Bass-Spielen, Antonin am Piano, Luca feilte konzentriert an seinem Rap. „Für meinen Bruder bin ich da, egal, wohin der Weg führt, von unten nach oben, wir geben nicht auf, jeder neue Tag, nimmt seinen Lauf...“
Eigene Beats produziert, Texte geschrieben
Ria Reiser und Lehrer Christian Rausch waren bei der Generalprobe an vielen Stellen gleichzeitig gefragt. Mit den 15 Teenagern hatten sie tags zuvor drei Bands gegründet. „Wir sind zu Künstlern mutiert“, so Reiser. Mit dem KI-Tool Suno hatten die Schüler eigene Beats produziert und mit Unterstützung von ChatGPT eigene Texte geschrieben.
Die Musikerin steht seit 20 Jahren auf der Bühne. Der Workshop war für sie dennoch etwas Besonderes. „Mit Kindern zu arbeiten ist eine krasse Horizont-Erweiterung, zu sehen, was ihnen gefällt, wo man etwas aus ihnen herauskitzeln kann, welche Diamanten in ihnen wohnen.“

Lehrer Christian Rausch alias Chris Cross bekam bei der Performance – dank Wuschel-Perücke – nicht nur viel Haar, er war auch sichtlich stolz auf seine Klasse. Den Workshop mit Ria Reiser hatte er sich gewünscht. Dabei hatte er vor allem Schüler im Blick, „die sonst nicht so leicht zu motivieren sind“.
Der Pädagoge macht generell gerne Musik mit den Teenagern. Einige wuchsen beim Workshop über sich hinaus. Freilich nicht alle. Denn nicht jedem liegt das Musizieren. Ein Schüler gab freimütig zu, dass ihm etwas mit Autos lieber gewesen wäre. Aber er habe gerne beim Fußball-Song mitgemacht.

Manche andere Chance tut sich wohl erst noch mit weiteren Angeboten auf. Für Schulleiter Rößler ist das Startchancen-Programm „wie ein Sechser im Lotto“. Es tue besonders gut, weil die Schule, die er seit zwei Jahren leitet, einen „großen Investitionsstau“ habe. Die Gelder seien nun das i-Tüpfelchen. Rößlers Fazit zum Auftritt der Siebtklässler: „Man sieht, wie viel Freude Schule bereiten kann.“ In den nächsten Jahren will er die „Schule Schritt für Schritt pimpen. Wir schauen, dass sie noch einen Tick besonderer wird, als sie eh schon ist“.
Das Startchancen-Schulprogramm
• Das Programm bietet ausgewählten Schulen unter anderem jährlich ein direktes Budget von 80.000 Euro.
• Davon können digitale Tools, Ausstattung oder auch externe Referenten finanziert werden.