Kelheimer Bauern stöhnen: Bisherige Ernte ist „eine Katastrophe“

Die bisherige Ernte ist „eine Katastrophe“. Martin Mittermeier, Landwirt und Kelheimer Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, bringt die Situation in der Region drastisch auf den Punkt. Die Trockenheit zwang die Bauern zu einem früheren Erntebeginn. Der Ertrag liegt rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt.
In den vergangenen Wochen zeigten dicke Staubfahnen über ausgetrockneten Fluren schon von Weitem, wo Mähdrescher das Getreide einbrachten. „Wenn man das Wetter sieht, wie es immer trockener wird, da leidet man förmlich mit der Natur. Wenn man die ausgedörrten Wiesen und Felder sieht, dann tut das weh“, sagt der Landwirt Robert Schöls aus Frauenberghausen bei Riedenburg. Die Bauern schmerzt vor allem, dass die Früchte ihrer Arbeit kärglich ausfallen.
Bislang fuhren die Landwirte Gerste, Weizen, Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen) sowie Hafer ein. „Zwei, drei Wochen früher als sonst mussten wir auf die Felder“, so Kreisobmann Mittermeier, Bauer in Steinbach bei Mainburg. Hitze und Trockenheit haben die Pflanzen vorzeitig reifen lassen. „Innerhalb von zwei Monaten hat sich das Wachstum zusammengedrängt“, sagt Schöls.
Notreife: Getreide geht in Wassersparmodus über
Eile war geboten, „denn wenn der Wassergehalt des Getreides unter ein bestimmtes Niveau sinkt, drohen die Pflanzen zu brechen. Dann lässt sich gar nichts mehr ernten“, erklärt Mittermeier. Der Hitzestress während der Kornfüllung führte bereits zur Notreife (das Getreide geht in einen Wassersparmodus über). Die Körner blieben kleiner und leichter.
Was daraus in Summe folgte, beschreibt Schöls, der auch stellvertretender Kreisobmann ist: „Wir haben etwa 20 Prozent weniger Erntemenge je Hektar und auch die Qualität ist unterdurchschnittlich.“ Mittermeier kann die betrübliche Bilanz auch nach Gesprächen mit Landhändlern nur bestätigen. „Man muss sich die Trockenheit vor Augen führen: Seit April gab es in manchen Landstrichen keinen ergiebigen Regen. Das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die regionalen Unterschiede bei Niederschlägen seien dabei auffällig, ergänzt er. „In einem Ort regnet es, im Nachbardorf gar nicht.“

Diese Erfahrung teilt auch Landwirt Marcus Blümel aus Seilbach bei Saal a. d. Donau. „Teils, teils“ sei seine bisherige Ernte ausgefallen. „Auf manchen Feldern liegen die Einbußen bei 40 Prozent“, sagt er. Blümel baut Gerste, Weizen sowie Mais an. Die Trockenheit hat auch Auswirkungen auf das Futter. „Kein Gras“ wachse mehr auf den Wiesen.
Gepaart mit den hohen Dünger- und Dieselpreisen „bleibt für die Bauern unter dem Strich immer weniger“. Erneut würde sich für einige Bauern unter den 1500 Haupt- und Nebenerwerbslandwirten im Landkreis Kelheim die Existenzfrage stellen. „Die Preise für die Agrarprodukte sind auch nicht rosig“, so der Kreisobmann. Zumindest der Erlös für Getreide zog jüngst etwas an. Längst diktiert der Weltmarkt die Preise.
Bewässerung von Getreidefeldern ist „nicht rentabel“
Eine Bewässerung von Getreidefeldern wäre angesichts der geringen Gewinnmarge „nicht rentabel“, sagt Mittermeier auf die Frage nach möglichen Auswegen. Züchtungen mit geringerem Wasserbedarf würden zwar getestet. „Aber jede Pflanze braucht Wasser.“ Bei Hopfen mache eine Tröpfchenbewässerung Sinn. Dazu soll in Neustadt a. d. Donau ein Pilotprojekt gestartet werden.
Noch lassen die Bauern für heuer ihre Hoffnung nicht ganz fahren. Hopfen, Mais, Soja und Raps könnten zumindest noch durchschnittliche Erträge abwerfen. „Der Mais hat vom Regen in der Anwuchsphase profitiert, bräuchte aber jetzt in der Zeit der Kolbenentwicklung dringend Wasser“, erklärt Schöls. Ähnliches sagt Mittermeier über den Hopfen. „Stellenweise hat es um Mainburg Niederschläge gegeben. Jetzt entscheidet sich, was daraus wird.“ Auch der Hopfen hat einen „Überlebensmodus“ und lässt bei anhaltender Trockenheit den Blütenansatz fallen.
Mehr denn je richten die Landwirte ihren Blick nach oben: Wann kommen Niederschläge? „Da reicht ein Gewitterregen nicht aus, es bräuchte ein paar Tage Landregen“, hofft Bauer Schöls. Sein Kollege Blümel aus Saal hat noch Mais stehen. „Wenn es weiterhin so wenig regnet, wird es ein schlechtes Jahr“, sagt er.
Für die Landwirte wie Mittermeier ist es teils frustrierend. „Da wird Regen angekündigt, dann verziehen sich die Wolken wieder.“ Das Bangen um die Ernte 2026 geht weiter.
Der Weltmarkt bestimmt den Preis
Globalhandel: „Deutsche Mengen haben keinen Einfluss auf den Weltmarkt – allenfalls die Mengen aus den EU-Ländern“, sagt Georg Moser, Seniorchef des gleichnamigen Agrarhandels in Riedenburg.
Marktführer: Große Erzeugerländer wie USA, Kanada und andere diktieren den Preis. „Russland ist der weltweit größte Exporteur von Getreide“, weiß Moser. Der Markt sei auch noch gesättigt aus dem Vorjahr.