Wasser aus der Donau soll zu den Hopfengärten fließen

Von Wolfgang Abeltshauser · 18. Juli 2026 um 19:00

Vor kurzem stiegen die Temperaturen wieder auf 30 Grad Celsius und mehr. Die jüngste Hitzeperiode hat sicherlich jeder noch in Erinnerung. Nicht nur Menschen leiden unter einer solchen Wetterlage – vor allem wenn dann auch noch der Niederschlag ausbleibt. Ein Pilotprojekt in Neustadt a. d. Donau soll dafür sorgen, dass Landwirte in Zukunft gegen eine solche Witterung besser gewappnet sind.

Gerade in der Zeit zwischen Juni und August ist das grüne Gold in den Hopfengärten auf konstante Versorgung mit Wasser angewiesen, sonst haben es die Dolden beim Wachsen schwer. Genau dies ist in den vergangenen Jahren immer weniger der Fall gewesen. „Es hat zwar früher schon heiße, trockene Phasen gegeben“, blickt Hopfenanbauer Hans Ostler aus Oberulrain zurück, „die haben aber nie so lange gedauert wie mittlerweile.“

Deshalb hat Ostler, der in dritter Generation seinen Hof betreibt und den an seinen Sohn weitergeben will, bereits 2010 auf eigenem Grund einen Brunnen gebohrt, um seinen Hopfen zu bewässern. Damit könne er aber lediglich etwas mehr als zehn Prozent seiner Flächen versorgen.

Es sei schlichtweg kaum möglich, nur mit Brunnen die gesamten Flächen in der Hallertau zu bewässern. Deshalb hat sich bereits im Herbst 2024 der Bewässerungsverband Hallertau gegründet, der mittlerweile laut einer Pressemitteilung rund 470 Mitglieder zählt, die rund 12.500 Hektor bewirtschaften und bewässern möchten.

Hans Ostler aus Oberulrain ist mit von der Partie

Einer dieser Landwirte ist eben Ostler, der am Pilotprojekt beteiligt ist, das rund um Sittling und Ulrain anlaufen soll. Dabei soll Wasser aus der Donau entnommen werden, nachdem eine Machbarkeitsstudie laut der Mitteilung ergeben hat, dass dies ohne negativen Folgen möglich sei. Voraussetzung sei ein bestimmter Wasserpegel. Entnommen werden solle nicht dann, wenn das Wasser gebraucht wird, sondern dann, wenn die Donau voll genug ist dafür.

An Übergabestellen wie dieser erreicht die Wasserleitung den Hopfengarten. - Foto: Wolfgang Abeltshauser

Letztendlich sei laut Ostler Neustadt a. d. Donau ausgewählt worden, weil der Fluss relativ Nahe zu den Hopfengärten liege. Der Landwirt spricht dazu von „leichten Böden“, die es hier gebe. Die würden Wasser relativ schlecht speichern, deshalb sei hier Bewässerung verstärkt notwendig.

Das Ziel ist ein baldiger Start im kommenden Jahr

„Optimistisch geschätzt geht es 2027 los“, sagt er. Allerdings müssen die umfangreichen Baumaßnahmen sowie die Entnahme von Wasser aus der Donau noch von Landrats- und Wasserwirtschaftsamt genehmigt werden. Auf Nachfrage ist aus dem Rathaus zu erfahren, dass das Thema auf der Tagesordnung der kommenden Bauausschuss-Sitzung am 30. Juli steht. Mittlerweile lägen die endgültigen Planungen zu den Speicherbecken und dem Leitungsnetz vor. Die Kommune sei zu einer Stellungnahme aufgerufen. Gleiches gelte für den Antrag zur wasserrechtlichen Erlaubnis der Wasserentnahme.

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Kurz gesagt soll im Rahmen des Projekts laut Ostler, der Mitglied im Vorstand des Bewässerungsverbands ist, eine Wasserentnahmestelle mitsamt Pumpanlage an der Donau, etwa einen Kilometer von Sittling entfernt, auf einem Grundstück der Stadt entstehen. Von dort sollen insgesamt vier Speicherbecken befüllt werden, von denen eines auf Ostlers Grund und Boden liegen soll. Derzeit baut er dort noch Kartoffeln an.

Auf einem Feld unweit von Niederurlain soll eines der Speicherbecken gebaut werden. - Foto: Wolfgang Abeltshauser

Von den Becken aus sollen Tropfschläuche gespeist werden, die in den Hopfengärten liegen und jeweils an der Stelle der jeweiligen Hopfenpflanze Löcher haben. Laut der Verbandsmitteilung sollen dann Bodenfeuchtesensoren ein etwaiges Wasserdefizit feststellen und Wasser anfordern.

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Im Grunde funktioniert Ostlers Anlage, die er installiert hat, nach demselben Prinzip. „Man kann das aber auch per Hand machen. Letztendlich wird es immer die Entscheidung eines jeden Landwirts sein, ob er bewässert oder nicht.“ Laufen solle das Projekt über 30 Jahre. Zumindest wolle man es für diese Zeit beantragen. Dass Bewässerung sinnvoll ist, sei klar. „Ich habe Sorten, die könnte ich ohne die Bewässerung nicht mehr anbauen“, betont Ostler. Allerdings habe man mit so einer Baumaßnahme noch gar keine Erfahrungen. Diese sollen nun gesammelt werden – außerdem will man einen Überblick über die Kosten erhalten, mit denen zu rechnen sei.

Weitere positive Effekte

Das Projekt bietet laut Bewässerungsverband weitere Vorteile für die Region. Der Wasserhaushalt werde deutlich verbessert, da Niederschlagswasser in der Region gehalten werde und nicht abfließe. Das fördere die Neubildung von Grundwasser, da bewässerte Böden im Herbst eine höhere Restfeuchte aufweisen würden wie andere.

Außerdem können so Schäden bei Starkregenereignissen vermieden werden, da feuchte Böden widerstandsfähiger gegen Erosion seien als trockene. Dazu ist in den Augen von Ostler das Projekt eine gute Vorbeugung gegen Hochwasser. Immerhin sollen für die Sammelbecken 354.000 Kubikmeter Wasser aus der Donau abgepumpt werden – immer zu einem Zeitpunkt, in dem sie ziemlich voll mit Wasser ist.

Die Sicherung des Hopfenanbaus bedeute auch den Erhalt eines zentralen Bestandteils regionaler Kulturgeschichte. Bewässerungssysteme, die den Fortbestand dieser Tradition sichern, würden einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen und sozialen Stabilität der Region leisten. Letztendlich würden sie auch mithelfen, weiterhin Touristen in die Hallertau zu locken.