Warum eine Anwältin und ihr Mann ein neues Café in Berg bei Neumarkt eröffnen

Um es vornweg zu sagen: Lina ist nicht der alleinige Grund, warum Marion Beutel und Holger Gißke in Berg (Landkreis Neumarkt) das „Café & Mehr 1929“ eröffnen – auch wenn die Hundedame ein großer Fan der Backkunst ihres Frauchens ist. Marion Beutel kann aber nicht nur Hundekekse, sondern auch Kuchen und Torten für Zweibeiner – was sie hochoffiziell nachweisen musste. Auch sonst haben sie und ihr Mann einiges in Bewegung gesetzt, um ein eigenes Café eröffnen zu können. Warum aber begeben sich zwei Berufstätige in dieses Abenteuer?
Am Ausgangspunkt der Antwort auf die Frage steht ein leer stehendes Haus und die Passion einer Juristin. Beides bringt Marion Beutel mit. Die Anwältin machte vor ihrem Jura-Studium eine Ausbildung in der Gastro-Branche und jobte auch danach weiter in Restaurants. „Marion ist nie ganz von der Gastronomie weggekommen“, sagt Ehemann Holger. Und: „Sie hat einen Riesenspaß am Backen.“
Die Idee, ein Café zu eröffnen, gab es deswegen schon länger. Verschiedene Gelegenheiten hätten aber nie gepasst, erzählt Beutel. Die passende fand sich im familieneigenen Haus in der Berger Hauptstraße 14. Nachdem es für einige Zeit unbewohnt war, kam das in Neumarkt lebende Paar auf die Idee, dort ein Café zu eröffnen. Nicht nur, um sich den Traum zu erfüllen, sondern auch, um durch Einnahmen den Unterhalt des Gebäudes zu finanzieren.

Das Baujahr 1929 des Hauses findet sich auch im Namen des Cafés wieder, dessen Logo den Retro-Charme des ganzen Anwesens aufgreift. Wer durch das vom Grün eines Baumes umrahmte Gartentürchen eintritt, fühlt sich wie zu Besuch auf Kaffee und Kuchen bei Oma.
Neues Café in Berg ist in einem Haus aus dem Jahr 1929 in der Hauptstraße 14
Im verwinkelten Garten finden sich mehrere Tische zwischen der Bepflanzung – auch an versteckten Ecken. Eine hohe Hecke trennt den Garten von der Hauptstraße, weswegen man sich wie in einer grünen Kapsel fernab des nur hörbaren Verkehrs fühlt. Das nostalgisch angehauchte Flair mit angenehm unmodern aussehenden Möbeln im Garten setzt sich auch im Haus fort.

Im Erdgeschoss können bis zu 25 Gäste in drei Zimmern Platz nehmen. Als würde man bei Großmutter am Küchentisch sitzen, während sie den Kaffee macht. So fühlt es sich in einem der Zimmer an. Nur mit dem Unterschied, dass die Küche nicht mehr die Küche ist und die meisten Omas früher wohl keine große silbern glänzende Siebträger-Maschine hatten, wie sie Beutel und Gißke für ihr Café angeschafft haben.
Ein Hingucker und Bonus für kältere Monate ist der große historische Kachelofen im Wohnzimmer. Ein Holzofen steht auch im kleineren dritten Zimmer. Auf einem bunten Mix an Stühlen und Sesseln kann man dann Platz nehmen und durch die Speisekarte blättern.

Die beinhaltet neben wechselnden selbst gebackenen Kuchen und Torten unterschiedliche Frühstücks-Angebote. Allen voran eines, bei dem man sich sein eigenes Frühstück aus einer Liste an Zutaten zusammenstellen kann. Für den herzhaften Hunger soll es ebenfalls Kleinigkeiten geben, sagt das Ehepaar. Das Café beziehe von regionalen Lieferanten Produkte. So kommen beispielsweise die Brötchen von der Bäckerei Düring aus Neumarkt.
Wann das neue „Café & Mehr 1929“ in Berg geöffnet hat
Weil das Café mit seinen Öffnungszeiten (jeweils die ersten drei Samstage und Sonntage im Monat von 9 bis 19 Uhr) ein Ort für mehr als Frühstück und Kaffee/Kuchen sein will, bietet das Ehepaar eine breite Getränkekarte an. Um Bier, Wein und Aperol Spritz ausschenken zu dürfen, haben die beiden eigens eine Lizenz erworben.
Es war eine von vielen rechtlichen Erfordernissen, die die Café-Betreiber für ihren Traum erfüllen mussten. Marion Beutel backte sogar eigens bei der Handwerkskammer vor, um als nicht ausgebildete Konditorin dank einer Ausnahmegenehmigung Kuchen auch extern verkaufen zu dürfen.
Mit der Gemeinde Berg wiederum galt es eine Lösung für das Thema Parken zu finden. „Die Gemeinde ist uns entgegen gekommen“, sagt Gißke. Für die Öffnungszeiten hat das Ehepaar von der Gemeinde Parkplätze hinter der nahen Sparkasse angemietet.

Derart vorbereitet, startet der Café-Betrieb am Sonntag offiziell. „Wir wissen, dass es anstrengend wird“, sagt Holger Gißke, der dennoch entspannt in das Abenteuer geht. „Wir schauen mal, wie es läuft.“ Sie seien beide dank ihrer Berufe in der glücklichen Situation, mit dem Café keine Familie ernähren zu müssen. Und Lina? Gißke lacht: „Für die ist auch so gut gesorgt.“ Der Blick der Hündin verrät aber: So ein paar Kuchenbröseln, die zufällig vom Tisch fallen, wäre sie nicht abgeneigt.