Seltsamer Name, ungewöhnlicher Ort: Eine Cafébar im kleinen Ort Kettenbach überrascht

Ungewöhnliches tut sich im Berger Ortsteil Kettenbach: Der hat nun eine Cafébar, die so auch in einem angesagten Viertel einer Großstadt sein könnte – und doch zugleich bestens in ein Oberpfälzer Dorf passt. Zudem wäre da noch der mysteriöse Name: Selma & Scholz.
Ja, der Name... Daniela Wehner muss grinsen. Die Betreiberin des Cafés in der Marienstraße hört diese Frage offenbar nicht zum ersten Mal. Mit der SPD hat es nichts zu tun, auch wenn man das angesichts ihres Nachnamens (namensgleich mit der SPD-Größe der 1960er Jahre Herbert Wehner) und des zweiten Teils des Café-Namens denken könnte. „Der Name stand schon fest, da war Olaf Scholz noch gar nicht Kanzler“, sagt die Kettenbacherin.
Wie erklärt sich der Name dann? Die Erzählung ist etwas verworren. Da gibt es Peter, der kleinste Sohn von Daniela Wehner und Mann Helmut Hirschmann. „Wenn der Peter nicht ein Peter geworden wäre, hieße er Selma“, sagt die Mutter. Außerdem habe sie einen Frauennamen im Café-Namen haben wollen und zudem einen, mit dem viele etwas anfangen können. „Selma kennt man in vielen Ländern.“ Das soll den offenen Charakter des Cafés unterstreichen. Und das Scholz? Die Oma hieß so. Auch wenn sie keine Wirtin war, sie wäre eine gute gewesen, sagt Wehner. „Bei ihr waren immer Leute.“ So mag und will es die Enkelin auch haben.
Das Café Selma und Scholz ist ein Hobby für die Kettenbacherin
Weswegen sich das Paar mit großer Energie in das Hobby gestürzt hat. Denn nichts anderes ist es. „Haben den Traum von einem eigenen Café nicht viele?“, fragt Wehner, die beim Amt für ländliche Entwicklung arbeitet. Mann Helmut ist bei der Firma Dehn angestellt. Das Selma und Scholz machen sie nebenher. Immer donnerstags und am zweiten Sonntag im Monat von jeweils 14.30 bis 22 Uhr (nähere Infos unter www.selmaundscholz.de).
So anstrengend das klingt, so befreiend scheint das auch zu sein. Sie wollen „die reine Freude am Wirte sein“ ausleben. Es ist ein Café, wie sie es sich erträumt haben.
2011 kauften sie das Anwesen samt sehr baufälligem Gebäude. Statt es abzureißen, sanierte es die Familie in viel Eigenleistung zu einem Haus, das sich ins Ortsbild eines Oberpfälzer Dorfes alter Prägung einpasst, wie Wehner sagt. Rote Fensterläden, Türen und Geländer geben dem Wohnhaus im Stil alter Zeiten ein fröhliches Aussehen.
Im gleichen Stil, aber neu, errichteten Wehner und Hirschmann ab 2020 ein Gebäude zur Straße hin, dass die Garagen fasst – und darüber die Cafébar. An der Seite schufen sie eine Terrasse, die die Gäste zum Verweilen unter freiem Himmel einlädt.
Im Selma und Scholz sind alle Getränke und Essenszutaten Bio
Wer die rote Treppe weiter emporsteigt, kommt ins Innere. Auch dort finden sich Plätze auf alten Holzstühlen an ebensolchen Tischen. Es ist ein warme Atmosphäre ausstrahlender Raum mit seinem Holzboden und der weißen Holzdecke, die auf älter machen als sie ist. Ein Pellets-Ofen im italienischen Design soll für tatsächliche Wärme in der kalten Jahreszeit sorgen. Daneben kann man sich in einer Lounge-Ecke hinfläzen und die Kuchen sowie Getränke genießen.
Schöne Dinge, Essen mit Wohlfühlfaktor, Regionalität und gutem Gewissen – so kann man die Zutaten des Selma & Scholz zusammenfassen. Die Kuchen backen Daniela Wehner und Helmut Hirschmann selbst aus überwiegend Bio-Zutaten sowie den Eiern der eigenen Hühner und den Früchten des Gartens. Generell achte man darauf, dass es regionale Bio-Produkte seien, bei denen man in vielen Fällen die Produzenten persönlich kenne, erklärt die Gastronomin.
Das alles ist der Rahmen für das, worum es Wehner vor allem geht, wie sie sagt. „Wir wollten einen Ort der Kommunikation, an dem sich Leute wohl fühlen und zusammenkommen.“ Das trifft nicht zuletzt auch für die Wirtsleute zu. „Donnerstags gehen wir jetzt wieder weg“, sagt Wehner lachend. Ins eigene Café.

