Blutspende in Parsberg: Lupburger Fußballer will als Erstspender Leben retten

Von Markus Rath · 29. Juli 2026 um 15:00

Als Abwehrspieler räumt er Stürmer ab, wirft sich in jeden Zweikampf. Doch in der Parsberger Mittelschule (Landkreis Neumarkt) geht es an diesem Tag nicht um Punkte. Hier zeigt der Lupburger Fußballer Mut auf eine andere Art: Er setzt sich auf die Liege, streckt den Arm aus und spendet zum ersten Mal Blut – für Menschen, die im Notfall ohne Blutkonserve die zweite Halbzeit nicht erleben würden.

Video ansehen

Spenderblut wird knapp. Das ist keine abstrakte Warnung mehr, sondern eine Entwicklung, die auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) in Parsberg mit Sorge beobachtet. Die Gruppe der treuen Dauerspender wird älter und damit immer kleiner. Junge Spender kommen nur wenige nach.

„Viele ältere Blutspender fallen wegen Erkrankungen weg. Gleichzeitig fehlen uns die Erstspender“, hatte die stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführerin Jutta Birkl bereits im Vorfeld des Blutspendetages in Parsberg erklärt. Deshalb setzte das BRK nicht nur auf den klassischen Blutspendetermin, sondern auch auf eine ungewöhnliche Idee: Unter dem Motto „Rent a Bürgermeister“ begrüßte Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer persönlich die Spender, übernahm die Registrierung und wollte vor allem eines – Berührungsängste abbauen.

Fußballerdate: Stürmer Josef Bauer trifft auf Abwehrspieler Niklas Scheibner

Dass ausgerechnet ein Fußballer den Anfang macht, passt ins Bild. Bauer, selbst viele Jahre gefürchteter Torjäger des TV Parsberg, gratuliert Niklas Scheibner zunächst zum gelungenen Saisonauftakt. Der Abwehrspieler aus Lupburg hat mit seiner Mannschaft gerade einen 2:0-Erfolg in Beratzhausen gefeiert. Normalerweise verhindert er Tore. Heute kämpft er dafür, dass andere überhaupt weiterleben können.

„Ich wollte es eigentlich schon lange mal machen“, erzählt der 23-Jährige. Zeitlich habe es bisher nie gepasst oder er habe den Termin schlicht verschwitzt. „Jetzt hat es gepasst.“ Ein weiterer Grund: Er kennt jetzt auch endlich seine Blutgruppe – und weiß, dass sie gebraucht wird.

Kurz darauf liegt Scheibner auf der Spenderliege. Die Nadel sitzt, der Beutel füllt sich langsam. Bevor es so weit war, wurde er gründlich durchgecheckt und vom Arzt untersucht. Rund zehn Minuten dauert die erste Blutspende seines Lebens. Dramatisch? Keineswegs. „War jetzt nicht schlimm. Eigentlich wie beim Blutabnehmen beim Doktor“, sagt er später. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ohnehin nicht. „Ich habe mir gedacht: Ich mache es für einen guten Zweck. Die zehn Minuten kann man auf jeden Fall mal in Kauf nehmen.“

Ein paar Meter weiter hängt Tina Hierl an der Nadel. Die 33-Jährige hat Niklas begleitet. Sie ist keine Erstspenderin – und doch fühlt es sich fast so an. Vor 14 Jahren hat sie zuletzt Blut gespendet. Auslöser für die Rückkehr ist eine Geschichte aus der Familie. Ihr Mann wäre beinahe als Stammzellenspender infrage gekommen. „Da habe ich gesagt: Mensch, wenn schon Blutspenden ist, dann gehe ich auch wieder.“

Wie Scheibner lässt sich Hierl zusätzlich noch als potenzielle Stammzellenspenderin registrieren. Ein weiteres Röhrchen Blut – wenige Sekunden Mehraufwand. Für Menschen mit Leukämie kann das irgendwann den entscheidenden Unterschied machen.

Die Gesundheits- und Krankenpflegerin erlebt im Klinikalltag immer wieder, wie dringend Blutkonserven benötigt werden. „Gerade wenn Oma oder Opa im Krankenhaus sind, bekommt man das mit. Als gesunder Mensch kann man schon einmal 500 Milliliter Blut hergeben, wenn andere es brauchen.“

Was ihr dabei besonders auffällt: Die Spender werden älter. „Es fehlen einfach die Jungen.“ Ihr Vorschlag kommt ohne Umschweife: „Da müsste man mehr Werbung machen – Instagram, TikTok.“

Nach der Spende wartet eine Brotzeit

Genau darauf setzt das BRK. Denn Blut lässt sich bis heute nicht künstlich herstellen. Jeder Patient ist darauf angewiesen, dass ein anderer Mensch bereit ist zu spenden. Und jeder Erstspender wird deshalb wichtiger. Scheibner bestätigt unfreiwillig, wie groß manche Hemmschwellen sind.

„Ein bissl nervös war ich schon“, gibt er zu. Nach wenigen Minuten ist die Anspannung verschwunden. Schwindel? Kreislaufprobleme? Fehlanzeige. „Mir geht es eigentlich nicht anders als vorher.“

Nach der Blutspende gibt es für Niklas Scheibner und Tina Hierl eine Brotzeit auf Kosten des BRK. - Foto: Rath

Trotzdem mahnt Bürgermeister Josef Bauer: „Das Training heute ist gestrichen, der Körper braucht nach der Blutspende ein bisschen Ruhe.“ Deshalb gibt es nach der Spende erst einmal die verdiente Brotzeit. Viel trinken, kurz ausruhen – und erst einen Tag später zurück auf den Fußballplatz.

Ob die anschließende 0:3-Niederlage gegen den SV Steinsberg tatsächlich am halben Liter weniger Blut lag? Sicher nicht. Sicher ist dagegen etwas anderes: Die wichtigste Partie dieses Wochenendes hatte Niklas Scheibner am Freitag gewonnen.

Das müssen Sie über den Blutspendetag in Parsberg wissen

• Spender: Zum Blutspendetermin kamen 104 Personen. Sechs davon waren Erstspender. Zusätzlich wurden bei vielen Blutspendern Typisierungen vorgenommen.

• Helfer gesucht: Zur Organisation der Blutspendeaktionen braucht es neben dem Blutspendeteam ehrenamtliche Helfer. Auch hier werden Unterstützer gesucht.

• Nächster Blutspendetermin: 31. August, 17 bis 20.30 Uhr, in der Grundschule Velburg, Alte Seubersdorfer Straße 15, Velburg. Wichtig: Für die Blutspende gibt es keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist der individuelle Gesundheitszustand. Dieser wird bei der Registrierung für die Blutspende abgefragt und vom Arzt untersucht. us