Eine glatte Eins: Für diesen Lehrling aus Abensberg hat sich der Fleiß ausbezahlt

Von Lucia Pirkl · 29. Juli 2026 um 19:00

Der 19-jährige Benjamin Fruth aus Abensberg bekommt für seinen Abschluss als Anlagenmechaniker den Staatspreis. Was seine Firma und sein Ausbilder damit zu tun haben und welche Rolle der Fußball bei der Gewinnnung von Nachwuchs spielt, lesen Sie hier.

Ein Schuss, ein Tor: Eine schönere Belohnung gibt es wohl kaum für einen Hobbyfußballer. Möchte man meinen – aber manchmal gibt es doch noch eine Steigerung: Nämlich eine Lehrstelle mit Erfolgsaussichten und einen Plan fürs Leben. Benjamin Fruth hat sich, rein bildlich gesprochen, seine Lehrstelle als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik „erkickt“. Aber wie das nun wirklich ablief, das ist eine längere Geschichte.

Der 19-Jährige hat vor Kurzem seine Lehre nach drei Jahren Ausbildung sehr gut abschlossen, im Berufsschulzeugnis stehen nur Einsen. Dafür bekam Fruth nun den Staatspreis der Regierung von Niederbayern für besondere Leistungen. Den durfte er am gestrigen Mittwoch in einer kleinen Feierstunde entgegen nehmen, die erste Ehrung gab es aber schon in der Abschlussfeier der Berufsschule. „Das war eine Überraschung. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der junge Mann bescheiden.

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Zufall ist das freilich nicht. Dahinter stecken drei Jahre lang Fleißarbeit und auch Einiges an Engagement von Seiten der Firma Rockermeier Heizung-Sanitär GmbH. Dass er hier seine Lehre absolviert hat, ist indes auch kein Zufall. Fußballtrainer Zecir Aliaj ist nämlich ein Bekannter von Fruths Vater und außerdem Meister bei der Firma. Ein Praktikum hat sich dadurch recht schnell ergeben. „Und das hat mir dann gleich recht gut gefallen“, erzählt Fruth. Vor allem die Vielfältigkeit habe ihm zugesagt, „jeden Tag etwas anderes, und du lernst immer was dazu“.

Beruf hat sich grundlegend gewandelt

Es ist noch nicht so lange her, da mag der Beruf „Gas-Wasser-Installateur“, wie er früher hieß, nicht unbedingt das Erste gewesen sein, der Jugendlichen als Berufswunsch einfiel. Dabei hat sich der Beruf grundlegend gewandelt, hat rein gar nichts mit der fiktiven Figur des „Flötzinger“ zu tun, den Eberhoferfans vielleicht aus der berühmten Filmreihe kennen mögen. „Das Spektrum wird immer breiter“, sagt Aliaj, „es ist nicht mehr nur Rohre verlegen und schweißen. Da steckt ganz viel anspruchsvolle Technik dahinter. Moderne Heizungen sind beispielsweise mit dem Internet verbunden.“

Früher habe man sporadisch betriebliche Schulungen über Klima- oder Wärmepumpentechnik gehabt, „jetzt geht es relativ tief in die Materie, unter anderem auch in der der Elek-trotechnik“, erzählt der Meister.

Insofern musste Fruth schon etwas Eifer mitbringen. In der Berufsschule gut aufzupassen, das sei schon einmal die halbe Miete gewesen, sagt er, und Technisches falle ihm auch leicht. Mit einem anderen Klassenkameraden habe er sich dann gegenseitig beim Lernen motiviert, das sei fast wie ein Wettbewerb gewesen. „Und die Motivation ist auf jeden Fall anders als in der normalen Schule, weil man in der Berufsschule explizit für den Beruf lernt“, sagt er junge Mann.

Diese Motivation verhalf ihm schließlich zu einer sehr guten Zwischenprüfung, mit der er die Lehrzeit von dreieinhalb auf drei Jahre verkürzen konnte.

Die Ehrung in der Berufsschule war für Fruth eine Überraschung. - Foto: Fruth

Motivierend war sicherlich nicht zuletzt auch das Klima in der Firma, dass man bei Rockermeier die Lehrlinge sehr ernst nehme, so Aliaj, „wir als Ausbilder sind ein bisschen wie Erzieher“. Dazu gehört auch, dass die Azubis schon früh, freilich mit Unterstützung, selbst Hand anlegen dürfen, dass freitags der Stoff von der Schule durchgegangen wird, dass man die Lehrlinge vor den Prüfungen nicht alleine lässt. „Vor der Prüfung nehmen wir uns extrem viel Zeit und üben auch in der Werkstatt miteinander“, so der Ausbilder.

Aber vor allem, dass über das Fachliche hinaus Wert darauf gelegt wird, dass der zwischenmenschliche Kit passt, dürfte einer der größten Faktoren sein, warum sich Lehrlinge wie Fruth hier wohlfühlen. „Das ist hier wie Familie“, sagt er, gemeinsame Ausflüge oder die legendäre Poolparty gehören dazu, Meister, die ihre Lehrlinge anschreien, früher in einigen Firmen vielleicht „der gute Ton“, das gibt es hier nicht. „Diese Zeiten, die sind Gott sei Dank vorbei“, sagt auch Aliaj, „wir haben ein recht junges Team.“

Praktika öffnen die Türen zur Ausbildung

Neue Azubis zu bekommen, damit hat man momentan hier im Übrigen keine Probleme. Vieles laufe, eben wie bei Fruth, über persönlichen Kontakt, so der Meister, „Berufsmessen spielen für uns fast gar keine Rolle. Es geht vielmehr über Gespräche im Umfeld und Praktika.“

Auch Aliaj selbst hatte damals , 2001, über ein Praktikum seine Lehrstelle bei Rockermeier bekommen – dann aber nach der Gesellenprüfung erst einmal den Betrieb verlassen. „Und im Oktober 2010 kam ich wieder zurück.“ Früher wollten die Azubis nach bestandener Lehre nicht selten in die Industrie wechseln, „heutzutage wollen viele dem Beruf treu bleiben. Das Handwerk ist wieder beliebter“, ist Aliaj überzeugt.

Den Betrieb wechseln, das will Fruth nicht, im Gegenteil: Er hat den Vertrag schon unterschrieben, und so geht es ab 1. August für ihn bei der Firma Rockermeier weiter, diesmal als Geselle, mit Plänen für die Zukunft, vielleicht Kundendiensttechniker oder Meister werden? „Nicht ,Oder‘, sondern ,Und‘!“, animiert Aliaj seinen Schützling zum Griff nach mehr. Alles ist möglich, er hat es selbst erlebt– Menschen, die einen motivieren, dran zu bleiben, sind da freilich ein guter Anschub.

Besondere Leistungen

Ehrung: Die Regierung von Niederbayern ehrt besondere Leistungen von Auszubildenden mit einem Notendurchschnitt von 1,5 und besser mit Urkunden und Staatspreisen. Benjamin Fruth hat mit seinem Notendurchschnitt von 1,0 für seine Leistungen in der Berufsschule Kelheim die Auszeichnung erhalten.

Belohnung: „Ich bin schon stolz und es ist eine tolle Bestätigung, dass sich die ganze Arbeit, die man hineingesteckt hat, auch gelohnt hat“, so Benjamin Fruth.