Was mehr zählt als gute Noten: Realschule Abensberg entlässt 135 Schüler ins Leben

Die Abschlussfeier an der Johann-Turmair Realschule in Abensberg setzte ein Ausrufezeichen hinter Monate harten Arbeitens. Das gaben die Redner den jungen Menschen mit auf den Weg.
Viele Emotionen, so manch herzlicher Rat und vor allem ganz viel Freude und Sonnenschein: Die Johann-Turmair Realschule Abensberg hat am Freitagnachmittag, 24. Juli, 135 ihrer „Küken“, die ihr vor sechs Jahren anvertraut worden waren, feierlich ins Leben entlassen. Viele Monate Fleiß liegen hinter den jungen Menschen. Für einige von ihnen hat sich dieser Fleiß sogar ganz besonders auszahlt: 19 Schüler nämlich erzielten einen Notendurchschnitt unter 1,5, eine Schülerin schloss mit einer glatten Eins ab.
Lehrer und Schüler sind zusammengewachsen
Dass Noten freilich nicht alles sind, das zog sich wie ein roter Faden durch den Nachmittag, an dem die Absolventen wieder in bewährter Manier im Klassenverbund verschiedene feierliche Stationen durchliefen, Stehempfang, Musik und Lehrerständchen inklusive.

Man lerne fürs Leben, erinnerte Landrat Christian Nerb die Absolventen und gab ihnen mit auf den Weg: „Gehen Sie offen durchs Leben, diesen Erfolg haben Sie sich selbst erarbeitet.“ Auch MdL Petra Högl betonte die besonderen Anstrengungen, die hinter den Jugendlichen liegen. Sie hätten sich mit Ehrgeiz, Geduld und Einsatz einen „Schlüsselbund“ erarbeitet, mit dem sie nun viele Türen öffnen könnten.
Wie eng Schüler und Lehrer in den vergangenen sechs Jahren zusammengewachsen sind, zeigte so manch launiger Beitrag, gespickt mit Anekdoten und Insiderwitzen. Ingolf Lugauer, der Klassenleiter der 10 b beispielsweise, verglich König und Klassenleiter. „Beide haben eine gewisse Verantwortung, müssen Werte vermitteln.“ Aber der Lehrer benötige Akzeptanz, „und ich habe selten so eine Klasse empfangen, die mich so herzlich akzeptiert hat“. Er sei nicht nur König, sondern auch der Hofnarr gewesen. Viele Tränen seien vergossen worden, weil der eine oder andere gar nicht an den eigenen Erfolg glauben wollte, „aber ihr habt einen Abschluss gemacht, das war der Wahnsinn“. Es sei nun Zeit, dass der „König“ sein „Volk“ in die Freiheit schicke, „und das ist mir noch nie so schwer gefallen wie heute“, sagte der gerührte Lehrer. Für die Schüler gab es eine herzliche Umarmung.
Sie, die Absolventen, seien die größte Attraktion des Tages, meinte dann auch Schulleiter Dr. Peter Spateneder zu den festlich gekleideten Jugendlichen, die mit einer Mischung aus Anspannung und Freude auf die Verleihung ihrer Abschlusszeugnisse warteten. Er erinnerte an die Zeitkapsel, in der die Schüler vor sechs Jahren ihre Träume und Wünsche für die Zukunft konservierten, und die sie an diesem Nachmittag mit nach Hause nehmen durften. „Ihr könnt im Leben alles erreichen, was ihr wollt“, sagte er – und unterzog diesen oft zitierten Satz dann gleich einem „Realitätscheck“. „Stimmt das wirklich? Oder ist das nur eine Floskel? Geht es im Leben immer nur nach oben? “

Es gehe nicht immer nur nach Plan, es werde, so prophezeite Spateneder den jungen Menschen, auch Überraschungen und Krisen geben im Leben. „Was ist, wenn sich die Anstrengung nicht auszahlt? Vielleicht macht ihr alles richtig und scheitert trotzdem?“ Niederlagen seien aber nicht das Gegenteil von Erfolg, entscheidend sei, was man daraus mache, führte er weiter aus. „Ihr werdet Fehler machen, aber ein Fehler ist nie ein Urteil über dich, sondern ein Feedback: , Schau mal, so hat es nicht funktioniert, mach es anders‘.“
„Wir starten niemals am gleichen Punkt“
Mit dem Realschulabschluss hätten die Jugendlichen einen wertvollen, hochwertigen Abschluss in der Tasche, den der eine leichter, der andere schwerer erreicht habe, „weil ihr alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen gegangen seid. Wir starten niemals alle am gleichen Punkt. Ihr seid nie verantwortlich für die Voraussetzungen, mit denen ihr startet. Aber ihr seid verantwortlich für das, was ihr daraus macht.“ Spateneder ermutigte die jungen Menschen, hart zu arbeiten, aufzustehen, wenn sie scheitern und hinzuhören, wenn sie Fehler machen. „Wenn ihr das beherzigt, dann könnt ihr alles schaffen, vielleicht mehr als das, was ihr damals in die Zeitkapsel geschrieben habt.“
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Verabschiedet wurden die Jugendlichen unter anderem auch vom Förderverein der Freunde der Schule. Daniel Ritz dachte an seine eigene Schulzeit und meinte: „Was geblieben ist, das sind die Freundschaften. Schaut nach links und rechts, das sind die Leute, die einen begleiten werden.“ Auch der Elternbeirat richtete Worte an die Absolventen, „nehmt eure Eltern heute fest in den Arm als dickes Dankeschön“, sagte Heike Teubl.
Neben den Zeugnissen wurden verschiedene Preise übergeben, unter anderem drei Sozialpreise für besonderes Engagement oder etwa für die Besten im jeweiligen Zweig. Einen besonderen Preis gab es unter anderem für Ben Weinzierl für sein Engagement als Schülersprecher.
Dass die Jugendlichen die Stars an diesem Tag waren, wurde vor allem an einer Geste deutlich: Die Eltern zückten immer wieder Handys und hielten diesen einmaligen Moment fest.
19 Mal gab es Noten unter 1,5
Sehr gut: 19 Schüler schlossen mit einem Abschluss unter 1,5 ab: Michael Karl, Sebastian Gruber, Evelin Neubauer, Annalena Kraus, Helena Moser, Eva Roithmeier, Hannah Necker, Lina Krausenecker, Lilly Croitoru, Marisa Blümel, Milena Zierer, Korbinian Spickenreuther, Julia Schmack, Florian Wabner, Maximilian Schantz, Isabella Bichlmeier, Sebastian Wolter, Jakob Kolb und Björn Ogorek.
Beste: Schulbeste mit 1,0 wurde Marisa Blümel.