Nächste Hitzewelle rollt an: Wird Temperatur-Rekord in Regensburg schon wieder gebrochen?

Obacht, Olaf: Das Hoch sorgt diese Woche für hohe Temperaturen – auch in Regensburg. Die Domstadt ist ein Hitzehotspot in Deutschland. Die letzte Hitzewelle ließ Rekorde purzeln. Was kommt diese Woche auf die Regensburger zu?
Ein Blick auf die Vorhersagen verrät: Insbesondere am Donnerstag wird es heiß. Sehr heiß sogar. Es werden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 38 Grad erwartet. Damit könnte womöglich eine Rekordmarke wackeln, die erst Ende Juni aufgestellt wurde. Am 28. Juni, das schreibt die Stadt auf ihrer Webseite, wurden in Regensburg 39,5 Grad gemessen. Die bisherige Temperatur-Höchstmarke in der Domstadt. Nach einem erneut heißen Freitag dürfte es zum Wochenende hin allerdings wieder etwas kühler werden – so zumindest die Vorhersagen. Darüber hinaus könnte es dann auch nass werden.
Die Hitzewelle wird für viele Regensburger zur Belastung – für manche gar zu einer handfesten Gefahr. Erst vor wenigen Tagen sorgten Berichte über Hitzetote für Aufsehen. Auch diesmal rüsten sich die Kliniken, betont etwa Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Geschäftsleitung und Medizinisch-Ärztliche Direktorin vom Caritas-Krankenhaus St. Josef. Man gehe von mehr Patienten in der Notaufnahme aus. „Aufgrund der Erfahrung der letzten Wochen können wir daher nur an die Menschen appellieren, gut auf sich zu achten. Besonders gefährdet sind dabei ältere Menschen sowie Kleinkinder.“ Aber auch für die anderen Patienten sei die Hitze eine Belastung, „da ihr Körper aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation besonders sensibel auf extreme Temperaturen reagiert“, sagt Prof. Dr. Pemmerl.
So wappnen sich die Kliniken für die heißen Temperaturen
Darüber hinaus gibt es einen hauseigenen Hitzeschutzplan. Zu den Maßnahmen zählen etwa Wasserspender, Kühlakkus oder kühlende Wickel. „Die Notaufnahme, der OP sowie die Intensivstation verfügen zudem über eine Klimaanlage. In den Mitarbeiterbereichen werden zudem Fächer und Ventilatoren eingesetzt.“ Außerdem gibt es seit mehreren Wochen kostenloses Eis für Mitarbeiter, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen. „In den nächsten Tagen wird die Küche zusätzlich ihren Speiseplan an die Temperaturen anpassen und kalte Suppen oder Melonen anbieten.“
Das alles sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, betont Prof. Dr. Pemmerl. „Wir sind derzeit noch auf der Suche nach kurzfristigen Lösungen, um auch baulich bzw. technisch für Kühlung zu sorgen, was – bei den aktuellen technischen und baulichen Voraussetzungen in St. Josef – leider nicht so leicht möglich ist.“ Mit der Generalsanierung, die im Oktober beginne, schaffe man die Voraussetzungen dafür, gut über den Sommer zu kommen.
Matthias Dettenhofer, Sprecher des Universitätsklinikums, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Man versuche, bestmöglich vor der Hitze zu schützen. „Aufgrund der Größe und der baulichen Unterschiede des Gebäudes, ist das in vielen Bereichen leider nicht immer ganz einfach, da in den wenigsten Gebäudeteilen Klimaanlagen verbaut sind.“ Es stünden aber kostenlose Wasserspender zur Verfügung. „Das Team der Notaufnahme versucht insbesondere Patienten mit hitzeassoziierten Beschwerden, wie Schwindel, Kreislaufkollaps oder Kopfschmerzen, Kühlung zu verschaffen. Um der ohnehin sehr hohen Inanspruchnahme der Notfallversorgung gerecht zu werden, steht für das Wochenende ein Team der Notfallreserve parat.“
Alles aktuellen Entwicklungen zu Hitze und Unwetter lesen Sie hier im Newsblog.
Julia Gergovich-Klein, Leiterin der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, betont: „Bei Hitzewellen greifen wir auf bewährte Maßnahmen zurück, um Patientinnen und Patienten sowie unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen.“ In Bereichen ohne Klimaanlage lüfte man in den Nacht- und Morgenstunden. Ergänzend kämen Ventilatoren und Wassersprays zum Einsatz. „Grundsätzlich empfehlen wir allen, an sehr heißen Tagen körperliche Anstrengungen möglichst zu vermeiden oder in die frühen Morgenstunden zu verlegen. Ebenso wichtig ist es, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.“
Lage ist „auffällig“: Hitze in Regensburg sorgt für niedrige Donau-Pegel
Nicht nur für den Menschen werden die Temperaturen mitunter gefährlich. Auch die Natur leidet, sagt Dr. Jörg Brandner, Fachbereichsleiter für Gewässeraufsicht des Wasserwirtschaftsamts Regensburg. „Hitze bedeutet Stress für Flora und Fauna.“ Die Pegel der Donau seien auffällig niedrig. Das sorge dafür, dass der Lebensraum schrumpfe. Das wiederum sei nicht gut für die Tiere und Pflanzen, die den Fluss ihr Zuhause nennen. Wer ausweichen kann, weicht aus.
Am Dienstagmittag um 12 Uhr hatte der Fluss an der Eisernen Brücke einen Wasserstand von 1,85 Meter. Normal wären im Sommer etwa 2,30 Meter, wie aus Zahlen des Bayerischen Landesamts für Umwelt hervorgeht. Dr. Brandner macht deutlich: „Wir sind flächendeckend in einer prekären Situation.“
Und das betrifft eben nicht nur die Pegelstände, sondern auch die Wassertemperatur. Der Fachbereichsleiter für Gewässeraufsicht erinnert an die Hitzewelle Ende Juni. Damals sei die Situation durchaus ernst gewesen. Die Donau sei mit jedem Tag um ein Grad wärmer geworden. Jeden Tag. Auch das wirkt sich freilich auf das Leben im Fluss aus. Mittlerweile sei man wieder in einem normalen Bereich. Nun kommt aber die nächste Hitzewelle. „Da muss man abwarten, wie sich das auswirkt“, sagt Dr. Brandner. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass man Mitte August mit dem Gröbsten durch sei. Aber: „Es wird sicher nicht der letzte heiße Sommer gewesen sein.“ Man müsse gegensteuern und etwa Wasserrückhalte schaffen, damit Hitzewellen weniger direkte Auswirkungen auf die Gewässer hätten.
Hohe Temperaturen in Regensburg: Stadt ruft angesichts zu Rücksichtnahme auf
Stichwort: Hitzeresilienz. Ein Thema, das auch die Stadt Regensburg seit Jahren umtreibt. Die Kommune versucht, den hohen Temperaturen etwas entgegenzusetzen. Mitunter sogar präventiv. Bei Temperaturen etwas über 20 Grad sorgte am Montag etwa die neue Sprühnebelanlage für „Abkühlung“. Ein Versehen, betont Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Normalerweise geht die Anlage erst ab einer Temperatur von 30 Grad in Betrieb. Heißt: Ab Dienstag läuft die Sprühnebelanlage – hoffentlich.
Mit Blick auf die Hitzewelle in den kommenden Tagen werde die Stadt vermehrt auf die eigene Webseite aufmerksam machen. Dort habe man Gegenmaßnahmen zusammengetragen – also etwa die Sprühnebelanlage, Trinkwasserbrunnen oder kühle Orte im Stadtgebiet. Zudem rufe man zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme auf. Man solle an besonders heißen Tagen etwa auch mal beim betagten Nachbarn nachfragen, ob alles in Ordnung ist, sagt von Roenne-Styra. Das ist allerdings auch bei unter 30 Grad eine gute Idee.