Rätselraten um Regensburgs Hitzetote: Wie viele Menschen überlebten die Temperaturen nicht?

Mindestens zwei Menschen in Regensburg überlebten die Hitzewelle im Juni nicht. Das ist klar, seit Matthias Dettenhofer, Pressereferent am Universitätsklinikum, erklärt hat, dass dort zwei Patienten verstarben, die sich in dieser Zeit wegen Beschwerden im Zuge der hohen Temperaturen an diese Einrichtung begeben hatten. Bei wie vielen Menschen in Regensburg die Hitze insgesamt zum Tod führte, bleibt aber weiterhin offen. Warum ist das so?
Immerhin veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) zwischen Juni und September wöchentlich Zahlen zu den Hitzetoten in Deutschland. Laut RKI-Homepage umfasst der Bericht Schätzungen der hitzebedingten Sterbefälle. In der Meldung für die Kalenderwochen (KW) 15 bis 27 dieses Jahres wird die Anzahl der Sterbefälle auf 6830 geschätzt, wobei die untere Grenze dieser Schätzung bei 6010 Sterbefällen liegt und die obere bei 7700. Dadurch ergeben sich laut RKI 8,2 Sterbefälle pro 100.000 Einwohner. Zu Regensburg aber habe das RKI keine Daten, antwortet dessen Pressesprecherin Susanne Glasmacher.
Unsicherheiten bei Schätzungen für Städte
Auch beim Gesundheitsamt ist nicht zu erfahren, wie viele Hitzetote es in Regensburg in diesem Jahr bereits gegeben hat. Laut Hans Fichtl, Pressesprecher am Landratsamt, dem das Gesundheitsamt angegliedert ist, liegt das daran, dass die Zahl der Hitzetoten in Deutschland nicht durch Zählen einzelner Todesfälle ermittelt wird, sondern dass es sich dabei um eine statistische Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit handelt. Diese Methode wird auch auf der Homepage des RKI so beschrieben. Warum sie nicht auch auf der Ebene einzelner Landkreise oder kreisfreier Städte zum Einsatz kommt, erklärt Fichtl damit, dass die wöchentlichen Fallzahlen häufig so gering wären, dass die Schätzungen eine hohe statistische Unsicherheit hätten und damit wenig aussagekräftig wären.
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Beim Standesamt in Regensburg sind laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, während der Hitzewelle im Juni in KW 25 64 Verstorbene gemeldet worden, eine Woche später 68 und in der darauffolgenden 57. Im vergangenen Jahr seien es in KW 25 54 Verstorbene gewesen, eine Woche später 53 und in der darauffolgenden 59. Allerdings betont von Roenne-Styra in diesem Zusammenhang, dass dem Standesamt die Todesursache im Einzelfall nicht bekannt sei. Eine seriöse Aussage zum Thema „Hitzetote“ könne daher nicht getroffen werden.
Warum es so schwer ist, die Hitzetoten in Regensburg zu zählen, wenn es schon keine Schätzungen dazu gibt, wird durch ein Statement von Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums im Krankenhaus Barmherzige Brüder deutlich. Auf die Frage, wie viele Menschen in dieser Notaufnahme bereits an den Folgen der Hitze gestorben seien, antwortet er: „Es lässt sich nicht eindeutig beurteilen, ob beispielsweise ein tödlich verlaufender Herzinfarkt auch unter weniger belastenden Witterungsbedingungen eingetreten wäre.“ Zwar könne große Hitze Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen, ein direkter ursächlicher Zusammenhang lasse sich im Einzelfall jedoch in der Regel nicht nachweisen.
Mehr Patienten, aufwendige Untersuchungen
Dass die Hitze aber für mehr Patientenaufkommen sorgt, bestätigen die Verantwortlichen in allen drei Regensburger Krankenhäusern. Rockmann spricht von einem spürbaren Anstieg von Patienten die unmittelbar oder mittelbar unter den Folgen der anhaltend hohen Temperaturen litten: Dehydrierung oder Hitzschlag. Die Diagnostik bei Beschwerden infolge der anhaltend hohen Temperaturen sei zudem häufig besonders aufwendig, da die Symptome schweren Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt ähnelten, sodass diese sicher ausgeschlossen werden müssten. Zudem könne die Hitze diese Erkrankungen begünstigen. Laut Prof. Sylvia Pemmerl, Medizinisch-Ärztliche Direktorin und Geschäftsleitung im Caritas-Krankenhaus St. Josef, belaste die zunehmende Hitze gerade ältere Menschen besonders stark. „Von daher ist bei zunehmenden Hitzeperioden leider auch mit mehr hitzebedingten Todesfällen zu rechnen“, erklärt sie. „Sollte es nochmal richtig heiß werden, rechnen wir schon mit mehr hitzeassoziierten Patienten“, verdeutlicht auch Dettenhofer vom Universitätsklinikum. Bisher gab es dort keine weiteren Hitzetoten, sagte Dettenhofer am Donnerstag.
Zuletzt habe es auch im Caritas-Krankenhaus St. Josef keine Hitzetoten gegeben, erklärt Katja Vogel, Leiterin der Unternehmenskommunikation. In den Alten- und Pflegeheimen der Caritas hat es laut Mechthild Hattemer, Geschäftsführerin der Caritas Wohnen und Pflege gGmbH, bisher keine Hitzetoten gegeben.