Regional Campen im Trend – 91-Jähriger feiert seinen 50. Sommer in Waldmünchen

Von Melissa Kutscher · 28. Juli 2026 um 05:00

Klassischerweise packen zu Ferienbeginn die meisten Familien ihre Koffer und strömen in Scharen ins Ausland oder in die Berge. Doch nicht alle zieht es raus aus Waldmünchen – einige nehmen sogar eine mehrstündige Anreise auf sich, um ein paar Wochen am Perlsee zu verbringen. So auch Helmut Lampert. Der 91-jährige Hamburger weiß wahrscheinlich mehr über den Campingplatz am Perlsee als jeder andere: Dieses Jahr verbringt er seinen 50. Sommerurlaub in Waldmünchen.

Vor einer Woche erhielt der Profi-Camper deswegen Besuch von Bürgermeister Wolfgang Kürzinger. Der schaute höchstpersönlich beim Ferienpark Perlsee vorbei, um den Dauergast zu ehren.

Nicht nur der Stadt, auch seinem Wohnwagenplatz ist Lampert treu: Bis auf zwei hat der gebürtige Hamburger alle 50 Jahre auf Platz 91 verbracht. 1665 Tage, etwa viereinhalb Jahre – eine Zahl, die kaum zu greifen ist. Was ist es, das den 91-Jährigen einst nach Waldmünchen führte und ihn seitdem immer wieder kommen ließ?

Nach Wien aufgebrochen, in Waldmünchen gelandet

Sein erster beziehungsweise zweiter Urlaub in Waldmünchen war einem schlecht ausgestatten Campingplatz in Wien geschuldet, auf dem der Jubilar einst eigentlich seinen Urlaub hatte verbringen wollen. Auf dem Weg dorthin legte er einen Zwischenstopp auf dem Campingplatz in Waldmünchen ein, wo es ihm sehr gefiel.

In Wien angekommen, musste er feststellen, dass der Platz nicht seinen Vorstellungen entsprach – nach nur zwei Tagen kehrte er nach Waldmünchen zurück. „Dort sind wir dann noch drei Wochen geblieben“, erzählt Lampert. „Und seitdem für immer“, lacht seine Lebensgefährtin.

Der Blick ist einfach unbezahlbar.Hilde Behrends

Hilde Behrends begleitet ihren Partner seit mittlerweile 14 Jahren bei den Urlauben in Waldmünchen. Erst durch Lampert hat sie nach Bayern und zum Campen gefunden und direkt die lockere Art des Urlaubs schätzen gelernt. Zwar haben sie gemeinsam und zuvor Helmut Lampert alleine auch andere Campingplätze besucht – „den Sommerurlaub aber verbringen wir immer hier“, sagt die 82-Jährige.

Meistens reisen die beiden Mitte Juni an und bleiben bis Ende Juli. „Uns gefällt diese Jahreszeit“, sagt Behrends. „Über die Wochen ist es immer ruhig“, erläutert der Jubilar dazu. „Das ist auch das, was uns immer herzieht“, ergänzt seine Partnerin.

Ruhig und idyllisch: Der Perlsee lädt nicht nur zum Baden, sondern auch zum längeren Verweilen und Campen ein. - Foto: Melissa Kutscher

Am meisten aber gefalle den beiden der Blick von ihrem Platz 91 aus: im Schatten eines Baumes mit unverstellter Sicht auf das Ufer des Perlsees und den Wald dahinter. „Der Blick ist einfach unbezahlbar“, schwärmt die 82-Jährige. Mit ihrer Liebe zum Campingplatz am Perlsee sind die beiden augenscheinlich nicht allein. „Die Urlauberzahlen haben sich eigentlich jeden Sommer gesteigert und vor allem werden es mehr Stammkunden. Die, die uns das erste Mal besucht haben, kommen in der Regel jetzt öfter“, sagt Peter Allwicher. Zusammen mit Ehefrau Erika und Sohn Andreas hat er den Ferienpark 2020 als Familienbetrieb übernommen. Seither hat er schon so manchen Trend innerhalb der Campergemeinde erlebt und kann einen Einblick geben, wer seinen Urlaub lieber am Perlsee als am Gardasee verbringt.

Der Jubilar hat alle Rechnungen aufbewahrt: Die älteste stammt aus 1974. - Foto: Melissa Kutscher

Die Heimatregion bildet den Schwerpunkt

Besucher kommen aus ganz Deutschland, gibt Allwicher an. „Aber Schwerpunkt ist tatsächlich die Heimatregion“, fügt er hinzu. „Das ist ein Trend, der sich so etwa in den letzten zwei Jahren abgezeichnet hat“, erläutert Andreas Allwicher. „Die Leute fahren lieber kürzere Strecken, haben also eine ein- bis zweistündige Anreise und machen dafür öfter im Jahr einen Drei- oder Vier-Tage-Urlaub.“

Als einen Grund dafür sieht Peter Allwicher, dass Eigentümer ihr Wohnmobil oder ihren Wohnwagen öfter als nur einmal im Jahr bei einem größeren Urlaub nutzen wollen. Das seien dann oft diejenigen, die den Ferienpark ansteuern.

Schon seit mehreren Jahren gibt es laut Allwicher den Trend, dass sich mehr Menschen ein Wohnmobil anschaffen. Vor allem die Coronazeit habe diesen Trend noch zusätzlich verstärkt, was sich positiv auf die Gästezahlen des Campingplatzes auswirke.

Die Gästegruppen seien allerdings durchaus sehr unterschiedlich: Menschen, die aus dem direkten Umkreis stammen, würden oft den Platz nutzen, um ins Campen „reinzuschnuppern“. In den Ferien kämen auch viele Familien, Eltern oder Großeltern mit Kindern, die dem Nachwuchs das Leben auf dem Campingplatz vermitteln wollen. Es gehe dabei darum, vom All-inclusive-Konzept wegzukommen und stattdessen den Fokus auf das Zusammenarbeiten zu legen.

Bei diesem Konzept will der Familienbetrieb auch bleiben: „Wir wollen nicht in Richtung Glamping gehen, sondern den Camper da haben, den es schon immer gegeben hat“, sagt Peter Allwicher. Daher wolle er auch keine „aggressive“ Internetwerbung machen – die meisten Neukunden würden durch Mundpropaganda kommen.

Die Leute, die ihre Ferien in Waldmünchen verbringen, würden laut Allwicher die Mentalität der Einheimischen und das „Verlangsamen“ des Alltags genießen. Hier grüße man sich, im Umgang herrsche einfach eine Gelassenheit, die es so in der Großstadt nicht gebe. „Auch genau die Tatsache, dass kein Massentourismus herrscht und man beim Radfahren und Wandern auch mal zwanzig Minuten allein durch den Wald gehen kann, ohne dass einem jemand entgegenkommt, ist das, was sie schätzen.“

Die Zahlen des Ferienparks unterstützen diese Einschätzung: Bis zur dritten Augustwoche sei der Campingplatz ausgebucht.