Alarmstufe 4: Im Einsatz gegen Waldbrände - Unterwegs mit den Luftbeobachtern in Cham

Von Melissa Kutscher · 29. Juni 2026 um 12:00

Bei diesen extremen Temperaturen und der andauernden Trockenheit erhöht sich die Gefahr für Waldbrände immens. Wenn sich eine solche Gefahr anbahnt, ruft die Regierung der Oberpfalz vielerorts Warnstufe 4 aus. Das war auch in der vergangenen Woche der Fall. Für die Piloten und Luftbeobachter im Stützpunkt Cham bedeutet dies: Alarmbereitschaft und Beobachtungsflüge zwei Mal am Tag. Wir durften kürzlich einen der Luftbeobachtungsflüge begleiten.

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Für die Kategorisierung der Waldbrandgefahr gibt es fünf Warnstufen – von 1, sehr niedrige Gefahr, bis 5, sehr hohe Gefahr. Ab Stufe 4 sind die ehrenamtlichen Piloten und Luftbeobachter der Luftrettungsstaffel im Einsatz. „In Bayern gibt es 33 Stützpunkte“, erläutert Karl Schweiger (63), Stützpunkt- und Einsatzleiter des Flugplatzes Cham-Janahof.

An einem Freitagmittag war er kürzlich mit Georg Hofstetter (35), einem ausgebildeten Luftbeobachter, als Pilot in der Luft. Bei diesem Flug durften wir die beiden begleiten. Wird die Alarmstufe ausgerufen, sind die Ehrenamtler oft mehrere Tage am Stück im Einsatz. Die Hitze sorgt dafür, dass sowohl Waldflächen als auch Felder von starker Trockenheit betroffen und somit anfällig für Brände sind.

Georg Hofstetter (l.) und Karl Schweiger sind ehrenamtlich für die Luftrettungsstaffel tätig. Im Zweierteam fungieren sie als Pilot und Luftbeobachter und sollen Brände frühzeitig entdecken. - Foto: Melissa Kutscher

„Ein Großteil der Wälder hier besteht aus Kiefern“, sagt Schweiger. „Diese sind besonders harzhaltig. Zudem handelt es sich beim Boden um Sandboden. Wenn es anfängt zu brennen, dann wird der Wald zur Fackel“, beschreibt er weiter. Ein weiterer Grund, weshalb die Luftbeobachtung so wichtig ist, ist, dass es hier sehr viele große, zusammenhängende Waldflächen gibt. So besteht die Gefahr, dass sich Feuer ungehindert ausbreiten, wenn sie nicht frühzeitig erkannt werden.

Einschätzungsvermögen statt Objektive und Kameras

Umso wichtiger sei laut Schweiger daher die Luftbeobachtung. Ihre Aufgaben sind Luftbilder von Bränden und deren Dokumentation. Dazu gehört natürlich auch, die potenziellen Brandherde auf Anzeichen wie Rauch zu beobachten, um ein Feuer frühzeitig erkennen und melden zu können. Wird tatsächlich ein Brand entdeckt, lotsen die Flugzeuge der Luftbeobachtung die Einsatzkräfte an die Brandstelle.

„Andere Länder arbeiten mit Wachtürmen“, erklärt Schweiger. Ausschließlich hier in Bayern, sonst nur in Kanada, nutze man Luftbeobachtungsflugzeuge. Ein Grund dafür sei laut Schweiger, dass das Gelände hierzulande zu uneben sei, um es mit einem Turm auch nur ansatzweise überblicken zu können.

Warum aber nutzt man bemannte Flugzeuge und nicht beispielsweise Drohnen zur Überwachung von hügeligem Gelände? „Ein Punkt ist die Geschwindigkeit“, erläutert Schweiger. Eine Drohne könne bei Weitem nicht so schnell fliegen wie ein Flugzeug und gleichzeitig so viel Fläche abdecken. Innerhalb etwa einer Stunde drehen die Flieger ihre „Oberpfalz-Ost“-Runde. Diese läuft wie folgt ab: Cham – Roding – Neubäu – Maxhütte-Haidhof - A93 – Regensburg – Wiesent – Brennberg – Falkenstein – Zandt – Lamer Winkel – Kleiner Arbersee – Osser – Neukirchen beim Hl. Blut – Furth im Wald – Waldmünchen – Cham. Der Hauptgrund für die bemannte Waldbrandbeobachtung sei laut Schweiger neben der Flächenabdeckung jedoch: „Das menschliche Auge differenziert besser als jedes Objektiv.“

Für uns ist deutlich erkennbar, dass sich das Klima ändert.Karl Schweiger

Am Stützpunkt Cham arbeiten etwa zehn Luftbeobachter, sagt Hofstetter. „Die brauchen wir auch dringend“, ergänzt Schweiger. Denn alle seien berufstätig und ausschließlich ehrenamtlich im Einsatz. Glücklicherweise würden einige der Luftbeobachter im öffentlichen Dienst arbeiten und könnten für die Einsätze freigestellt werden. „Nur so können wir es eigentlich stemmen“, ergänzt Schweiger.

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Dieses Jahr waren die Luftbeobachter in Cham schon mehrere Wochen im Einsatz. Bei den meisten Bränden, die es bisher gab, habe es sich zum Glück nur um kleinere Glutnester gehandelt – also Bodenbrände, die zwar eine Rauchentwicklung haben, aber keine Bäume beschädigen.

Allerdings hat es kürzlich einen Brand in Neubäu gegeben. Dieser hat ganze 1,2 Hektar Wald verschlungen – bei dem Flug, den wir kurz darauf begleiten durften, war dies von oben kaum zu erkennen. Zu diesem Zeitpunkt war auch der genaue Auslöser noch unbekannt.

Den gesamten Landkreis decken die Beobachter ab. - Foto: Melissa Kutscher

Das Klima erwärmt sich – Die Natur ist Leidtragende

„Für uns ist deutlich erkennbar, dass sich das Klima ändert“, sagt Schweiger. „Man merkt, die Erde erwärmt sich, es wird trockener“, ergänzt er. Auch Hofstetter merkt an: „Die Extreme nehmen zu, sowohl die Hitze als auch die Unwetter.“ Was aus der Luft besonders gut zu erkennen ist: Wiesen, die nach dem ersten Mähen direkt verdorrt sind, beinahe vertrocknete Flüsse und Algenwachstum in den Seen.

Extreme Hitzeperioden, wie wir sie dieses Jahr bereits im Mai und in den vergangenen Tagen erlebt haben, setzen der Natur dann zusätzlich zu. Die Auslöser für Waldbrände sind aber nur in den seltensten Fällen natürlicher Ursache. Denn mit Blitzen, die für Brände sorgen, geht normalerweise ein löschendes Gewitter einher. Nur 4,2 Prozent der Waldbrände sind nicht durch menschliches Verhalten verursacht, schreibt der WWF.

„Oft sind es heißgelaufene Maschinen oder weggeworfene Kippen“, bestätigt Schweiger. Manches, wie eben die zu heiß gewordenen Maschinenteile auf den Feldern, habe man nicht in der Hand – anderes schon. „Darum: In der trockenen Jahreszeit keine Kippen aus dem Auto schmeißen, nicht im Wald rauchen, nur auf der Terrasse grillen“, appelliert Schweiger.