Die, die der Hitze in Cham trotzen: Draußen arbeiten, wenn die Stadt glüht

Von Melissa Kutscher · 26. Juni 2026 um 05:00

Einige von uns haben das Glück, an kühlen oder zumindest klimatisierten Orten zu arbeiten und so die aktuellen Temperaturen gut zu überstehen. Wenn wir also die freie Zeit zur Abkühlung nutzen, können wir doch alle der Hitze größtenteils entkommen – oder?

„Von wegen!“, mag sich jetzt so mancher im unklimatisierten Büro vor sich hin schwitzende Leser denken. Und dies zu Recht. Doch seien Sie beruhigt, Sie sind nicht allein. Neben Ihnen gibt es eine Vielzahl von Arbeitnehmern, die Sonnencreme zur Tagespflege und den Hut zur Arbeitsbekleidung machen müssen, um der unbarmherzigen Sonne zu trotzen.

Ich finde, diesen Menschen, die zum Teil dafür sorgen, dass unser Leben trotz der hitzigen Umstände beinahe wie gewohnt abläuft, gebührt unser Dank. Und vor allem unser Respekt. Oder zumindest sollte man sich deren Existenz ins Bewusstsein rufen.

Einer dieser Menschen, denen ich an dieser Stelle meine Hochachtung zollen möchte, ist Johann Grassl. Er ist Hochbaupolier und Leiter der Baustelle bei Quadfeldmühle. Etwa zehn Stunden täglich sind er und sein Team aktuell draußen tätig. Grassl, der schon seit 45 Jahren auf dem Bau arbeitet, hat schon einige Perioden mitgemacht, in denen die Hitze den Arbeitenden zusetzt. So heiß, wie es in den kommenden Tagen aber werden soll, hat er es noch nicht erlebt. „Wenn 40 Grad angekündigt sind, werden es für uns in der Sonne etwa 50“, sagt er. „Wirklich gewöhnen kann man sich da nicht dran.“

In den vergangenen Tagen habe man daher die Arbeitszeit um eine halbe Stunde reduziert, eventuell komme noch eine weitere ganze Stunde dazu, sagt Grassl. „Außerdem machen wir zusätzliche Pausen, vor allem, wenn sich jemand unwohl fühlt. Aber der Termindruck ist trotzdem da.“

Daher müssen sich die Arbeiter den Umständen anpassen. Eisen zum Beispiel kann nur noch mit Handschuhen angefasst werden, weil es zu heiß wird. Außerdem, sagt Grassl, ist das Arbeiten mit Beton schwierig. Der darf nämlich eine Temperatur von 30 Grad nicht überschreiten – bei der Außentemperatur ein wahres Kunststück. „Wir arbeiten dafür mit Stickstoff, Eis und kühlendem Wasser“, erläutert er. Immerhin sind mittlerweile sowohl der Büro- als auch der Aufenthaltsraum-Container klimatisiert, sodass die Arbeiter zwischendurch etwas regenerieren können.

Schweißen und Schwitzen über den Dächern der Stadt

Die pralle Sonne im Nacken und heißen Bitumen unter den Füßen - als Dachdecker gleicht der Arbeitsplatz einem Ofen. - Foto: Fiona Gamringer

Noch mehr ins Schwitzen kommen geht nicht? Falsch gedacht! Die Dachdecker einer Reichenbacher Firma arbeiten aktuell auf dem DEZin Regensburg im achten Stock. „Weiter oben merkt man die Hitze noch viel mehr“, sagt Fiona Gamringer, „vor allem mit dem Untergrund.“ Damit bezieht sie sich auf sogenannte Bitumen-Bahnen, die mit einem Bunsenbrenner erhitzt und so verschweißt werden. Dabei erreicht der Stoff zwischen 150 und 200 Grad, die auf den Arbeiter zurückstrahlen. „Manchen macht das Schweißen mehr aus, manchen weniger“, erklärt sie. So könne man sich die Arbeit aufteilen. Wichtig sei es auch je nach Art der Baustelle, lange Kleidung zu tragen, sonst würde man sich direkt einen Sonnenbrand einholen.

Ausgerüstet mit Hut, Kelle und Sonnenbrille stellt sich Sophie Bauer Autofahrern und der Sonne entgegen. - Foto: Melissa Kutscher

Einen weiteren Platz auf meinem „Hitze-Podest“ verdient Sophie Bauer. Viermal am Tag stellt sie sich als Schulweghelferin für etwa eine halbe Stunde auf die Straße und sorgt dafür, dass Kinder sicher zur Schule und zurück kommen. Sie ist bis auf die Zähne bewaffnet mit Kelle, Warnweste, Sonnenbrille und -hut, um sich Autofahrern und der Sonne eisern entgegenzustellen. Wie sie das bei den aktuellen Temperaturen aushält? „Mei, es is scho a bisserl warm.“ Was für mich die Untertreibung des Jahres ist – immerhin steht sie den größten Teil ihrer „Schicht“ in der prallen Sonne auf aufgeheiztem Asphalt. Ihre Einstellung: Sie macht ja nur, was gemacht werden muss.

Drinnen und draußen kein Entkommen

Wenn Bauer zum Einsatz kommt, haben die Kinder gerade Schule aus. Wie aber sieht es davor in den Klassenzimmern aus?

Trotz Hitze lieber rausgehen als drinnen Mathe pauken. - Foto: Sabine Ebert

„,Können wir bitte rausgehen?‘ Bei Lehrkräften löst diese Frage in der Regel dieselbe reflexartige Antwort aus wie ,Schauen wir heute einen Film?‘: ein leicht empörtes ,Nein!‘.“ Das schildert uns eine Lehrerin des Fraunhofer-Gymnasiums. „Diese Reaktion bereute man diese Woche sofort, sobald man mit dem Unterrichten loslegen wollte. Denn dann erst kam sie wirklich vorne am Pult an, die drückende, aufgeheizte Luft, die schon seit ein paar Stunden Platz zwischen den Jugendlichen genommen hatte.“ Für sie galt diese Woche: „Fenster auf? Tür auf? Hilft nichts? Dann gehen wir mal raus, oder?“

Pflanzenpflege für kühles Grün in der Stadt

Die Landschaftsgärtnerinnen Julia Brandl (l.) und Daniela Schmied sorgen für kühlendes Grün in der Stadt Cham. - Foto: Melissa Kutscher

Einen wichtigen Dienst für Allgemeinheit und Umwelt leisten der Baumpfleger Kai Aumeier und die Landschaftsgärtnerinnen Julia Brandl und Daniela Schmied. Alle drei habe ich draußen in der Mittagshitze arbeitend angetroffen. Während Aumeier diese Woche Wassersäcke an Bäumen bei den Schulen befestigte, um diese effizient bewässern zu können, schnitten Brandl und Schmied die Hecken in der Innenstadt. Nur selten schützt sie dabei der Schatten der Pflanzen, die sie pflegen. Aber genau wie wir braucht das Stadtgrün in diesen Zeiten vor allem eins: Wasser. „Cham hat eine ziemlich grüne Innenstadt“, sagt Schmied. Und dafür können wir dankbar sein: Ohne sie würde sich die Stadt noch stärker aufheizen und wir aus dem Schwitzen nicht mehr herauskommen.

Kai Aumeier kümmert sich um die Pflege der Bäume im Landkreis. - Foto: Melissa Kutscher

Nach getaner Arbeit...

Wer seine Arbeit oder Schulstunden schon hinter sich hat, kann in Cham ein Bad im Regen genießen. Der Strom bietet kleinen und großen Zwei- und Vierbeinern die aktuell dringend benötigte Abkühlung.

Mit dickem Fell hilft bei der Hitze nur eins: ab ins Wasser! - Foto: Melissa Kutscher
Das Wohnzimmer mal eben in den Regen verlagern - ein Geheimtipp! - Foto: Melissa Kutscher
Einfach treiben lassen: Nach der Schule heißt es Kopf ausschalten und die Sonne genießen. - Foto: Melissa Kutscher