Ein Blick hinter die Kulissen der Trenck-Festspiele in Waldmünchen

„Eine Ära endet“: Unter diesem Motto startete am Freitag der Probeauftakt zu den diesjährigen Trenckfestspielen. Diese gehen unter der Regie von Yvonne Brosch in die 75. Auflage – allerdings werden sie in ihrer Tradition so zum letzten Mal aufgeführt werden. Martin Frank, 1. Vorsitzender des Trenck-Vereins, gibt im Rahmen einer kleinen Führung Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen, die die Zuschauer des bekannten Festspiels sonst nicht zu sehen bekommen, die aber für einen reibungslosen Spielablauf unbedingt notwendig ist.
Ab dem Jahr 2019 führte statt des bis dahin eingesetzten Herolds eine Mönchsgruppe durch das Geschehen rund um Trenck, den Pandur. Dabei handelte es sich um die bis heuer „gravierendste“ Änderung der aktuellen Fassung, die heuer zum 75. Mal aufgeführt wird, so Frank. Damit ist es nun vorbei: „2027 wird das ganz anders“, kündigt Frank an. Das zwölfköpfige Regie-Team unter Thomas Stammberger arbeitet schon daran, die Waldmünchner Geschichte neu zu erzählen.

Für alle jedoch, die nicht Teil des Regieteams sind, heißt es erst mal: Fokus auf die diesjährigen Festspiele. Wie viele Aufgaben und Akteure hinter dem jährlichen Event stehen, ist den meisten wahrscheinlich nicht bewusst. „Man sieht nicht, was hinter den Tribünen passiert“, sagt Frank. Um diese Arbeit mehr ins Licht zu rücken, führte er am Donnerstag durch die Räumlichkeiten der Festspielstätte. Dabei gewährte er einen Einblick in die Vorbereitungen, die teilweise das ganze Jahr über laufen.
Zusammenarbeit auf und hinter der Bühne
Der 1958 gegründete Verein der Trenckfestspiele weist etwa 600 Mitglieder auf. Insgesamt wirken davon am Festspiel etwa 350 Personen mit – 250 auf der Bühne und 100, die man nicht zu sehen bekommt, gibt Frank an. Ein Teil davon sind verschiedene Arbeitsgruppen innerhalb des Vereins, die mit jeweils unterschiedlichen Aufgaben betraut sind.
Eine dieser Untergruppen sind die „Schwarzen Panduren“ oder auch der technische Dienst. Diese kümmern sich laut Frank ganzjährig um das Festspielgelände. Dabei reichen deren Aufgaben von der Wartung der Tribüne über das Aufbauen von Sichtschutzzäunen bis zur Errichtung des Trenckstadls vor etwa 30 Jahren und der Wagenremise zwei vor etwa 14 Jahren.. Dieser sei „eine ganz zentrale Stätte“, erläutert Frank. Dort befindet sich während des Spiels einer von drei Bildschirmen, die auf dem Gelände verteilt sind und die während der Aufführung diese live übertragen. So können die Spieler die Show verfolgen und ihre Einsätze abstimmen. Dies ist notwendig, da das Bühnengelände im Gegensatz zum klassischen Theater sehr weitläufig ist und die Einsätze der Spieler von verschiedenen Standorten aus erfolgen, erklärt Frank.

Die nächste Station auf dem Festgelände ist die Wagenremise. Deren oberer Teil wird als Umkleide während des Spiels bei Szenen genutzt, bei denen es besonders schnell gehen muss, sowie auch als „Waffenarsenal“. Sonst lagern dort unter anderem die historischen Brauchtumswägen und die Kanone. Diese sind laut Frank etwa zwischen 70 und 100 Jahre alt und bedürfen regelmäßiger Pflege und Wartung, um für das Festspiel einsatztauglich und stabil zu sein. Darum kümmert sich die Arbeitsgruppe des technischen Dienstes.
Ebenfalls von der Gruppe der Schwarzen Panduren wurde die Kanone in Eigenregie 1981 nach Plänen aus dem Ingolstädter Armeemuseum gebaut. Seit 1991 ist diese bei den Festspielen im Einsatz und sorgte für die Gründung der Untergruppe der Kanoniere. Diese kümmern sich um die Wartung der Kanone, da diese, genau wie alle anderen mit Schwarzpulver gezündeten Waffen des Spiels, alle fünf Jahre einer Prüfung vom Beschussamt unterzogen werden.
Einsatz nicht nur beim Spiel, sondern im ganzen Jahr
Einsatz wird bei der Remise, beziehungsweise der Hohlgasse, allerdings nicht nur von menschlichen Beteiligten gezeigt: Ebenso gefordert werden die vierbeinigen Komparsen. Hier finden nämlich Reiterszenen statt, die achtsam koordiniert werden müssen. An der Remise sind hierfür Leuchten angebracht. Über diese geben die Zuständigen im Technikraum an der richtigen Stelle ein Blinkzeichen, das den Einsatz der Reiter markiert.
„Die Pferde, die seit Jahren dabei sind, die kennen diese Blinkzeichen. Man kann fast sagen, dass selbst wenn der Reiter schlafen würde und das Blinkzeichen erscheint, dann geht das Pferd auch mit dem schlafenden Reiter los“, erzählt Frank lachend. Um die vereinseigenen Pferde, die laut ihm teilweise schon über 15 Jahre dabei sind, kümmert sich ganzjährig eine eigene Reitabteilung. Finanziert wird dies von der Reitabteilung selbst, zum Beispiel durch Catering.
Ebenfalls das ganze Jahr über beschäftigt ist der Fanfarenzug, der eine eigene Abteilung bildet und sich jeden Montag im Trenckhäusl zum Proben trifft. Sie spielen auch beispielsweise bei Umzügen und werben auf diese Weise schon lange vor Beginn der Festspiele für diese, so Frank.
Als „jüngste Gruppierung“, die im Hintergrund für die Festspiele tätig sei, nennt er die Feuershow-Gruppe Agones Panduri. Diese treten das ganze Jahr über bei verschiedenen Veranstaltungen auf. Deren Mitglieder übernehmen laut Frank einzelne Rollen im Festspiel.
Unterstützung gesucht wird aktuell in einem Bereich, ohne den die Spiele nicht so aussehen würden, wie sie aussehen – genauer gesagt die Figuren. Im Bereich Schminke, Maske und Kostüm unter der Führung von Lissy Lintl wird für die aufwendigen Frisuren eine helfende Fachkraft gesucht.

Während sich nächstes Jahr der Text vollständig ändert, ziehen die Kostüme mit. „Das wird am Ende der Saison eine richtige Herausforderung, weil ja ein kompletter Rollenwechsel stattfindet“, sagt Frank. Alle Vereinskostüme würden abgegeben und registriert werden, um einen Teil davon bei der Rollenbekanntgabe neu zu verteilen. Teilweise soll es aber auch einige neue Kostüme geben.
Die Festspiele bereiten sich also auf einige große Veränderungen vor. Im Kern soll aber das Wichtigste bleiben: „Waldmünchen ist Trenck-Stadt und bleibt Trenck-Stadt“, bekräftigt Frank.