Neuer Laden in Waldmünchen setzt auf Markenbewusstsein – aber nachhaltig

Von Melissa Kutscher · 26. Mai 2026 um 09:00

180 Euro für einen Pullover, 300 Euro für eine Jacke? Bei Kleidungsstücken bekannter Hersteller wie Ralph Lauren oder Hugo Boss ist das keine Seltenheit. Wer sich markenbewusst kleiden will, muss oft tief in die Tasche greifen. Das wollen in Waldmünchen (Landkreis Cham) die Gründer von Premium Secondhand Style, Lukas Bierl und Michael Lang, ändern.

Vor etwa sechs Wochen eröffneten sie nach mehreren Jahren Onlinehandel ihren Laden in Waldmünchen. Jetzt ziehen sie erste Bilanz und geben einen Einblick in die Branche und in das Kaufverhalten ihrer Kunden.

Der Laden besteht aus zwei Räumen in der Böhmerstraße. - Foto: Melissa Kutscher

„Second Hand, erste Wahl“ – so lautet das Motto des Shops. „Gestartet haben wir letztes Jahr im Januar“, erzählt Lang und bezieht sich damit auf den Online-Shop. Hobbymäßig hätten beide davor die bekannte Secondhand-Plattform „Vinted“ genutzt. Diese lässt jedoch keine gewerbliche Nutzung zu, sodass sich die beiden entschieden, ihr Hobby zum Nebenberuf zu machen und ein Gewerbe zu gründen. „Lukas hatte schon immer ein Faible für die teureren Klamotten, aber auch auf gebrauchter Basis. Neu ist es unbezahlbar“, sagt Lang zu den Motiven für die Gründung.

Vintage-Klamotten liegen aktuell ziemlich im Trend, das lässt sich nicht bestreiten. Ein Grund dafür ist sicherlich der Versuch, Fast Fashion zu bekämpfen. Das Thema Nachhaltigkeit ist auch ein Hintergrund für die Gründung des Shops, jedoch nicht das Hauptmotiv: Secondhand Style bietet ausschließlich eine bestimmte Sparte an Kleidung an: die bekannter und teurer Marken. „Wir haben uns auf die hochpreisigen Artikel spezialisiert, dass es sich auch die Leute leisten können, die nicht das Geld haben, um sich das neu zu kaufen“, erläutert Lang.

Fast Fashion - „ein wahnsinniger Verschleiß“

Die Kleidung beziehen die beiden von verschiedenen Händlern. Die gebrauchten Artikel suchen sie bei Vintage-Großhändlern aus und achten dabei auf deren Hochwertigkeit und auf guten Zustand. „Bei manchen Sachen kann ich wirklich nicht verstehen, weshalb Leute die weggeben, die sind im Prinzip neu“, sagt Lang.

Damit spricht er ein weiteres Thema und großes Problem in der Modeindustrie an. Neben den gebrauchten Artikeln bietet Secondhand Style auch Neuware an, bei der es sich aber um für den Originalhändler unverkäufliche Rückläufer handelt. Ein Lieferant, von dem der Shop diese Neuware bezieht, ist ein Händler, der Rückläufer von Zalando aufkauft. „Wenn die Größe nicht passt oder die Farbe nicht gefällt, dann wird es eben zurückgeschickt“, sagt Lang. „Wenn das Paket einmal offen war, kann es nicht mehr verkauft werden. Das ist bei Händlern in Deutschland oder bei Amazon nicht anders“, erläutert er weiter.

Im Shop findet man hochwertige Ware und Markenartikel. - Foto: Melissa Kutscher

Für Lang ist Fast Fashion ein großes Problem in der Gesellschaft. „Von der Modebranche kann ich nur sagen, es ist eigentlich Wahnsinn, was da für ein Verschleiß da ist“, sagt er.

Bei der Händlersuche stoße er immer wieder auf Kontakte und Bilder, die schockieren würden. „Wir bekommen ziemlich viele Kontakte zugesandt, auch in Drittländer. Von denen beziehen wir nichts. Aber wir haben da Bilder geschickt bekommen, das sind Berge an Markenklamotten, so hoch wie dieser Raum. Die werden alle geschreddert oder auf Seiten wie Fleek verkauft“, erzählt Lang. „Das ist wirklich unvorstellbar.“

Online- und Offline-Handel unterstützen sich

Das Konzept, quasi neuwertiger Ware eine zweite Chance zu geben, kommt bei den Kunden von Lang und Bierl scheinbar gut an – sowohl online als auch offline in Waldmünchen. „Uns macht es Spaß, und die Leute kommen auch“, sagt Lang. Die Verkaufszahlen im Onlineshop würden sich von denen im physischen Laden nicht sehr unterscheiden. Trotz der kurzen Existenz habe der Laden bereits seine Stammkunden, berichten die beiden.

Das Geschäft war ursprünglich nur als Lager gedacht, hat sich aber zu etwas weitaus Besserem entwickelt. - Foto: Melissa Kutscher

Die Alters- und Zielgruppen seien dabei breit gefächert, auch wenn oft Gruppen von 15 bis 17-Jährigen den Bestand durchstöbern würden.

Obwohl der Laden gut läuft, ist demnächst zumindest kein weiterer Ausbau geplant – prinzipiell stehen die Betreiber der Zukunft jedoch offen entgegen und entwickeln stetig neue Aktionen und Angebote. Aktuell setzen die beiden passend zur anstehenden WM auf besondere Fußballtrikots.