Tierschutz ohne Rückhalt: Vereine wie Tierfreunde Waldmünchen stemmen Katzenversorgung

„Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen stehen vielerorts vor dem Kollaps“ – das sind die Worte von Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Der Verband hat am Donnerstag Klage gegen die Bundesregierung eingereicht, da trotz entsprechender Zusagen im Koalitionsvertrag erneut keine Fördermittel im Bundeshaushalt 2026 bereitgestellt worden sind.
Doch wie sieht die Situation vor Ort aus – etwa bei den Tierfreunden Waldmünchen, die seit genau zehn Jahren den Katzenraum in der Schulstraße betreiben? Das ehrenamtliche Team übernimmt sämtliche Pflege- und Vermittlungsaufgaben und gibt rund 50 Katzen pro Jahr die Chance auf ein neues Leben.
Claudia Hildebrand ist seit etwa vier Jahren im Verein tätig und gehört zu dem vierköpfigen Team. „Fördermittel wären natürlich toll, jeder Cent hilft uns“, sagt sie zu der Klage des Tierschutzbundes. Seit sie bei den Tierfreunden dabei ist, kam es nur ein einziges Mal vor, dass sich keine Katze in deren Obhut befand – und dies auch nur für wenige Tage. Diese Zeit habe man auch nicht pausieren können, sondern dringend nötige Renovierungsarbeiten erledigt.
Permanente Auslastung durch verschiedene Faktoren
„In der Regel sind wir immer ausgelastet“, berichtet sie. Damit ist der Verein nicht allein. Hildebrand findet: „Je größer die In-stitution ist, desto bekannter wird sie und desto mehr Anfragen kommen rein.“ Das würde schnell dazu führen, dass gerade die Tierheime überfüllt seien. Das Tierheim Regensburg verkündete kürzlich einen Annahmestopp im Katzenhaus, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. Jetzt im Frühjahr werden viele Katzenbabys geboren, was zu einer zusätzlichen Belastung führt. Auch Fälle von Tierhortung (krankhaftes Halten einer großen Anzahl von Tieren, ohne deren Grundbedürfnisse gewährleisten zu können) werden immer wieder gemeldet.

Dabei habe der Verein noch Glück, findet das Team. Die Katzen sind in einem großen Raum direkt neben der Tierarztpraxis von Dr. med. vet. Louis Kovanah untergebracht, der die Vierbeiner mit seiner Frau Katrin medizinisch versorgt. Sie stellen dem Verein die Räume kostenlos zur Verfügung, was eine große finanzielle Entlastung darstelle, so Hildebrand.
Offiziell hat der Verein Kapazitäten für die Aufnahme von sechs Katzen. Jedoch gibt es immer wieder Fälle, bei denen Katrin Kovanah eine „Rund-um-die-Uhr“-Versorgung leisten muss, wie zum Beispiel bei der Handaufzucht besonders junger Kitten. Dies macht sie dann privat. Aktuell befinden sich drei Babys und zwei Jungkatzen in ihrer Obhut, wobei sie das Trio alle vier Stunden füttert.
„Man muss es wirklich wollen“, sagt Vorsitzender Jürgen Brandt. Genau wie der Rest des Teams hat er sich schon vor der Gründung des Vereins für Vierbeiner eingesetzt. Der Aufbau des Vereins sei trotz seiner Erfahrung nicht so leicht gewesen.

„Man kann sich nicht einfach als Tierheim anmelden“, erläutert er, „es gibt viele Vorgaben vom Veterinäramt.“ Vieles davon hätten Unbeteiligte oft nicht im Blick. Um Katzen aufnehmen zu dürfen, müsse der Raum zum Beispiel über eine gewisse Quadratmeterzahl sowie ausreichend Fenster als Tageslichtquellen verfügen. Ebenso sei ein Quarantänezimmer Pflicht. Claudia Hildebrand, die sich um die bürokratischen Angelegenheiten sowie den Webauftritt des Vereins kümmert, wünscht sich weniger bürokratische Hürden. „Die Bürokratie ist ein großer Hemmschuh“, sagt sie. Die Beantragung sei oft mit so viel Arbeit verbunden, dass es sich bei kleineren Beträgen oft nicht lohne, diese auf sich zu nehmen.
„Jeder Verein ist über Fördermittel froh – aber dann bitte unbürokratisch!“Claudia Hildebrand
Die Gemeinden fördern Tierschutzvereine wie die Tierfreunde Waldmünchen. Das decke aber nicht alle Kosten, sodass sie trotzdem auf Spenden angewiesen seien. Der Verein zählt aktuell 49 Mitglieder. Diese seien hauptsächlich passiv und würden durch den Mitgliedsbeitrag unterstützen. „Das hilft uns aber tatsächlich am meisten“, sagt Brandt.

Gestützt durch Spenden und Engagement
Im Verhältnis zu größeren Tierheimen käme der kleine lokale Verein gut zurecht, findet der Vorsitzende. Das liege vor allem daran, dass sich das vierköpfige Team so engagiere und sich alle aufeinander verlassen könnten. „Das einzige Problem ist, dass das Ganze auf drei beziehungsweise vier Beinen steht. Wenn einer von uns ausfällt, könnte das zur Katastrophe werden“, sagt Hildebrand.
Damit weist sie auf ein zentrales Problem hin: zu wenig Personal für zu viele bedürftige Tiere. Das sieht auch der Tierschutzbund so. „Seit Jahrzehnten wälzt der Staat zentrale Aufgaben des Tierschutzes – und damit die Erfüllung eines Staatsziels – auf gemeinnützige Vereine ab, ohne deren Fortbestand ausreichend abzusichern oder überhaupt die Leistungen angemessen zu wertschätzen“, sagt Thomas Schröder in der Pressemitteilung zu der Klage.
Trotz der vielen Herausforderungen lässt sich der lokale Verein nicht unterkriegen. „Auch wenn es manchmal traurig ist, macht die Arbeit meistens Spaß“, sagt Katrin Kovanah. Die vier Ehrenamtler wissen zudem auch einige schöne Erlebnisse sowie lustige Geschichten über die Vierbeiner zu erzählen.

Froh seien sie auch darüber, dass die Katzen, seitdem Hildebrand sie auf Kleinanzeigen einstellen darf, recht schnell vermittelt würden, oft deutschlandweit. So hat zuletzt am Donnerstag ein junges Paar die Reise aus Rothenburg auf sich genommen, um ein neues Familienmitglied namens Susi abzuholen. „Solche Momente sind dann immer wieder schön“, findet Hildebrand.

In Bezug auf die Zukunft der pflegebedürftigen Vierbeiner formuliert Brandt eine Bitte an alle Katzenbesitzer, vernünftig zu sein. Am meisten würde es Tierheimen und Tierschutzvereinen helfen, wenn Katzen und Kater kastriert und gechipt würden. So könne man vermeiden, dass es überhaupt erst zu verwilderten Katzen und Massenvermehrung kommen würde.







