2,5-Millionen-Euro-Umkleide? Landkreis soll für vier Funktionsräume am Chamer Stadion mitbezahlen

In einem waren sich am Freitag alle Kreisausschussmitglieder und auch Landrat Christian Schindler (Freie Wähler) einig: 2,5 Millionen Euro für vier Umkleidekabinen im künftigen neuen Chamer Stadion ist viel Geld für solche Funktionsräume. Und da der Landkreis mitzahlen soll, wurde das Thema im Ausschuss ausgiebig debattiert. Doch es hätte schlimmer kommen können.
Denn eigentlich, so Landrat Christian Schindler, seien es acht Umkleidekabinen gewesen, die die Regierung dort für den Schulsport haben wollte, also die doppelte Summe an Umkleideräumen mit Duschen, was auch die doppelte Summe an Investitionen bedeutet hätte.
Da die Landkreisschulen wie vor allem die zwei Gymnasien ihren Sportunterricht regelmäßig dorthin verlegen, wird hier der Landkreis von der Stadt bei der Finanzierung des Stadionumbaus mit ins Boot geholt.
Durch Verhandlungen die Zahl halbiert
Erst durch Verhandlungen mit der Regierung durch Chams Bürgermeister Martin Stoiber (CSU) und den bisherigen Landrat Franz Löffler sei es gelungen, die Zahl zu halbieren. „Acht Umkleiden, das wäre wohl überdimensioniert“, so Schindler. Es sei natürlich viel Geld, doch seien hier die schulrechtlichen und hygienischen Vorgaben entsprechend, so dass man da nicht rauskomme, meinte Christian Schindler.
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Ab Herbst 2026 soll am Stadion gebaut werden. Entstehen werden neben Tribüne und Sportkindertagesstätte ein Funktionstrakt mit den vier Umkleidekabinen und den dazugehörenden Sanitäreinrichtungen, die insgesamt 260 Quadratmeter groß sein werden. Mit der Landkreisinvestition gewährt die Stadt den Landkreisschulen für 25 Jahre die mietfreie Mitnutzung der Räumlichkeiten, wobei eine jährliche Betriebskostenbeteiligung noch dazu kommt, so der Kreiskämmerer Simon Wagner bei seinen Erläuterungen.
Von den 2,5 Millionen Euro an geschätzten Baukosten wäre der Landkreis mit 1,18 Millionen Euro dabei. Von dieser Summe würde 56 Prozent durch Fördergelder des Landes gedeckt, so dass am Ende für den Landkreis eine Beteiligung in Höhe von 520 000 Euro verbleibt.
„Wenn wir jetzt im nichtöffentlichen Teil wären, würde ich vorschlagen, das erst einmal zu evaluieren“, eröffnete Furths Bürgermeister und CSU-Kreisrat Sandro Bauer etwas scherzhaft die Debatte. CSU-Kreisrat Karl Holmeier betonte, dass Duschen und Umkleiden hier durchaus sinnvoll seien. Ob die am Ende von den Schülern genutzt würden, wollte FW-Kreisrätin Karin Bucher dahingestellt lassen. Bisher hätten die Gymnasien das Stadion genutzt, ohne dass der Landkreis dafür etwas zahle. Doch auch sie stellte klar, dass das Gebäude mit 10.000 Euro pro Quadratmeter „irre teuer“ vorkomme. Andererseits wisse sie vom Stadthallenbau, dass der Boden dort Schwemmland sei und daher das Bauen extrem teuer werde. Die Stadthalle stehe auf zwölf Meter langen Betonpfosten.
Der Landkreis habe sich bei den Schulen informiert, sagte Landrat Christian Schindler. Ab der Pubertät würden Duschen gebraucht. Er habe auch gefragt, ob das nicht auch im ASV-Gebäude gegenüber möglich sei. Doch das sei nicht immer besetzt, von daher sei das nicht möglich.
Kriterien für Schulbauten geben Ausmaß vor
AfD-Kreisrat Josef Lintl bezweifelte nach einer eigenen Kurzumfrage bei fünf Eltern und deren Schulkinder die Nutzung durch die Schulen. Bei der Frage, ob denn geduscht werde, hätten die Kinder gelacht. Fundiertere Fakten habe er nicht. „Ist das gerechtfertigt, so viel Geld auszugeben?“, fragte er. Und verband seine Zweifel an der Investition auch mit dem Ansinnen des ASV Cham, in die Fußball-Regionalliga aufsteigen zu wollen. Vielleicht würden deshalb solche Umkleiden gebaut, bemerkte er.
Landrat Schindler erwiderte, er habe genügend Zeit gehabt, Fundierteres zu bekommen, denn das Thema sei auch der AfD bekannt gewesen. Die Summe ergebe sich aus den staatlich-gesetzlichen Kriterien, die man für solch einen Bau habe. „Die Schulbauverordnung kann ich nicht wegzaubern“, so der Landrat, ebenso wenig wie die pädagogischen Vorgaben. Ein Umziehen und Duschen im Gymnasium selbst sei jedenfalls demnach nicht möglich.
Schönthals Bürgermeister wie Kreisrat Stephan Thomas (CSU) bemerkte, dass nur zwei Toiletten beim ASV-Funktionsgebäude bei Sportgroßveranstaltungen wirklich zu wenig seien, auch wenn das geplante Gebäude teuer sei. Chameraus Bürgermeister und CSU-Kreisrat Stefan Baumgartner erwiderte auf Lintls Wortmeldung, dass alle Großveranstaltungen im Landkreis immer im Stadion Cham stattfinden würden, da nur dort der Platz dafür sei. Daher könne der Landkreis hier schon investieren, befand er. Und zum vom ASV angepeilten Regionalligaaufstieg meinte er, dass die Umkleiden hier kein Thema seien. Es gehe da vielmehr um Tribüne, Gästeblock oder Flutlicht. Sicher — für das Geld könne er eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen bauen, dennoch sei es sinnvoll. Das untermauerte auch noch einmal Landrat Schindler, der vom Kreisausschuss das Okay für eine vertragliche Regelung mit der Stadt bekam. Das Stadion habe seinen Wert, und vieles, was an Stammtischen erzählt werde – gemünzt war das wohl auch auf Lintls Wortmeldung – könne über die öffentliche Debatte ausgeräumt werden.
Keine Extraberatung mehr für Fraktionen
■ Service: Bislang genoss die CSU im Kreistag einen besonderen Beratungsservice. Zur Fraktionssitzung der Kreistagsmitglieder der CSU kamen bisher auch immer leitende Angestellte des Landratsamtes, um bei Fragen der Christsozialen passende Antworten zu finden. Die Möglichkeit hatten auch die anderen Fraktionen, die diesen Service offensichtlich nicht regelmäßig wahrnahmen. Der ist nun von Landrat Christian Schindler (Freie Wähler) gestrichen worden.
■ CSU-Nachfrage: Das veranlasste Karl Holmeier für die CSU zur Nachfrage im Kreisausschuss, warum dieser Service nun nicht mehr erlaubt sei. Christian Schindler erwiderte, er verstehe, dass die CSU solch „liebgewonnene Tradition“ vermisse, doch hier gehe es um Steuergelder und überbordende Überstunden seiner Mitarbeiter. Es reiche eine Besprechung, in der alle Fraktionen informiert würden und auch Fragen stellen könnten. Dem pflichtete FW-Kreisrätin Bucher bei.