Landkreis Cham sammelt weiter Altkleider und Konsumkunststoffe, zahlt aber drauf

Es war einmal ein lohnenswertes Geschäft – so fangen keine Märchen an, sondern Bilanzen der Kreiswerke Cham im Bereich Abfallwirtschaft. Ob Papier, Altmetall oder Elektro – es ist ein Auf und Ab beim Sammeln und Verkaufen von Recycelbarem. Für eine Sache hat die Berg- und Talfahrt Ende: Altkleider lohnen gar nicht mehr – im Gegenteil. Auch Konsumkunststoffe kann man weiter abgeben – trotz einiger Kosten.
Seit 1. Juli 2026 bekommt der Landkreis Cham keine Erlöse mehr für gesammelte Altkleider. Der lag sowieso bisher bei übersichtlichen zwei Cent je Kilogramm. Doch auch das scheint sich nach den Worten von Kreiswerke-Chef Thomas Klement nicht mehr zu lohnen. Der Markt für Altkleider befinde sich, sagte er bei der jüngsten Aussschusssitzung, seit längerem in einer schwierigen Lage, da nur wenig Absatzmärkte vorhanden seien, weil keine Exporte mehr stattfinden und die Transportkosten zudem gestiegen seien.
Billigstkleidung aus Asien überschwemmt den Markt
Der Grund für die Misere ist wie überall in der Republik hausgemacht: Pakete aus Fernost bringen täglich Paketberge mit Billigstkleidung bis an die Haustüre, die wenig aushält und am Ende schnell im Müll ist. „Fast Fashion“ ist der Fachbegriff dazu. Die Folge: Die Qualität der eingesammelten Altkleidung ist auch im Landkreis wie überall rapide abgestürzt. Das habe der Vertragspartner des Landkreises festgestellt, sagt e Klement: „Der Anteil verwertbarer Altkleider und Schuhe ist erheblich gesunken. Die abgeholte Ware besteht inzwischen signifikant aus zerrissenen und befleckten Textilresten, die nur noch schwer dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden können.“ Somit sei das Material auch nicht gut zu verwerten.
Man müsse nun abwarten, wie sich das geplante Textilgesetz mit erweiterter Herstellerverantwortung auswirke, so Klement. Die Richtung sei aber klar: Es werde Auswirkungen auf die öffentlich-rechtlich Entsorgung geben. „Es ist ein Systemwechsel – weg vom bisherigen kommunal-gewerblich organisierten Markt hin zu einem herstellerfinanzierten System“, beschrieb Klement.
„Stoffgleiche Nichtverpackungen“ kann man weiterhin abgeben
Ebenso fragwürdig wie Altkleider sind Konsumkunststoffe – die im Deutsch der Abfallwirtschaft unter den Oberbegriff „stoffgleiche Nichtverpackungen“ sortiert werden. Davon sammelt der Landkreis über die Wertstoffhöfe jedes Jahr gut 230 Tonnen ein: ausgediente Eimer, Gießkannen oder die kaputte Regentonne, aber auch Spielzeug aus Kunststoff, Waschkörbe, Wannen, Kleiderbügel, Getränkekisten oder Gartenmöbel aus Kunststoff. Die zu recyceln sei schwierig, da sie nicht sortenrein seien, sagt Klement.
2013 hätten die Kreiswerke begonnen, diese Dinge auf den Wertstoffhöfen zu sammeln. Das sei zunächst als Versuch gestartet worden, doch sollten die Kosten nie höher sein als eine thermische Verwertung, also das Verbrennen in Schwandorf. Zuletzt sei 2023 im Werkausschuss beschlossen worden, die Sammlung fortzuführen, obwohl damals bereits höhere Kosten durch das Einsammeln entstanden seien, erläuterte Klement bei der jüngsten Ausschusssitzung. Nun laufe der Vertrag fürs Sammeln und Verwerten Ende 2026 mit der Umweltservice Cham AG ab, daher müsse man neu überlegen, was man mit dem Konsumkunststoff künftig machen wolle.
Es gebe keine Verpflichtung, diese Abfälle getrennt einzusammeln und zu verwerten. Auch der nötige Reinheitsgrad könne nicht realisiert werden, um sie wirtschaftlich verwerten zu können, führte Klement ein weiteres Argument gegen die Fortführung der Sammlung an. Rund ein Drittel der Abfälle im Container seien Störstoffe, weshalb vieles verbrannt werden müsse. „Der Container heißt bei den Wertstoffhöfen Opferfraktion, weil dort alles rein kommt“, sagte der Kreiswerke-Chef. In den Container werde alles geworfen, PVC, Metall, viele verschmutzt: „Seit 2020 haben wir dafür keine Erlöse mehr.“

Der Landkreis zahle drauf – und zwar einiges. 2024 waren es knapp 75 000 Euro, 2025 über 78 000 Euro. Während man also hier über 330 Euro für die Tonne zahle, koste die thermische Verwertung über die Müllverbrennung der ZMS pro Tonne nur 178 Euro.
Dabei ordnete der Kreiswerkechef die thermische Verwertung als ökologischer ein als die bisherige Sammlung. Daher schlug Klement dem Gremium die Einstellung der Sammlung zum 31. Dezember vor. Kleine Teile könnten dann über die Restmülltonne entsorgt werden, größere über den Sperrmüll, der an zehn Wertstoffhöfen eingesammelt werde oder auch nach Wackerling zur ZMS-Umladestation gebracht werden könne. Durch die Beendigung dieser Sammlung bekomme man mehr Platz für Elektroaltgeräte an den Wertstoffhöfen. Auch Landrat Christian Schindler unterstrich die Vorteile durch das Ende der Sammlung. Er verwies darauf, dass man sich bewusst sein müsse, dass eine Nichteinstellung die Müllgebühren teurer machen könnte und damit zudem eine Vollversorgungsmentalität zementiert werde.
Ausschuss votiert gegen Sammlungseinstellung
Allen Argumenten zum Trotz – der Ausschuss schätzte die Lage anders ein als die Kreiswerke. Kreisrat Max Schmaderer fragte in die Runde, wo die Sachen dann landen würden. Es sei schwierig, diese Dinge in der Restmülltonne unterzubringen. Und dass sie einer nach Wackerling bringe, bezweifelte er auch. Somit bestehe die Gefahr, dass sie im Wald landeten. Er denke, dass 90 Prozent der Bürger den bisherigen Weg wollen. Daher empfehle er, das Angebot weiter laufen zu lassen. Vielleicht sollte nur besser kontrolliert werden. Auch Chams Bürgermeister und Kreisrat Martin Stoiber überzeugte Landkreis-Argumentation nicht. Er habe Sorge, wo der Müll dann hinkomme. „Trotz Mehrkosten ist es besser für die Natur, wenn wir sammeln.“ Auch er schlug vor, die Kontrollen beim Einwurf zu verstärken.
„Der Müll im Wald hat abgenommen – wir spüren das“, betonte auch Lohbergs Bürgermeister und Kreisrat Franz Müller. Das aufs Spiel zu setzen, sei es nicht wert.
Auf die Nachfrage von Kreisrat Christian Oberthür, ob denn bei anderen Firmen zwecks Verwertung nachgefragt worden sei, antwortete Klement, das komme mit der Ausschreibung: „Es gibt aber nur wenige, die das machen.“
Bürgermeister uneins, ob Bürger Müll korrekt trennen
Rundings Bürgermeister und Kreisrat Franz Kopp sagte, er sei zwiegespalten. Der Wertstoffhof werde immer mehr zur Restmülltonne. Es gebe bewusste Fehlwürfe für alles, was zuhause überflüssig sei. Doch mehr Kontrollen würden mehr Personal (und also mehr Kosten) bedeuten. Er schlug vor, mehr aufzuklären. Müller widersprach Kopps Darstellung: Bei ihm werde es jedes Jahr besser mit der Trennung — wobei man hier auch nur immer eine bestimmte Zahl an Bürgern reinlasse, um kontrollieren zu können.
Landrat Christian Schindler ließ schließlich gar nicht mehr abstimmen, ob eingestellt werden soll oder nicht. Das Angebot werde weitergeführt, der Punkt wurde kurzerhand abgesetzt.
In der ursprünglichen Fassung des Textes stand in der Überschrift, dass der Landkreis die Altkleidersammlung einstellt. Das ist nicht richtig. Man kann weiterhin in den 39 Wertstoffhöfen alte Kleidung abgeben. Wir haben die Überschrift deshalb korrigiert und bitten um Entschuldigung für den Fehler.