Schwandorf setzt gleich zweimal den Bauturbo in Gang – Weg frei für Mehrfamilienhäuser

Die Stadt Schwandorf nutzt den Bau-Turbo, um neuen Wohnraum zu ermöglichen. In seiner Sitzung am Donnerstag gab der Bau- und Verkehrsausschuss mehrheitlich grünes Licht für zwei größere Bauprojekte an der Jahn- und an der Dieselstraße.
Vorhaben Nummer eins hatte den Bauausschuss bereits im April dieses Jahres beschäftigt, wie Klaus Boxhorn, Sachgebietsleiter Bauordnung bei der Stadt, in Erinnerung brachte. Damals wurden Pläne für drei EOF-geförderte Mehrfamilienhäuser mit jeweils elf Wohneinheiten an der Dieselstraße eingereicht. Doch dem Ausschuss erschien das Vorhaben zu groß dimensioniert. Dem Bauherren wurde angeraten, die Wohneinheiten zu reduzieren, mehr Stellplätze anzulegen und das Dachgeschoss nicht für Wohnzwecke auszubauen.
Nun legte der Antragsteller einen neuen und abgespeckten Entwurf vor. Laut Boxhorn wurde die Zahl der geplanten Wohneinheiten auf 27 reduziert, die Anzahl der Stellplätze dagegen von ursprünglich 18 auf 27 erhöht. An der Bebauungsdichte habe sich jedoch nichts geändert, die Versiegelung durch die zusätzlichen Parkplätze sogar zugenommen. Aus Sicht der Verwaltung könne dem Vorhaben nicht zugestimmt werden, weil es immer noch einer „geordneten städtebaulichen Entwicklung“ widerspreche und eine „negative Vorbildwirkung“ für die Umgebung haben könne, so die Sitzungsvorlage. Boxhorn sagte allerdings auch, dass der Gesetzgeber eine Zustimmung über den Bau-Turbo trotzdem zulasse.
Diese Möglichkeit griffen die Stadträte dann auch auf. Für die CSU signalisierte Hans Sieß seine Zustimmung und verwies auf die veränderten Planungen, mit denen sich das Vorhaben nun in die Umgebung einfüge. „Irgendeinen Tod müssen wir sterben. Wir brauchen Wohnungen, und der Bau-Turbo lässt es zu“, sagte er. Ebenso sah es Stadtrat Matthias Kuhn (SPD). Zugleich regte er an, der Bauherr möge doch Stellplätze mit einer geringeren Versiegelung realisieren. Nur Stadtrat Tobias Mainka (Die Linke) versagte dem Projekt am Ende seine Zustimmung.
Ähnlich verlief die Debatte bei einem zweiten Vorhaben. Ein privater Bauherr will ein derzeit unbewohntes Mehrfamilienhaus an der Jahnstraße auf dem Weinberg sanieren und erweitern. Das Gebäude diente vor Jahren als Unterkunft für Asylbewerber, zurzeit ist nach Angaben aus der Stadtverwaltung die Nutzung wegen baulicher Mängel untersagt. Nach der Sanierung sind im Endausbau 15 Wohneinheiten eher kleineren Zuschnitts und 16 Stellplätze geplant. Auch hier erklärte Klaus Boxhorn, dass sich das Vorhaben nach Einschätzung der Stadtverwaltung nicht in die Umgebung einfüge. Zu dicht sei die geplante Bebauung, zu groß die Versiegelung durch die Stellplätze.
Doch erneut entschied sich der Ausschuss für eine Genehmigung via Bau-Turbo. Zur Begründung verwies CSU-Stadtrat Hans Sieß auf das Projekt an der Dieselstraße: „Wenn wir da zugestimmt haben, muss das gleiche Recht für alle gelten.“ Die Mehrheit sah es ähnlich, nur die beiden Stadträte Tobias Mainka (Die Linke) und Jochen Glamsch (UW) stimmten dagegen.