Burglengenfelder Seniorenheim besteht Stresstest auch bei Extremwetter

Neben Schwangeren, Kleinkindern und chronisch Kranken zählen Senioren über 65 zu jenen Gruppen, die unter extremer Hitze besonders leiden. Umso mehr stellt sich die Frage: Was tun Betreiber eines Pflegeheims, um ihren Bewohnern speziell in solchen Phasen Erleichterung zu verschaffen? Die Redaktion ist der Frage am Beispiel der BRK-Einrichtung in Burglengenfeld (Dr.-Kurt-Schumacher-Straße) nachgegangen.
Zur Erinnerung: Das Rote Kreuz bietet in Burglengenfeld schon seit Jahrzehnten stationäre Pflege. Doch die Gebäude, die sie heute dafür nutzt, sind erst zwischen 2018 und 2023 entstanden. Der Kreisverband hat dafür einen zweistelligen Millionenbetrag investiert und wurde für seinen unternehmerischen Mut gelobt. Noch mehr Anerkennung gab es aber für das architektonische sowie das betriebliche Konzept, das zum Beispiel die Integration einer Kinderkrippe vorsah.
Wertvoller Kamineffekt in den Treppenhäusern
Drei Jahre nach der feierlichen Einweihung lässt sich sagen: Das Gebäude in Holzbauweise hat den Praxistest auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen bestanden. Das versichert zumindest Leiter Peter Viehauser.
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Im MZ-Gespräch hebt der 61-Jährige wesentliche Merkmale des Neubaus hervor: Im Inneren gibt es riesige Treppenhäuser mit zahlreichen Oberlichten. Diese können verschattet, aber auch geöffnet werden. Besonders nachts habe sich dies als sehr nützlich erwiesen. Durch den thermischen Auftrieb (Kamineffekt) wird warme Luft ohne weiteres Zutun nach außen transportiert.

Aber auch moderne Technik findet ihren Einsatz und trägt zu einem angenehmen Raumklima bei. Fast ein Dutzend Geräte sorgt laut Viehauser kontinuierlich für Frischluftaustausch. Im Winter wird Außenluft angewärmt, im Hochsommer gewährleisten Sensoren und Bypass-Klappen, dass keine Luft eindringt, die wärmer ist als die im Inneren.
Die Wetterlage stets im Blick
Auf eine klassische Klimaanlage wurde laut Viehauser bewusst verzichtet, auch auf seinen Wunsch hin. Die Sorge, Personal und Bewohner könnten durch Zugluft oder starke Temperaturunterschiede gesundheitliche Probleme bekommen, war zu groß. Apropos Gesundheit: Um den Heimbewohnern (aktuell 103), aber auch den Mitarbeitern zu helfen, Hitzeperioden gut zu überstehen, hat das BRK-Heim bereits im vergangenen Jahr ein Hitzeschutzkonzept entwickelt. Dabei habe man sich an den Richtlinien des Qualitätsausschusses Pflege orientiert, berichtet Viehauser.
Ziel ist es seinen Worten zu folge, die Belastung möglichst gering zu halten. Dazu ist es notwendig, die Wetterlage stets genau zu beobachten, um frühzeitig reagieren zu können. So kann zum Beispiel dem Eintrag unerwünschter Wärme rechtzeitig begegnet oder der frühe Morgen genutzt werden, um gezielt zu lüften.
Aufenthalte im Freien werden ebenfalls an die Temperaturen angepasst, körperliche Anstrengungen, wie etwa durch Gymnastik, in kühlere Tageszeiten verlegt.

Besonderes Augenmerk gilt laut Viehhauser der Versorgung mit Flüssigkeit, insbesondere bei Bewohnern mit eingeschränktem Durstgefühl. Das gilt in der Pflege zwar eigentlich immer, doch bei Hitze werden Bewohner erst recht regelmäßig zum Trinken motiviert und dabei unterstützt. Das Schutzkonzept beeinflusst letztlich auch den Speiseplan, wo die klare Suppe ab bestimmten Temperaturen ganz groß geschrieben wird. Außerdem steht immer Obst ausreichend zur Verfügung. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Wassermelonen, Pfirsiche und Weintrauben. Zweimal die Woche gibt es Speiseeis. Damit die Theorie in der Praxis funktioniert und Erfahrungen ausgetauscht werden, haben die Angestellten einmal im Jahr an einer Schulung teilzunehmen, berichtet Viehauser weiter.
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Mit dem Neubau in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße ist der BRK-Kreisverband ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen. Die Investition in schwieriger Zeit (Corona, Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine) war die größte in seiner bisherigen Geschichte. Aber schon wurde am selben Ort nachgelegt: Um den Strombedarf von monatlich rund 7000 Kilowattstunden künftig möglichst selbst zu decken, wurde erst kürzlich am Dach des verbliebenen Altbaus eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 100 kW installiert. Sie kostete rund 170 000 Euro.
