Flucht in Keller, kürzerer Unterricht: So trotzten Burglengenfelds Schulen der Hitze

Von Thomas Rieke · 20. Juli 2026 um 05:00

Auch wenn das Ende des Schuljahrs schon in Sichtweite ist: Hitzeperioden dürften alle, die für Bildungseinrichtungen Verantwortung tragen, auch künftig schwer beschäftigen. Heuer war die Situation extrem, und glaubt man Experten, könnte die hohe Belastung zur Regel werden. Die Redaktion hat sich umgehört, wie Schulleitungen in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) die klimatischen Herausforderungen der zurückliegenden Wochen gemeistert haben – und ob sie Handlungsbedarf sehen.

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Mittwoch, 15. Juli, 9.30 Uhr, im Zimmer von Michael Chwatal, dem Rektor der Sophie-Scholl-Mittelschule. Das Thermometer am Sideboard zeigt knapp 24 Grad Celsius an. Erträgliche Verhältnisse also – die aber nicht repräsentativ sind für die Lage kurz vorher. Über Nacht hatte es durch ein Gewitter abgekühlt. Vor wenigen Wochen aber, als das ganze Land unter einer Hitzeglocke stöhnte, waren auf Chwatals digitalem Messegerät 31 Grad und mehr abzulesen.

Das ist nicht nur für körperliche Arbeit viel, auch Lernen wird dadurch erschwert. Bereits ab 25 Grad nehmen die Konzentrations- und Denkgeschwindigkeit spürbar ab, sagen Fachleute. Doch was tun?

Moderne Bauweise von früher rächt sich heute

„Die Gebäude, in denen unsere Schule untergebracht ist, wurden vor über 25 Jahren geplant. Damals hat man viel Glas und Stahl verbaut, und genau das macht uns heute zu schaffen“, erklärt Chwatal. Grundsätzlich heizten sich die Räume trotz Außenrollos schnell auf. Das Sekretariat hat sich laut Chwatal bereit erklärt, in Hitzeperioden morgens um sieben Fenster und Türen zu öffnen, um für Durchzug zu sorgen. Das Problem sei aber, dass Räume so schnell nicht abkühlten, wenn sich die Hitze einmal ordentlich aufgestaut habe.

Das in Wohnungen bewährte Prinzip, Fenster tagsüber geschlossen zu halten, um das Eindringen heißer Luft zu verhindern, taugt für die Mittelschule nicht. Der Kohlendioxid-Gehalt in den Klassenräumen stiege sonst schnell in bedenklich em Maße, sagt Chwatal. Seit der Pandemie gibt es in den Zimmern Geräte, die CO2 messen – und ab bestimmten Werten zum Lüften mahnen.

Anstieg der Schülerzahlen verschärft das Problem

Mangels automatischer Lüftung in den Hauptetagen bleibt dem Rektor bei einer Hitzewelle nichts anderes übrig, als für seine Schützlinge nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen. Im Keller gibt es laut Chwatal ein paar Räume, in denen angenehme Kühle herrscht. Doch grundsätzlich sei der Platz knapp, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Schule immer beliebter geworden sei. Seit Chwatal 2018 die Direktorenstelle angetreten hat, stieg die Zahl der Schüler von 332 auf 425. Mehr Köpfe bedeuten aber auch mehr Wärme.

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Dankbar ist der Schulleiter für jede „richtungsweisende Maßnahmen“, mit denen die Stadt auf die immer häufigeren Hitzebelastungen reagiere. So wurde unlängst am Pausenhof ein Unterstand mit Zeltdach errichtet. Über kurz oder lang werde die Kommune aber nicht umhin kommen, die technische Ausstattung des Gebäudes grundsätzlich zu verbessern, meint Chwatal. Der Beweis, dass das Hitze-Problem nicht mehr wie in den 1980er Jahren durch ein bisschen Hitzefrei zu lösen sei, sei längst erbracht.

Manchmal bringen auch kleinere Maßnahmen spürbare Besserung: Im Pausenhof der Mittelschule wurde ein Unterstand mit Sonnensegeln errichtet. - Foto: Michael Chwatal

Bisher hat Chwatal, räumt er ein, noch keinen entsprechenden Vorstoß im Rathaus unternommen. Andere Projekte, wie eine größere Küche für den Unterricht, erschienen ihm dringlicher. Bald aber wolle er auch in Sachen Klima vorstellig werden, denn schließlich trage er für die Gesundheit seiner Schützlinge Verantwortung.

Von unterschiedlichen Erfahrungen berichtet Ingrid Donaubauer, die Leiterin der Hans-Scholl-Grundschule. Der Teil der Schule, der im selben Zeitraum wie die Mittelschule errichtet wurde, heize sich teils unangenehm auf. Dankenswerterweise sorge der Hausmeister frühmorgens für Luftaustausch.

Im Erweiterungsbau der Grundschule läuft Lüftung auch nachts

Im Erweiterungsbau, der erst vor wenigen Jahren in Betrieb genommen wurde, herrschten indes laut Donaubauer ganz ordentliche Bedingungen. Die Investition in eine automatischen Belüftung, die auch nachts arbeite, zahle sich aus. In Tropennächten mit 20 Grad Celsius und mehr halte sich der kühlende Effekt freilich in Grenzen.

Was den Altbau betrifft, so ist Donaubauer, ähnlich wie ihr Kollege von der Mittelschule, überzeugt, dass die Stadt früher oder später etwas unternehmen müsse. Das Problem sei der Verwaltung bekannt, die Lösung aber vermutlich komplex, zeitaufwendig und teuer.

Von einer Klimaanlage hält Donaubauer im Übrigen wenig. Sie empfindet die daraus strömende Luft als unangenehm. Für deutlich besser hielte sie es, wenn Decken oder Wände mit einem Leitungssystem ausgestattet würden, in dem Kaltwasser zirkuliert.

Technik bringt nicht immer den gewünschten Effekt

Dass Umbauten und moderne Technik nicht immer die erhofften Vorteile bringen, bestätigt der Leiter der Realschule am Kreuzberg, Christian Zingler. Zwischen 2018 und 2025 wurden an seiner Schule mit Millionenaufwand Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt und Lüftungen installiert, die auch nachts arbeiten sollten. Die Raumtemperaturen würden aber nicht so abgesenkt, wie es nötig wäre, berichtet Zingler. Das sei frustrierend.

Die Realschule wurde mit Lüftungsanlagen ausgestattet. Die erhoffte Erleichterung bringen sie laut Schulleiter Christian Zingler bisher nicht. - Foto: Thomas Rieke, Archiv

Um Schülern wie Lehrern in Hitzeperioden etwas Erleichterung zu verschaffen, hat der Direktor die Unterrichtsstunden in den besonders heißen Juni-Wochen jeweils um zehn Minuten verkürzt, so dass um 12 Uhr Schluss war. Der Haken: Die allermeisten Schüler profitierten davon kaum, denn sie sind Fahrschüler, also auf den Zeitplan der Busse angewiesen.

Das Landratsamt sei über die Schwachstellen der Technik informiert, betont Zingler. Doch ob die Anlagen nach der angekündigte Überprüfung besser funktionierten, bezweifelt er. Michael Lischka, Sprecher der Kreisverwaltung, ist indes zuversichtlich: „Wir kriegen das hin“, sagte er auf Anfrage der Redaktion. Allerdings sei etwas Geduld gefragt, bis die angestrebte Feinjustierung greifen werde.