Tschechischer Minister in Regensburg gestrandet: Alex-Betreiber schiebt es auf Bahn

Tschechiens Verkehrsminister strandete in Regensburg – ausgerechnet, als er gerade den Zug von Prag zu seinem Amtskollegen Christian Bernreiter nach München nahm. Jetzt hat sich die zuständige Länderbahn, die den Alex betreibt, zum Vorfall geäußert.
Es war ein Vorgang, der für viele symptomatisch ist für den Zustand der Infrastruktur und der Bahn in Deutschland: Am 23. Juni versuchte der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárik vergebens, mit dem Alex der Länderbahn von Prag zu seinem Amtskollegen Christian Bernreiter (CSU) zu einer Besprechung zu kommen. Dass die beiden Politiker dabei über die Verbindungen von Tschechien nach Bayern auch auf der Schiene sprechen wollten, machte das Ganze noch pikanter: Bednárik blieb nämlich auf halber Strecke in Regensburg mit dem Zug stecken. Er musste sich mit dem Auto abholen lassen, damit das Gespräch doch noch stattfinden konnte.
Am Montag äußerte sich jetzt auch das zuständige Bahnunternehmen, die Länderbahn, zu dem Zugausfall. Demnach kam es zu einem Stellwerksausfall in Landshut, was dazu führte, dass der Minister und mit ihm zahlreiche Reisende im Alex nicht weiterfahren konnten. „Die entstandenen Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr, auch wenn die Ursache dafür nicht in unserer Verantwortung als betreibendes Eisenbahnverkehrsunternehmen lag“, heißt es von der Länderbahn. Die Strecke Prag – München sei aus vielen Gründen sehr verspätungsanfällig. „Die Verspätungen können sich aufgrund der für eine Nahverkehrsverbindung vergleichsweise langen Streckenführung summieren“, so eine Sprecherin der Länderbahn. Insbesondere sorge die derzeit vorhandene Infrastruktur für die stark ausgelasteten Bahnstrecken zwischen München und Regensburg beziehungsweise bis nach Schwandorf und weiter nach Furth im Wald „für eine sehr hohe Störanfälligkeit im Betrieb“.
So sei die Strecke Schwandorf – Pilsen nur eingleisig befahrbar. „Diese teilen wir uns jedoch in Abschnitten mit der Oberpfalzbahn und dem Güterverkehr“, so die Länderbahn-Sprecherin weiter. Damit das funktioniert, gibt es viele Kreuzungspunkte auf der Strecke, die dazu dienen, dass man sich gegenseitig überholen oder kreuzen kann. „Sobald hier aber eine Verspätung auftritt – ganz gleich aus welchen Gründen – überträgt sich diese dann auch auf alle folgenden beziehungsweise entgegenkommenden Züge.“
Die Bahninfrastruktur im Freistaat Bayern lässt dann ein Aufholen von Verspätungen kaum noch zu.Eine Sprecherin de rLänderbahn
Darüber hinaus führe die hohe Auslastung der Strecke Landshut – München, die sich allein fünf bayerische Nahverkehrslinien, Fern- und Güterverkehr teilen müssten, „regelmäßig zu einem Nadelöhr-Effekt, der sich verstärkt, wenn Züge bereits mit Abweichungen vom Fahrplan ankommen“. Auch die sehr hohen Auslastungen der Knotenbahnhöfe Schwandorf, Regensburg und München seien Teil der hohen Störanfälligkeit. „Bei einer für einen Nahverkehr vergleichbar langen Reisezeit des Alex von München nach Prag von planmäßig 5,5 Stunden summieren sich diese Faktoren und schaukeln mitunter hohe Verspätungen auf“, argumentiert die Sprecherin des Unternehmens. „Die Bahninfrastruktur im Freistaat Bayern lässt dann ein Aufholen von Verspätungen kaum noch zu.“
Baumaßnahmen und Langsamfahrstellen bremsen Züge aus
Ein „nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Pünktlichkeit der Züge“ seien auch die zahlreichen Baumaßnahmen oder sogenannte Langsamfahrstellen, die für eine zusätzliche Störanfälligkeit mit Verspätungsfolgen oder Ausfällen sorgt. „Langfristig sind diese Baumaßnahmen wichtig und richtig und werden auch zu höheren Pünktlichkeitswerten in Zukunft beitragen“, heißt es. „Wesentliche Verbesserungen würde man auch sehen, wenn die Strecke ab Regensburg elektrifiziert wäre und der Streckenabschnitt Schwandorf – Furth im Wald zweigleisig ausgebaut würde.“
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Das Fazit der Länderbahn zu dem Vorgang um den Minister: „Störungen im Bahnverkehr gibt es leider immer wieder.“ Gleichzeitig seien vorzeitige Zugenden in Regensburg angeblich „sehr selten und kommen nur wenige Male im Jahr vor, wenn eben auf der Strecke in Richtung München kein Zugverkehr mehr möglich ist“. Der Minister, so könnte man das interpretieren, hatte eben Pech.