Tschechischer Verkehrsminister mit Zug gestrandet: „Endstation Regensburg“

Es wirkt wie eine Posse, man glaubt es kaum: Ausgerechnet der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárik ist daran gescheitert, mit der Bahn von Prag zu seinem Amtskollegen Christian Bernreiter nach München zu fahren. Sein Ministerium veröffentlichte ein Foto, das den tschechischen Politiker dabei zeigt, wie er auf seinem Smartphone eine Nachricht schreibt. Hinter ihm verlassen genervte Bahnreisende gerade den Zug der Länderbahn, der zwischen Prag und München verkehrt. Der Zug strandete in Regensburg.
Bednárik musste auf das Auto ausweichen, um zum Gespräch mit seinem Ministerkollegen in die Landeshauptstadt zu gelangen. Der Bayerische Rundfunk hatte zuerst über den ungewöhnlichen Vorgang berichtet.
Die Bahn gibt sich auf Anfrage der Mediengruppe Bayern betont sachlich: „Aus unseren Systemen können wir ablesen, dass zeitweise eine Stellwerkstörung in Neufahrn bei Freising bestand“, teilte eine Sprecherin mit. „Aus diesem Grund waren einige Züge auf der Strecke München – Hof/Prag deutlich verspätet unterwegs, andere fielen auf Teilabschnitten aus.“ Dem Minister schickt die Sprecherin noch eine Formulierung hinterher, die auch andere Bahnreisende häufig zu hören bekommen: „Wir bitten die Beeinträchtigungen zu entschuldigen.“
Grünen-Abgeordneter über Vorgang empört

Bei der Opposition im Landtag stieß der ungewöhnliche Vorfall auf Unverständnis. Der Regensburger Grünen-Abgeordnete Jürgen Mistol ist selbst häufig mit der Bahn unterwegs. Er pflegt zudem enge Kontakte nach Tschechien. Auf Anfrage sagte Mistol: „Wenn selbst ein Verkehrsminister auf dem Weg zu einem offiziellen Termin strandet, dann ist das ein Armutszeugnis für die Bahn.“ Dieser Vorfall zeige stellvertretend, was tausende Pendlerinnen und Pendler in Bayern jeden Tag erleben: „Unzuverlässigkeit, Verspätungen und fehlende Planbarkeit.“ Mistols Fazit: „Die Menschen haben ein Recht auf einen funktionierenden Bahnverkehr. Dafür braucht es endlich Taten statt Ausreden.“
Die abenteuerliche Zugfahrt liegt schon einige Wochen zurück. Er wurde aber erst jetzt bekannt. Bernreiter und sein tschechischer Amtskollege trafen sich am 23. Juni in München. Die Störung wurde von der Bahn auch für diesen Tag so bestätigt. An diesem Tag versandte Bernreiters Ministerium auch eine Pressemitteilung. Darin allerdings kein Wort davon, was seinem Kollegen widerfahren ist. Bernreiter betont darin lediglich, dass der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Koalitionsvertrag in Berlin festgeschrieben ist. „Bayern drängt bei der Schiene auf einen zeitnahen Baubeginn des ersten Abschnitts des Ostkorridors sowie der Franken-Sachsen-Magistrale“, ließ sich der Minister zitieren.

Auf Anfrage äußerte sich das Verkehrsministerium am Freitag dann auch zur gescheiterten Zugfahrt des tschechischen Ministers. „Die Hintergründe sind uns nicht bekannt“, teilte ein Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums mit. „Zuständig für Erhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur ist gemäß Grundgesetz der Bund, konkret die DB InfraGo“, heißt es weiter. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter setze sich seit Jahren und auch als Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz für mehr und dauerhafte Investitionen des Bundes in die Schieneninfrastruktur ein – „nicht nur auf den Hauptstrecken, sondern gerade auch im ländlichen Raum, wo sehr viele Menschen im Regionalverkehr unterwegs sind. Zudem investiert der Freistaat selbst massiv in die Schiene und das Bahnangebot“, so die Mitteilung aus dem Verkehrsministerium.
Die Mitteilung des tschechischen Verkehrsministeriums, ebenfalls vom 23. Juni, las sich ein wenig anders. „Die Minister befassten sich auch mit der Sicherstellung des künftigen Betriebs von Direktzügen zwischen Prag und München“, hieß es in Bezug auf eben jene Strecke, auf der Bednárik wenige Stunden vor dem Treffen mit seinem Kollegen festgesteckt war. Der Minister hatte selbst auf X einen Tweet abgesetzt, der ihn heiter im Zug Richtung München zeigte. Weiter unter dem Posting dann der Tweet mit dem Foto des Ministers, der entnervt in sein Handy blickte und der Kommentar: „Endstation Regensburg.“