Mühlhausen hält zu seinem Pfarrer: Ehrenamtliche schließen weitere Proteste nicht aus

Von Nicole Selendt · 20. Juli 2026 um 16:22

Eine Welle der Solidarität für den vom Dienst freigestellten Landlpfarrer Alexander Proksch hat Mühlhausen (Landkreis Neumarkt) erfasst. Ihr vorläufiger Höhepunkt: Die zwei Mesner der Kirche in Hofen, Alexander Pfindel und Leonhard Bachhofer, haben am Wochenende bis auf Weiteres ihren Dienst quittiert und die Kirche nicht wie gewohnt aufgesperrt. Diese Protestaktion könnte erst der Anfang sein.

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Wie unser Medienhaus am Montag erfuhr, hat sich eine Gruppe Ehrenamtlicher zusammengetan, die nun den weiteren Umgang mit den Vorgängen der letzten Tage koordinieren will. Zum Hintergrund: Vergangene Woche hatte die Pressestelle der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern mitgeteilt, dass Proksch mit sofortiger Wirkung vorläufig vom Pfarrdienst enthoben worden ist. Eine Begründung war mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten nicht genannt worden.

Das hatte Dekanin Christiane Murner vergangenen Montag – vor dem öffentlichen Bekanntwerden von Prokschs Freistellung auch den Kirchenvorständen der Landlpfarrei so gesagt. Der Bitte der Kirchenvorstände, mit der Angelegenheit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sei die Kirche nicht nachgekommen, hieß es.

Regionalbischof Klaus Stiegler: „Haben uns Entscheidung nicht leicht gemacht“

„Jetzt sieht sich unser Pfarrer einer Hetzjagd gegenüber und ist an den Pranger gestellt“, sagt daher Hermann Oelfe, Mitglied des Kirchenvorstands Sulzbürg. Das sei überzogen und ungerecht, sagt er und stellt einen Vergleich an: „Wenn jemand wegen eines Verbrechens angezeigt wird oder deswegen vor Gericht steht, wird sein Name auch nicht genannt.“ Er versteht daher nicht, warum das für Alexander Proksch nicht gilt.

Das sieht auch Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer so und ergänzt: „Laut Mitteilung sollen die Vorkommnisse, die zum Disziplinarverfahren geführt haben, vor seiner Zeit in Mühlhausen liegen.“ Seine Einschätzung lautet daher, dass aktuell keine Gefahr im Verzug gewesen wäre und man Proksch bis zum Ergebnis des Verfahrens weiter im Amt hätte belassen können. Hundsdorfer wundert sich: „Warum gleich so eine harte Bestrafung – und warum kommt das jetzt nach sechs Jahren in Mühlhausen?“

Die Antwort auf Frage Nummer eins gibt Regionalbischof Klaus Stiegler aus Regensburg. Er kann das große Unverständnis und die Empörung im Landl verstehen, sagt er auf Anfrage unseres Medienhauses. Die harte Disziplinarmaßnahme sei verhältnismäßig. „Auch, wenn es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist und wir uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben: In diesem Fall ist es nicht möglich, einfach so weiterzumachen.“

Regionalbischof kommt am 2. August für Gottesdienst und Gespräch nach Mühlhausen

Die Öffentlichkeit über ein plötzliches Fehlen von Proksch in der Landlpfarrei zu belügen, sei für Stiegler keine Option gewesen. Deswegen betont er nochmals, dass für den Geistlichen bis zum Ende des Verfahrens die Unschuldsvermutung gilt. „Wir stellen uns dieser Situation und suchen das Ergebnis im Gespräch.“ Stiegler wird am Vormittag des 2. August in Mühlhausen einen Gottesdienst mit der Landl-Gemeinde feiern und danach den Gemeindegliedern für ein Gespräch zur Verfügung stehen.

Die Redaktion haben einige Leserbriefe zum Thema erreicht. Diese finden Sie hier.

Generell sieht das Kirchenrecht vor, dass Pflichtverletzungen im Amt nicht unbegrenzt bestraft werden können. Es gibt Verjährungsfristen – die längste beträgt sechs Jahre. Wenn bis zum Ablauf von sechs Jahren kein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, darf die Pflichtverletzung nicht mehr verfolgt oder bestraft werden.

Niemand will sich gegen Kirchenrecht oder die Gesetze stellen. Aber die Art und Weise, wie unser Pfarrer hier vorgeführt wird, ist unter aller Kanone.Hermann Oelfe, Mitglied des Kirchenvorstands Sulzbürg

Proksch ist am 1. August 2020 nach Mühlhausen gewechselt – vor fünf Jahren, elf Monaten und 20 Tagen. Kurz vor Ablauf der Sechsjahresfrist tauchen also Vorwürfe auf, die die Kirche dazu veranlassen, den Geistlichen sofort freizustellen.

Was Proksch sich vor seinem Wirken in Mühlhausen zu Schulden hat kommen lassen, ist nicht bekannt. Oelfe, Hundsdorfer und den anderen Kirchenvorständen geht es auch gar nicht darum, wie in Gesprächen mit ihnen deutlich wird. Oelfe sagt: „Niemand will sich gegen Kirchenrecht oder die Gesetze stellen. Aber die Art und Weise, wie unser Pfarrer hier vorgeführt wird, ist unter aller Kanone.“

Dekanin Christiane Murner: Pfarrpersonen sind ohne die Mesner aufgeschmissen

Er beschreibt die Stimmung im Landl als düster. Die Menschen seien wie vor den Kopf gestoßen. Er schließt nicht aus, dass weitere Protestaktionen von Ehrenamtlichen wie die der beiden Mesner folgen werden.

Einer der beiden, Alexander Pfindel, wird im Gespräch mit unserem Medienhaus deutlich: „Solange Herr Proksch nicht anständig behandelt wird und sich die Kirche nicht öffentlich für dieses Vorgehen entschuldigt, mache ich für diese Kirche nichts mehr.“

Solange Herr Proksch nicht anständig behandelt wird und sich die Kirche nicht öffentlich für dieses Vorgehen entschuldigt, mache ich für diese Kirche nichts mehr.Alexander Pfindel, bisheriger Mesner in Hofen

Er erwägt einen Austritt und erhebt schwere Vorwürfe gegen Dekanin Christiane Murner, von der er sich als Mitglied der Landlpfarrei im Stich gelassen fühlt. „In die Kirche in Hofen regnet es seit sechs Jahren rein. Pfarrer Proksch wollte die Renovierung unserer Kirche endlich angehen – jetzt wird wieder nichts passieren“, nennt er ein Beispiel.

Wie es in Hofen ohne Mesner weitergeht, kann Murner am Telefon nicht einschätzen: „Ich bedauere das sehr. Aber ich kann keine Pfarrperson einsetzen, solange es keinen Mesner gibt.“ Eigentlich war geplant gewesen, gemäß eines Vertretungsplans das kirchliche Leben in der Landlpfarrei aufrechtzuerhalten. Doch die Vertretungen kennen sich in den Landlkirchen nicht aus und sind ohne die Mesner aufgeschmissen. „Wenn keine Ortskenntnis da ist, kann man keinen Gottesdienst halten“, erklärt Murner.