Verschuldet über beide Ohren: Neumarkter Anwalt klärt über Probleme auf

Zu wenig Geld im Geldbeutel – das kennen fast alle Menschen. Doch wenn aus wenig Geld handfeste Schulden werden, kann das zu Problemen führen. Welche genau das sind, davon berichtet in der aktuellen Ausgabe seiner Kolumne „Paprottas Paragrafen“ der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta.
Das Bonmot „Ihr Geld ist nicht weg, es ist nur woanders“, kommt gern spöttisch daher, wenn jemand eine finanzielle Bauchlandung absolviert hat. Ursprünglich soll es von Amschel Meyer Freiherr von Rothschild geprägt worden sein. Humor ist vielleicht die einzig empfehlenswerte Art, mit Geldschulden umzugehen. Was hilft es, dem schlechten Geld die gute Laune hinterherzuwerfen?
Andererseits hört bei Geld ja angeblich die Freundschaft auf – das gilt erst recht bei „kein Geld“. Ein Mieter, der sich nach der Kündigung seines Mietvertrages gegen die Räumungsklage seines Vermieters wehrte, stand bei diesem eigentlich gar nicht in der Kreide. Jeden Monat pünktlich bezahlt! Trotzdem bestätigte das Gericht die Kündigung – weil er, als es ums Geld ging, gelogen hat. Das können sich nur ganz reiche Leute leisten.
Mieter wehrt sich gegen Räumungsklage
In der Mieterselbstauskunft über seine Vermögensverhältnisse hatte er dreist „schuldenfrei“ hineingeschrieben – und danach eine saubere Privatinsolvenz hingelegt. Auch wenn der Mann seine Miete beanstandungsfrei begleicht, verkündeten die Richter, sei es dem Vermieter unzumutbar, unter dem Damoklesschwert eines notorischen Pleitegeiers darauf warten zu müssen, dass der irgendwann mit dem Bezahlen aufhört (Az. 6 S 1/19).
Es gibt Leute, bei denen es besonders unangenehm wird, wenn man ihnen Geld schuldet. Sie denken an Drogendealer? Ich spreche von Rechtsanwälten! Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf traf sich ein Mandant mit seinem Anwalt. Genau genommen mit seinem Ex-Anwalt, denn die beiden hatten sich im Streit getrennt. Und wann streitet man mit seinem Anwalt? Entweder, wenn der Anwalt nicht das gebracht hat, was man sich von ihm erhofft hat. Oder wenn der Anwalt nicht das Honorar kassiert, was er sich von einem erhofft hat.
Mandant wollte Rechtsanwalt nicht bezahlen
In Düsseldorf kam beides zueinander: Der Mandant hatte den Rechtsanwalt beauftragt, einen wasserdichten Vertrag zu entwerfen, und war mit dem Ergebnis mehr als unzufrieden. Weil er nur einen Teil eines guten Vertrages erhalten hatte, wollte er auch nur einen Teil der teuren Rechnung bezahlen. Das sah der Advokat nicht ein und zitierte seinen Mandanten quasi an seinen Arbeitsplatz – vor Gericht.
Die Richter dort kennen sich mit Anwälten gut aus und erklärten dem staunenden Mandanten, dass er keinen Anspruch darauf habe, das Honorar zu kürzen. Ein Anwalt schulde nämlich keinerlei Erfolg, sei es auch nur ein solider Vertragsentwurf. Der Anwalt schuldet lediglich nur sein Tätigwerden an sich, auch wenn überhaupt nichts dabei herauskommt. Wenn Ihnen jetzt verblüfft der Kiefer herunterklappt, erwarten Sie von mir dazu bitte keinen weiteren Kommentar. Sie wissen ja, eine Krähe ... (Az. I-24 U 50/10).
Womöglich noch dubioser als Anwälte sind Wirtschaftsauskunfteien. Diese Unternehmen speichern die Daten von uns Schuldnern und bewerten damit, was wir in unserem Leben bislang finanziell geleistet und verbockt haben. Das Hinterfotzige an den Auskunfteien ist, dass die noch lange keine Ruhe geben, selbst wenn man seine Schulden voll beglichen hat. Im Dezember 2025 hatte der BGH entschieden, dass die SCHUFA zum Beispiel nicht verpflichtet sei, unmittelbar nach Tilgung eines Kredites alle Hinweise darauf sofort zu löschen (Az. I ZR 97/25).
Immerhin gilt inzwischen eine 100-Tage-Frist. Allerdings wird wild spekuliert, dass manche Auskunfteien alte Daten heimlich aufbewahrt haben sollen. Dafür schulden die uns eine Erklärung! Und neben der Entschuldung vielleicht sogar eine Entschuldigung.