1923 in Cham geboren: Liselotte Segerer stößt auf 103. Geburtstag an

Von Selina Schaefer · 18. Juli 2026 um 05:00

Die junge Frau, adrett frisierte braune Haare und im blauen, schulterfreien Abendkleid, lächelt auf die kleine Festgesellschaft im Wohnzimmer herab. „Das bin ich mit 20“, sagt Liselotte Segerer auf dem Barock-Sofa. Zwischen diesem Porträt und ihrem nunmehr 103. Geburtstag liegt ein ganzes Leben, das die Chamerin am Freitag schon einmal feiert.

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„Ich glaube, Sie haben sich zum letzten Jahr nicht verändert“, sagt Bürgermeister Martin Stoiber beim offiziellen Anstoßen auf die Jubilarin. Für ihn ist es nicht das erste Mal, dass er einer der ältesten Bürgerinnen der Stadt gratuliert, natürlich mit Präsentkorb. Segerer, im frisch grün-rosa Outfit, freut sich über den Besuch und scherzt: „Es ist ja nicht jeden Tag, dass man neben einem jungen, feschen Mann sitzt.“

Vielleicht im kommenden Jahr wieder, denn der Bürgermeister ist sich sicher, auch zum 104. wird er vorbeischauen. Segerer erzählt zwar über ihre Schwerhörigkeit und typische Alterserscheinungen, ist aber noch fit und lebt sogar noch in ihrer eigenen Wohnung in der Innenstadt. „Das ist nichts, woran man stirbt“, kommentiert sie.

Ihren Mann heiratete sie im Petersdom in Rom

Als Liselotte Muggenthaler am 18. Juli 1923 in der Rosenstraße 8 geboren wird, da besteht noch die Weimarer Republik, es herrscht Hyperinflation und Cham ist noch ein Stückchen kleiner. Seitdem hat sich viel verändert. „Meiner Meinung nach sehr zum Besseren“, findet Segerer. „Die Armut war sehr schlimm.“ Der Krieg und auch die daraus resultierende Not sind ihr noch immer im Gedächtnis. „Ich kann noch heute kein Stück Brot wegwerfen.“

Ihre Eltern sind vielen noch durch den Zeitschriftenvertrieb Muggenthaler ein guter Begriff. Später arbeitete sie lange Jahre in einer Buchhandlung und im Zeitschriftenvertrieb. 1953 heiratete sie ihren Mann Georg Segerer im Petersdom in Rom. Eine Geschichte, an die sie sich gerne erinnert. Mit ihm hat sie eine Tochter, Karin Vetter, und erfreut sich an einer Enkelin, drei Urenkeln sowie ihrem Schwiegersohn Karl Vetter. Besonders stolz ist sie auf eine Urenkelin, die nun im Übertrittszeugnis nur Einser hatte, erzählt sie.

Das gab es zu meiner Zeit nicht, dass Frauen Fußball spielen. Sonst hätte ich es bestimmt getan.Liselotte Segerer

Ihren Geburtstag am Samstag werde sie bescheiden im Kreise ihrer Verwandten bei einem guten, selbstgekochten Mittagessen feiern. Denn Bekannte, Freunde und Mitschüler seien allmählich nicht mehr da, berichtet Segerer. Auch ihren Mann, der 2007 starb, und ihre Schwester Eleonore überlebte sie – sie wurde 80. Dass sie selbst einmal so alt werden würde, das habe sie nie gedacht. „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.“

Ihr Geheimnis? „Viel Arbeit, Sport und Disziplin. Und gesund leben“, sagt sie. Außerdem rätselt sie leidenschaftlich gerne an Kreuzworträtseln. Auch zum Geburtstag habe sie wieder zwei Bücher bekommen.

1940 sollte sie an der Olympiade teilnehmen

Der Sport begleitet die Chamerin schon ihr Leben lang: Einst war sie Deutsche Vizemeisterin im Weitsprung, spielte gerne Tennis und fuhr Ski. Fast hätte sie es zu den Olympischen Spielen nach Tokio 1940 geschafft – wären diese wegen des Zweiten Weltkriegs nicht abgesagt worden. „Sport war mein Leben, wenn ich Freizeit gehabt hätte“, sagt Segerer. Auch Schwimmen, Wassergymnastik und Seniorenturnen übte sie noch bis vor einigen Jahren regelmäßig aus.

Nicht verwunderlich, dass sie auch eine begeisterte Fußballschauerin ist. Die Weltmeisterschaft verfolgt sie aktiv, solange die Spiele nicht zu spät seien. „Wer wird Weltmeister?“, fragt Martin Stoiber. „Spanien, weil die wirklich schön spielen“, prophezeit das Geburtstagskind. Sie selbst allerdings spielte nie: „Das gab es zu meiner Zeit nicht, dass Frauen Fußball spielen. Sonst hätte ich es bestimmt getan.“