Weitsprung-Ass und Sprengstoffmeisterin: Liselotte Segerer aus Cham feiert 100. Geburtstag

Viele Chamer kennen Liselotte Segerer, von lieben Freunden auch Schwesti genannt. Nicht nur der Name „Zeitschriftengroßvertrieb Muggenthaler“ ist vielen noch ein Begriff, sondern einige Chamer können sich noch heute erinnern, wie vor nicht all zu langer Zeit die Schwesti von der roten Trichter-Rutsche im kühlen Nass gelandet ist.
So, wie man die Jubilarin einige Tage vor ihrem runden Geburtstag in ihrer Wohnung antrifft, glaubt man nicht, dass sie schon 100 Jahre alt wird. Frisch vom Friseur, mit neuer Farbe natürlich, kein graues Haar ist zu sehen. Rosafarbene Hose an, ein gemustertes Oberteil und einen roten Lippenstift angelegt.
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Natürlich möchte ich wissen, wie man so ein hohes Alter erreicht. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich so alt werde“, erzählt Liselotte Segerer schon fast ein wenig verlegen. Ja, der Sport hat sie schon auch jung gehalten – und die viele Arbeit ihr ganzes Leben lang. Das würde sie in einem zweiten Leben anders machen. Nicht mehr so viel und so lange arbeiten, sondern mehr reisen.
Jubilarin im Reisefieber
Denn jetzt im Alter ist sie zu einer richtigen „Reisetante“ geworden. Noch im vergangenen Jahr hat sie zusammen mit ihrer Tochter Karin und der Freundin der Familie, Christa Strohmeier-Heller, eine Fluss-Schiff-Kreuzfahrt nach Amsterdam gemacht. An die vielen blühenden Blumen erinnert sie sich noch mit Freude. Die Reise hatte sie ihrer Tochter zum Geburtstag geschenkt und da wollte sie natürlich mit.
Segerer erzählt voller Stolz, dass sie zweite Deutsche Meisterin im Weitsprung war und sie sogar zur Olympiade nach Hongkong gefahren wäre, wenn da nicht der Krieg dazwischen gekommen wäre.
Mit ihrem Ehemann Georg, mit dem sie 54 Jahre verheiratet war, hatte sie sehr großes Glück. Wie sie erzählt, waren damals sehr viele Männer im Krieg gefallen und daher war der Heiratsmarkt ziemlich leer. Doch sie lernte beim Sport ihren Georg kennen. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, aber auf den zweiten. Und sie hätte sich keinen besseren Ehemann und Vater für ihre Tochter Karin wünschen können. Mit ihm zusammen hat sie sehr viel gearbeitet. Einmal im Jahr gönnte sie sich eine Reise. „Leider immer allein, denn Georg war ein Reisemuffel und blieb lieber daheim“.
Liselotte Segerer ist eine geborene Muggenthaler, sie wuchs zusammen mit ihrer älteren Schwester Eleonore in Cham auf. Sie erinnert sich an ein ganz lustiges Ereignis. Als sie zusammen mit ihrem Mann das Geschäft betrieb, wollten sie auch Sprengstoff verkaufen. Damals wurde jeder Baumstumpf gesprengt, was heute fast nicht mehr denkbar ist, sagt sie. Für dessen Verkauf musste man vorher einen speziellen Kurs belegen. Doch aus Versehen hatte sie sich in einen Kurs eingeschrieben, der sie zur Sprengstoffmeisterin machte. Noch heute muss sie darüber herzlich lachen. „Ich dachte mir immer schon, warum ich da so viel lernen musste, nur um Sprengstoff zu verkaufen. Und schließlich absolvierte sie die Prüfung mit Bravour und war Sprengstoffmeisterin.
Bis vor drei Jahren ist die Jubilarin auch noch selbst hinter dem Steuer gesessen. Ihr Schwiegersohn Karl Vetter konnte sie dann doch überzeugen, dass es sicherer sei, wenn sie nicht mehr selber fahren würde. „Obwohl ich bestimmt auch jetzt noch bekannte Wege fahren könnte. Aber es ist wirklich besser so. Es könnten schließlich andere Menschen durch mich in Gefahr kommen“, sagt sie einsichtig.
Immer noch sieht man Liselotte in der Stadt mit „Franzerl“, dem Hund ihrer Tochter Karin spazieren gehen. Auf den passt sie auf, wenn die Tochter mit Ehemann wieder in Kitzbühl bei Enkelin Kristina mit Familie ist. Gia und Matteo, die beiden Urenkel, sind ihr ganzer Stolz. Und das größte Geschenk wäre natürlich, wenn das dritte Urenkelchen genau heute an ihrem Geburtstag geboren würde.
Im Übrigen huscht ein Strahlen über das Gesicht von der sympathischen älteren Dame, wenn sie von ihrem Schwiegersohn Charlie Vetter spricht. „Der ist immer für mich da, auch für das kleinste Wehwehchen, was ich habe“.
Urenkel sind ihr Stolz
Was für Wünsche hat man mit 100? Liselotte Segerer wünscht sich, dass sie noch lange geistig fit bleibt und dass sie nicht noch mal die Zeiten eines Krieges miterleben muss. „Dieses Leid und Elend was ich damals miterlebt habe, gerade in meinen schönsten Jugendjahren, das wünsche ich keinem“.
Und noch eines möchte sie losbringen. „Es ist jeder einzelne Gratulant heute von Herzen bei mir willkommen“. Für noch einige schöne und vor allem gesunde Jahre und, dass das dritte Urenkelchen gesund auf die Welt kommt, hat sie mit ihrer Freundin Christa schon Kerzchen auf der Streicherröhren angezündet.
Am Samstag wird sie zusammen mit Familie und Freunden am Ödenturm einige schöne Stunden verbringen. „Und ich halte die Begrüßungsrede, die ich selber verfasst habe.“.