Versuchte Callcenter-Abzocke: Frau übergibt Steine statt Gold – Betrüger in Regensburg vor Gericht

Von André Baumgarten · 16. Juli 2026 um 17:12

Zwei Polen müssen sich für dreiste Callcenter-Abzocke als falsche Polizisten und Krebs-Arzt vor dem Landgericht in Regensburg verantworten. Es geht um einen Schaden von rund 300.000 Euro. Ein 29-Jähriger macht einen Deal – und soll nicht über sechs Jahre in Haft. Der zwei Jahrzehnte ältere Mitangeklagte schweigt lieber.

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Sie sollen reihenweise ältere Menschen um Geld, Gold und teure Wertsachen erleichtert haben: Callcenterbetrug mit rund 300.000 Euro Beute wird zwei Polen zur Last gelegt, die sich seit gestern vor dem Landgericht in Regensburg verantworten müssen. Der Jüngere macht einen Deal und will reden. Dafür wird seine Strafe sechs Jahre nicht überschreiten. Der Ältere scheint zu pokern.

Mitte August legen sich zivile Polizisten auf die Lauer, als eine Frau die Betrüger reinlegt. Statt Goldbarren packt sie Steine ein. Dass die Kripo längst mithört und die Übergabe fingiert ist, wussten die Polen nicht. Auf der Autobahn geht der 29-Jährige den Beamten bei Regensburg ins Netz. Der 20 Jahre ältere Mann, der am Donnerstag neben ihm auf der Anklagebank sitzt, wird direkt am Tatort verhaftet.

Pole (49) will nicht wissen, welche Strafe ihm droht

17 Fälle konnten die Strafverfolger offenbar aus GPS-Daten rekonstruieren. Der Verteidiger des 49-Jährigen, der keine Angaben machen will, spricht von Indizien, auf denen die Beweislage beruhe. Nicht einmal ein „Angebot “ lässt sich sein Mandant machen, wie hoch die mögliche Strafe laut Staatsanwaltschaft liegen würde.

Dem älteren Angeklagten liegen zwölf Taten zur Last; zwei zusammen mit dem 29-Jährigen. Gewerbsmäßiger Bandenbetrug wurde angeklagt. Von Flensburg über Saarbrücken bis München, Straubing und Geiselhöring sollen die Bande als falsche Polizisten Edelmetall, Münzen, Uhren und Schmuck sowie Bargeld erbeutet worden sein.

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Die Masche, mit der die Hinterleute ans Werk gingen, ist alles andere als neu: Nach einem Unfall müsse Kaution für vermeintlich nahe Verwandte gezahlt werden. Man schicke Mitarbeiter des Gerichts um das Geld abzuholen, wird den Opfern weiß gemacht. Nur einmal gaben sich die „Keiler“ genannten Anrufer bei einer damals 84-Jährigen als Ärzte aus und forderten über 80 Goldmünzen und 36.000 Euro. Ohne das dringend nötige Krebsmedikament müsse die Tochter sterben, so die Drohung. Eine Erstattung durch die Krankenkasse dauere zu lang. Einfach alles Humbug.

Die Geschädigten im angeklagten Komplex vor dem Landgericht sind meist betagt; drei sogar über 90 Jahre alt. Sie sollen allein fast 60.000 Euro herausgegeben und damit verloren haben. Wenngleich die Anklage einen sogenannten Wertersatz einziehen will – zu holen dürfte angesichts der langen Haftstrafen und familiären Umstände der Polen kaum etwas sein.

Geschädigte sind zu alt, um aussagen zu können

Sieben Prozesstage hat die siebte Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Guth angesetzt. An Tag drei erst soll das Geständnis des 29-Jährigen kommen – so viel Zeit haben sich die Strafverteidiger Philipp Pruy und Damian Jakóbek erbeten. Wie viele Geschädigte tatsächlich aussagen können, ist offen. Mehrere haben wohl schon angekündigt, es gesundheitlich nicht zu schaffen. Anfang August soll es ein Urteil in dem Fall geben.