Landkreis und Caritas wollen sich trennen: Das „Kreiskrankenhaus Kelheim“ soll wiederkehren

Von Martina Hutzler · 14. Juli 2026 um 05:00

Die Rück-Umwandlung des jetzigen Caritas-Krankenhauses St. Lukas zum klassischen „Kreiskrankenhaus“ Kelheim scheint in trockenen Tüchern zu sein. Im Kreisausschuss am Montag jedenfalls zeichnete sich politische Zustimmung ab. Aufgeschlossenheit signalisieren auch die Klinik-Beschäftigten.

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Formal stand am Montag, 13. Juli, „nur“ die dringend nötige Generalsanierung des OP-Bereichs am Krankenhaus Kelheim auf der Tagesordnung des Kreisausschusses; genauer gesagt der Interims-OP-Bau während der Sanierungs-Jahre. Aber Landrat Christian Nerb gab im Anschluss nochmals eine Erklärung ab, warum er kurz nach seinem Amtsantritt die Krankenhaus-Kooperation mit der Caritas auf den Prüfstand gestellt hat und nun Landkreis und Caritas „einvernehmlich“ für ein Ende der strategischen Partnerschaft bereit seien.

Es sei „keine Hauruck-Aktion“ seinerseits gewesen, sagte Nerb. Vielmehr habe er sich, nach seinem Start als Landrat zum 1. Mai, „umfassenden Einblick“ in die Kooperation geben lassen. Diese sei bei Vertragsabschluss 2022 noch „eine realistische Option gewesen“, so Nerb, der damals als FW-Fraktionsführer selbst zugestimmt hatte. Nun nach vier Jahren könne er aber keine Vorteile für Kelheim erkennen.

„Eindeutige Empfehlung“: Raus aus der Kooperation

Das wurde nach Angaben von ÖDP-Sprecher Peter-Michael Schmalz in einer kurzfristig angesetzten Fraktionsführer-Besprechung per „detaillierte Bilanz über die vier Jahre“ so dargestellt, an deren Ende eine „eindeutige Ausstiegsempfehlung“ gestanden habe.

Es folgte, so Landrat Nerb weiter, sein Gespräch mit der Caritas. Dort sei die Trennung ebenfalls begrüßt worden. Das bestätigte CSU-Sprecher Dr. Benedikt Grünewald. Er hat, als Vorsitzender des Kelheimer Kreis-Caritasrats, nach Bekanntwerden der Trennungspläne, mit Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann hierzu beraten.

Weißmann und Landrat Nerb informierten, ebenfalls am Montag, die Beschäftigten von St. Lukas ausführlich. Das sei „gut aufgenommen worden“, urteilt Manuel Gruber im Nachgang: Es habe kaum Nachfragen gegeben, „weil der Sachverhalt gut erklärt worden ist“, so der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV, das Caritas-Pendant zu Betriebs- oder Personalrat) zu unserer Zeitung.

Das Krankenhaus St. Lukas in Kelheim im Juli 2024 - Foto: Stefan Satzl

Wichtig sei den Beschäftigten, dass ihre Arbeitsverträge bestehen bleiben; gut sei, dass auch eine Rückkehr in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes ermöglicht werden solle. Beides kündigte der Landrat auch im Kreisausschuss an.

Die MAV will nach den Worten ihres Vorsitzenden Gruber die Neustrukturierung kritisch-konstruktiv begleiten. Diese muss freilich erst der Kreistag beschließen, geplant am am 27. Juli. Aus Sicht von SLU-Fraktionssprecher Dr. Andreas Fischer wäre es „die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt“, die seitens der Verwaltung auch „hochprofessionell gemanagt werde, lobte er. Was man sich vor vier Jahren von der Kooperation versprochen habe, „hat sich nicht realisiert“, bilanzierte auch Fischer.

Künftig also soll der Landkreis wieder alleiniger Gesellschafter der Krankenhaus-GmbH sein. Als Name will der Landrat „pragmatisch ,Kreiskrankenhaus Kelheim‘ vorschlagen“, aber die Beschäftigten entscheiden lassen.

Aktuell hält der Diözesan-Caritasverband (DCV) 51 Prozent der Anteile. Kosten für einen Rückkauf fallen nicht an, weil der Verkauf 2022 für den symbolischen „einen Euro“ erfolgte. Auch ansonsten „entstehen keine nennenswerten Mehrkosten“, heißt es in einer Pressemitteilung, die FW-Fraktionssprecher Christian Hanika am Montag herausgab.

Darin verspricht Kelheims Bürgermeister Dennis Diermeier, dass „der Leistungsumfang unseres Krankenhauses nicht beeinflusst“ werde durch die Trennung. Womöglich könne man das Portfolio sogar ausbauen, etwa durch „neue Partnerschaften, Bündnisse und Kooperationen“, die „im eigenen Landkreis, aber auch über die Landkreisgrenzen hinaus“ denkbar seien.

Dramatische Folgen der Berliner Reform befürchtet

Als schon erfolgte Leistungsausweitung nannte Landrat Nerb in der Sitzung, dass seit Juni das Kelheimer Herzkatheterlabor nun rund um die Uhr einsatzbereit sei.

Er warnte eindringlich, dass bayern- und bundesweit die jüngst beschlossene Gesundheitsreform der Bundesregierung drastische Folgen haben werde: Sie wolle „die Krankenkassen retten und die Krankenhäuser opfern“. Die Berliner Beschlüsse brächten allein Kelheim nächstes Jahr vier Millionen Euro zusätzliches Defizit; bayernweit seien es rund 950 Mio. Euro. Falls es nicht doch noch ein Umdenken gebe, „werden 20 bis 30 Prozent der Krankenhäuser insolvent sein.“