Krankenhaus Kelheim: Caritas und Kreis wollen Trennung – wie geht es danach weiter?

Von Martina Hutzler · 8. Juli 2026 um 18:27

Die Nachricht kam am Mittwoch mit Wucht und aus heiterem Himmel: Der Diözesan-Caritasverband und der Landkreis Kelheim wollen ihre Zusammenarbeit beim Betrieb des Kelheimer Krankenhauses „einvernehmlich beenden“. Das gaben sie am Nachmittag in einer gemeinsamen Erklärung schriftlich bekannt. Die Umstände der angestrebten Trennung klingen nicht gerade optimistisch.

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Seit 2022 sind der Landkreis und der Diözesan-Caritasverband (DCV) „strategische Partner“: Der DCV managt den Betrieb des Krankenhauses, das seither „St. Lukas“ heißt, und hat im Klinik-Aufsichtsrat die Mehrheit. Dem Kreis gehört das Haus weiterhin; er muss die Investitionen und Defizite im laufenden Betrieb finanzieren.

Die Kooperation, so die Hoffnung, sollte helfen, das alljährliche Defizit des Krankenhauses zu senken. Zudem hieß es stets, dass allein agierende kleinere Häuser auf Dauer schlechte Chancen haben in Zeiten von Krankenhaus-Reformen und knappen Kassen. Doch mit der Zusammenarbeit in Kelheim ist man nach vier Jahren offenbar nur mäßig zufrieden.

„Es ist zwar gemeinsam gelungen, trotz widriger Umstände die Klinik wirtschaftlich zu stabilisieren“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung von Kreis und DCV, aber: „Aufgrund der politischen Rahmenvorgaben wird es nicht möglich sein, dies für die Zukunft zu gewährleisten.“ Deshalb wollen sich beide Noch-Partner von ihren zuständigen Gremien – auf Kelheimer Seite der Kreistag, der am 27. Juli tagt – das OK für die Scheidung holen.

Beide Seiten wollen bis zu Entscheidung schweigen

Bis dahin wollen sich beide Seiten nicht näher zu ihrer Entscheidung erklären, heißt es in der Mitteilung ergänzend. Wie und in welcher Konstellation sich der wirtschaftlich stabile Betrieb des 200-Betten-Hauses künftig anderweitig gewährleisten lässt, steht in der Presseerklärung nicht.

Landrat Christian Nerb (Freie Wähler) versichert laut Mitteilung, „die Sicherung des Krankenhauses in Kelheim als Grund- und Regelversorger ist für mich oberstes Gebot“, um „weiterhin eine verlässliche Gesundheitsversorgung anbieten zu können“. Auch solle der „Leistungsumfang der Klinik vollumfänglich im bisherigen Umfang erhalten“ und die Klinik-Arbeitsplätze gesichert bleiben. Caritas-Direktor Michael Weißmann verweist nur auf die „veränderten politischen Rahmenbedingungen“.

Offen bleibt unter anderem, von wem die Initiative für die Trennung ausging. Die Warnung vor künftig nicht mehr garantierbarer wirtschaftlicher Stabilität könnte darauf hindeuten, dass der DCV mit St. Lukas einen „Klotz am Bein“ loswerden will.

Auf Kelheimer Seite wiederum gab es immer wieder die Kritik, dass Kelheim zu wenig von der Kooperation profitierte. So war zwar von Beginn an geplant, dass Patienten aus dem Landkreis Kelheim zum Beispiel in St. Josef operiert und dann zur post-operativen Behandlung nach Kelheim verlegt werden könnten. Aber dem Vernehmen nach wurde dieser Plan nie sonderlich ambitioniert in die Tat umgesetzt.

Schon bei Vertragsabschluss gab es Warnungen, Kelheim sei nicht auf Augenhöhe mit dem DCV: Der Landkreis bleibe zwar Zahlmeister, aber nicht Herr im eigenen (Kranken-)Haus. Befeuert wurde die Kritik, als der DCV als erste „Amtshandlung“ eine externe Krankenhaus-Managerin von der Oberender AG einsetzte. Das endete bekanntlich teuer: Weil der OP-Bereich nicht in Schuss gehalten wurde, musste er spontan für vier Wochen geschlossen und ertüchtigt werden. Unterm Strich hat der Ausfall die Klinik rund drei Millionen gekostet. Unmittelbar darauf flog Oberender raus.

Immer wieder gab es auch die Warnung, dass die Caritas im Zweifel strategische Entscheidungen eher zugunsten ihres eigenen Krankenhauses St. Josef Regensburg als zugunsten von St. Lukas treffen könnte. Offenbar nicht ganz zu Unrecht.

So hat sich dieser Tage bei der Kreis-CSU der Europaabgeordnete und Kreisrat Manfred Weber öffentlich darüber gewundert, dass St. Josef zusätzliche Betten genehmigt bekommen hat, „während die Krankenhäuser Mainburg und Kelheim Auslastungsprobleme haben“. Stichwort Mainburg: Auch dies könnte ein Grund für den neuen Landrat Nerb liegen, sich beim Kelheimer Krankenhaus umzuorientieren. Immer wieder tauchte in Kreistagsdebatten und im Wahlkampf der Vorschlag auf, zu einer landkreis-internen Kooperation zurückzukehren, also einem Verbund der Krankenhäuser Mainburg und Kelheim. Mainburg bildet bislang zusammen mit dem viel größeren Pfaffenhofener Haus die Ilmtalklinik GmbH; allerdings kriselt es auch in dieser Beziehung.

Rückt Kooperation mit Mainburg in Sicht?

Denn mit Blick auf den Plan, einen großen Klinikverbund in und um Ingolstadt zu etablieren, ist derzeit die Umstrukturierung des Mainburger Krankenhauses zu einer „Sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung“ im Gang. Wogegen bekanntlich die gesamte Region Mainburg auf die Barrikaden ging und was einer der Gründe war, dass Martin Neumeyer (CSU) als Landrat abgewählt wurde. Ob sein Nachfolger Christian Nerb nun in einem Landkreis-Klinikverbund auch Chancen sieht für einen Erhalt des 90-Betten-Hauses Mainburg als Grundversorgungs-Haus, ist derzeit freilich nur Spekulation.