Leonie Berger (6) fährt Motocross – Auch ein gebrochener Arm hält sie nicht auf

Von Melissa Kutscher · 14. Juli 2026 um 05:00

Erst sechs Jahre alt und schon über 20 Rennen gefahren – bereits mit zweieinhalb Jahren zeichnete sich Leonie Bergers Begeisterung für den Motocross-Sport ab. Und dabei ist sie schon in ihrem Alter ehrgeizig: Drei Mal pro Woche trainiert sie auf der Strecke des AMC Cham in Zettisch (Rimbach, Landkreis Cham) gemeinsam mit ihrem Papa. Ihre Pläne? Für nächstes Jahr peilt die Wörtherin die Deutsche Meisterschaft an.

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Vermutlich ist es in Leonies Fall nur „natürlich“, dass sie eine Leidenschaft für Schnelligkeit und Stunts entwickelt hat – geht doch ihre ganze Familie aus Wörth dem Sport nach. „Es liegt wohl in der Familie“, lacht Lisa Berger, Leonies Mama. Papa, Oma und Opa sind mit jeweils 35, 56 und 61 Jahren noch immer aktive Fahrer, ihre Mama war ebenfalls langjährig dabei. „Wir waren eigentlich jedes Wochenende auf der Strecke“, erzählt die 33-Jährige. „Vermutlich hat sie sich das Hobby bei ihrem Papa abgeschaut – der ist schuld“, sagt sie scherzhaft.

Aufgewachsen ist Leonie Berger in einer Action-Familie

Angefangen hat Leonie auf einem kleinen Elektro-Laufrad. „Mit dem war sie schon auf der Kinderstrecke unterwegs“, berichtet ihre Mama. Das Rad hat mittlerweile ihre kleine Schwester übernommen – und tritt scheinbar in Leonies Fußstapfen. „Sie kann noch nicht reden, aber sagt ‘nnen, nnen‘ (klingt wie ein Motorgeräusch). Das bedeutet, dass sie fahren will, und es geht den ganzen Tag nur ‘nnen, nnen‘“, erzählt die zweifache Mutter, und man hört förmlich das lächelnde Kopfschütteln in ihren Worten.

Lisa Berger ist bis zu Leonies Geburt 15 Jahre lang selbst gefahren, seitdem schafft sie es zeitlich nicht mehr. Daher nehmen nur noch Thomas Berger, Leonies Vater, und Leonie selbst an Rennen teil.

Sie stand schon auf mehreren Treppchen. - Foto: Lisa Berger

Dafür fahren sie sogar nach Tschechien und Österreich. „In Deutschland darf man erst ab sechs Jahren eine Lizenz für Rennen erhalten“, erläutert Berger. Leonie aber wollte schon früher anfangen: Seit etwa zwei Jahren nimmt sie schon an Rennen in Österreich und Tschechien teil. Und dabei schneidet sie nicht schlecht ab. Indem sie sie bei den Rennen begleiten und ihr Vater mit ihr trainiert, unterstützen ihre Eltern sie tatkräftig bei ihrem Hobby.

Häufiges Training und Stürze machen ihr nichts aus – Im August hat sie sich den Arm gebrochen

Gemeinsam durchsteht die Familie auch mal schwierigere Phasen: „Vergangenes Jahr im August hat sich Leonie den Oberarm gebrochen“, erzählt ihre Mutter. „In der diesjährigen Saison waren deshalb die ersten fünf Rennen schwierig für sie. Sie hatte Angst, wollte aber gleichzeitig fahren und wusste auch, dass sie es konnte. Es war aber schwer für sie umzusetzen.“ Das habe sich dann aber zum Glück schnell wieder gelegt.

Immer wieder aufstehen – so macht es Leonie. - Foto: Lisa Berger

Wie geht Leonie allgemein mit Ehrgeiz, Frustration und Stürzen um? Immerhin ist sie erst sechs Jahre alt und bereits ambitionierte Fahrerin. „Sie ist ziemlich ehrgeizig“, erzählt Lisa Berger. Das sieht man auch daran, wie oft sie trainiert: Drei Mal wöchentlich findet man die Bergers auf der Motocross-Strecke in Zettisch. Der Oberarmbruch sei trotz der häufigen Trainings und Rennen glücklicherweise der erste schlimmere Sturz gewesen.

Machen sich die Eltern allgemein Sorgen um sie, während sie den Extremsport ausübt? „Eigentlich nicht wirklich“, sagt ihre Mutter. „Es kann überall etwas passieren, egal ob beim Fahrradfahren oder beim Trampolinspringen.“ Es helfe wahrscheinlich auch, dass sie als Eltern selbst fahren beziehungsweise gefahren sind und so wissen, worauf sie sich einlassen.

Allgemein scheint Leonie sehr taff zu sein, was vielleicht auch vom frühen Start in den Sport kommt. „Wenn sie stürzt, weint sie vielleicht mal kurz, steht aber immer wieder auf und fährt weiter“, sagt Lisa Berger. Ihr Ehrgeiz und ihr Mut helfen ihr auch in den Rennen, bei denen sie sich meistens gegen 20 bis 30 andere Kinder durchsetzen muss.

Leonie Berger will als nächstes die Deutsche Meisterschaft ins Visier nehmen

Papa Thomas ist stolzer Trainer von Leonie. - Foto: Lisa Berger

Wie sind solche Motocross-Rennen aufgebaut? „Die Teilnehmer sind in Klassen eingeteilt“, erzählt Lisa Berger. Unterschieden wird dabei nach dem jeweiligen Hubraum der Maschinen. „Es gibt immer zwei Wertungsläufe“, erläutert Berger. Dementsprechend gibt es eine Gesamtwertung für die beiden Durchläufe und jeweils die Einzelwertung.

Vor kurzem nahm sie erfolgreich am Oberösterreich-Cup teil und wurde Zweite in der Gesamtwertung. Im zweiten Rennen schloss sie sogar als Erste ab. Im nächsten Jahr will sich die junge Athletin vor allem auf die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft fokussieren.

Schutzanzug und Helm gehören für Leonie zum Alltag. Angefangen mit einem E-Laufrad fährt sie jetzt eine 50 ccm Husqvarna. - Foto: Lisa Berger