„Schön ist's nicht, aber es hilft ja nix“: Pendler sehen Verlängerung der Bahnsperre gelassen

Viele haben insgeheim wohl damit gerechnet: Die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg wird nicht, wie geplant, am 10. Juli fertig. Stattdessen dauert es jetzt bis zum 31. Juli. Bei Pendlern scheint diese Nachricht für erstaunlich wenig Verdruss zu sorgen. Vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ hagelt es dafür Kritik. Der Vorwurf: Man hätte deutlich eher über die Verzögerung informieren können.
An diesem Freitagabend um Punkt 21.24 Uhr wäre es soweit gewesen. Der erste Zug nach fünf Monaten Strecken-Sperre hätte den Regensburger Hauptbahnhof in Richtung Neumarkt verlassen sollen. Eigentlich. Wären da nicht die Stellwerke in Parsberg und in Ochenbruck.
Weil es Verzögerungen bei der Sicherheitsüberprüfung der Stellwerke an den beiden Bahnhalten gibt (wir berichteten), bleibt die Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg jetzt bis zum 31. Juli gesperrt – drei Wochen länger als geplant. Heißt für Bahnpendler: drei weitere Wochen Schienenersatzverkehr mit längeren Fahrzeiten.
Mehr dazu: Prüfer akzeptierte Ersatz-Lösung nicht: Bahn erklärt Verzögerung bei der Strecken-Sanierung
„Das ist keine Überraschung“, sagt Jörg Schäfer vom Fahrgastverband Pro Bahn. Dem Sprecher zufolge hätten sich Mitglieder des Verbands Mitte und Ende Juni ein Bild vom Baufortschritt gemacht. „Da war einiges noch nicht fertig. Ab diesem Zeitpunkt haben wir es geahnt“, so Schäfer.
Was ihn aber wirklich enttäuscht: dass die Bahn erst am Dienstagabend über die Verzögerung informiert hat, obwohl sie aus seiner Sicht schon länger absehbar gewesen sei. Diesem Vorwurf hat die Bahn in einer Pressekonferenz am Mittwoch widersprochen. Man sei bis Dienstagmittag davon ausgegangen, die Strecke trotz der Stellwerk-Probleme wie geplant am Freitag öffnen zu können, erklärte Gerd-Dietrich Bolte von der DB InfraGo AG.
Wir haben es ab Mitte oder Ende Juni geahnt.“Jörg Schäfer, Sprecher „Pro Bahn“
Dann habe jedoch ein Prüfer eine geplante Ersatzlösung nicht akzeptiert. Mit dieser hätten die Stellwerke vorläufig in Betrieb gehen und die Züge ab Freitag fahren sollen. Schlussendlich sei also auch die Bahn kalt erwischt worden, sagt Bolte, der sich im Namen der Bahn „in aller Form“ bei den Fahrgästen entschuldigt. Die scheinen die Verzögerung verhältnismäßig gelassen hinzunehmen, wie eine MZ-Umfrage am Regensburger Hauptbahnhof am Donnerstagmittag zeigt.
Richtig schimpfen will jedenfalls niemand. „Schön ists nicht, aber es hilft ja nix“, meint eine junge Frau, die gerade in den Bus des Schienenersatzverkehrs steigt. „Dass sich bei einer so großen Baustelle was verzögert, kann passieren“, ergänzt Wolfgang Blümlhuber, der ebenfalls auf einen SEV-Bus wartet. Der Schienenersatzverkehr funktioniere ja zum Glück gut, findet er. Es scheint, als hätten sich auch viele andere Pendler gut mit dem Schienenersatzverkehr arrangiert.
„Natürlich ist die Verzögerung nicht prickelnd, aber der SEV ist ja pünktlich. Für mich ist das also kein großes Problem“, meint eine Frau. Eine Oma, die einmal pro Woche mit dem Zug zu ihrem Enkel nach Regensburg fährt, will sich ebenfalls nicht beklagen: „Jetzt fahr ich eben noch drei Mal öfter Bus. Dass ich so 15 Minuten länger brauch, macht mir nichts.“
Verkehrsminister ist „sehr unglücklich“
Trotzdem ist die Hoffnung natürlich groß, dass es bei dieser einen Verzögerung bleibt. Gerd-Dietrich Bolte von der DB InfraGO AG hat am Mittwoch jedenfalls versprochen: „Die Züge werden am 31. Juli fahren. Da sind wir uns absolut sicher.“ Druck kommt auch aus der Politik: Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) appelliert zum Beispiel eindringlich an die Bahn, alles daran zu setzen, um die Maßnahme so schnell wie möglich abzuschließen.
Auf MZ-Nachfrage zeigt sich Bernreiter sehr unglücklich darüber, dass sich die Fertigstellung der Bahnstrecke verzögert. Sicherheitsüberprüfungen müsse man zwar ernst nehmen, betont der Minister, „aber die Verzögerung trübt natürlich den ansonsten guten Bauablauf“. Der Bürgermeister von Beratzhausen, Matthias Beer (CSU), sieht das ähnlich. In seiner Gemeinde befinden sich zwei Haltepunkte. „Sicherheit geht immer vor“, sagt Beer.
Andererseits sei die Verzögerung natürlich „sehr sehr ärgerlich“ für die Pendler. „Ich bin mir sicher, die Verantwortlichen bei der Bahn ärgern sich selber mehr, weil eine bis dahin gute Leistung in der Baustelle jetzt überschattet ist.“
Der Bürgermeister von Deining Peter Meier (CSU) kann der Verzögerung sogar etwas Positives abgewinnen. Dass der gut funktionierende SEV bis Ende Juli bleibt, sei für die Schüler eher von Vorteil. „So kann bis zum Ende des Schuljahres alles so laufen wie in den letzten Monaten“, sagt Meier. Auch er ist der Meinung, dass eine Verspätung bei einem solch großen Projekt vorkommen könne. „Und ein Beweis, wie schlecht es aus Sicht der erwartbaren Nörgler um Deutschland steht, ist diese Verzögerung auch nicht.“