Geschockt über hohe Betriebskosten: Mieter im Regensburger Königstor wehren sich

Von Marion Koller · 8. Juli 2026 um 05:00

Viele Bewohner im Regensburger Königstor sollen mehrere Tausend Euro nachzahlen – Sie kritisieren die Betriebskosten-Abrechnungen als undurchsichtig und fehlerhaft. Rechtsanwalt wurde eingeschaltet.

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Marina Köstler wohnt mit Mann und Kind seit rund drei Jahren im Königstor. In dem Königswiesener Komplex mit rund 500 Bewohnern und Lebensmittelmärkten gefällt es ihnen. Doch die Betriebskosten-Nachforderung für das Jahr 2024 hat Köstler fassungslos gemacht. Weitere 2498 Euro soll die Familie überweisen. Dabei zahlt sie für die 95-Quadratmeter-Wohnung monatlich schon knapp 1440 Euro warm, darunter 241 Euro für die Betriebskosten mit Heizung. „Das ist der Hammer“, sagt die 48-jährige Vertriebsleiterin, die wegen der gestiegenen Energiekosten mit einer Nachzahlung gerechnet hat. „Aber höchstens mit ein paar hundert Euro.“

Auf der Rechnung aufgefallen sind ihr enorme Kosten für Gerätemiete und Heizungswartung. Detaillierte Unterlagen hat die Hausverwaltung nicht herausgegeben.

Hausmeister-Tätigkeiten sind auffallend teuer

Etlichen Bewohnern geht es ähnlich. Auch von Martin Möller, der mit seiner Familie seit 2023 in dem Komplex lebt, verlangt die Hausverwaltung weitere 3088 Euro an Betriebskosten für 2024. Der 40-jährige Manager überweist aber ohnehin monatlich 240 Euro Betriebskostenvorauszahlung. „Mit den verbrauchsabhängigen Summen für Heizung, Warm- und Kaltwasser habe ich grundsätzlich kein Problem“, sagt er. „Die eigentlichen Fragen werfen die übrigen Betriebskosten auf, die im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen sind.“ Allein auf seine Wohnung entfallen in der Nachzahlung rund 818 Euro an Hausmeisterkosten. Teile der Abrechnung hält er für fehlerhaft.

Das ist der Hammer. Ich habe höchstens mit ein paar hundert Euro gerechnet.Marina Köstler, Mieterin

Insgesamt verschlingt die Hausmeistertätigkeit im Gebäude 470 000 Euro im Jahr 2024. Auch dass für die Hausreinigung 195 000 Euro anfallen, erscheint Möller nicht nachvollziehbar. Die Aufzugswartung liege bei 111 000 Euro. Der Familienvater befürchtet, dass Kosten der Einkaufsmärkte und Kundenparkplätze teilweise auf die Mieter verlagert werden.

Martin Möller und Marina Köstler wollen ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Der Hintergrund: Der 40-Jährige und auch Familie Köstler klagen gegen die frühere Königstor-Hausverwaltung Talyo in Berlin, die das Objekt inzwischen abgegeben hat. Möller sagt: „Hier wurde ein Konstrukt aufgebaut, dass die Mieter abgezockt werden.“ Auch der Tiefgaragenplatz koste fast 150 Euro im Monat, deshalb hätten viele ihn gekündigt und parkten draußen.

Ein dritter Fall ist der von Cecil Bräu, der inzwischen in Kanada lebt. Der junge Mann soll knapp 1000 Euro für die kleine Wohnung nachzahlen. Zahlreiche Mieter wehren sich. Die einen wie Köstler haben eine Rechtsschutzversicherung und wenden sich an einen Fachanwalt, andere suchen Hilfe bei Mietervereinen.

Willi Bauer, Geschäftsführer des Mietervereins Regensburg, winkt ab. Auch bei ihm fragen Königstor-Bewohner an, doch er muss aus Kapazitätsgründen ablehnen. „Wir haben zurzeit jeden Tag etwa zehn Anfragen wegen extremer Nebenkosten.“ Beim gigantischen Objekt Königstor könne man das kaum überprüfen. Im Prinzip hätten die Mieter wohl recht. „Es ist jedoch so wie bei allen anderen Großobjekten, dass die Heizungs- und Betriebskosten eskalieren.“ Ein Mieter ohne Rechtsschutzversicherung könne sich hier kaum wehren.

Derzeit gebe es im Marina Quartier und im Dörnbergviertel ähnliche Fälle. „Die brachialen Eingriffe der Politik in das Mietrecht und Heizungsrecht sind auf Dauer nicht bezahlbar“, ist Bauer überzeugt. „In einem anderen Fall, mit der Vonovia, haben wir für die Betriebskostenabrechnung eine Mail der gescannten Belege zur Abrechnung erhalten.“ Es sei schlichtweg kaum möglich gewesen, die 52 Seiten vom Bildschirm weg zu beurteilen. „Es handelt sich hier um das Bürokratieentlastungsgesetz, dass dem Vermieter erlaubt, solches zu tun.“

Nicht jede Zahl ist hundertprozentig nachvollziehbar.Peter Aichner, Mieter

Rechtsanwalt Sebastian Weidner vertritt Königstor-Bewohner. Er betont: „Diese Vermieter haben wir mehrfach auf der Gegenseite. Wir sehen hier gute Ansatzpunkte für eine gerichtliche Überprüfung dieser Nebenkostenabrechnungen."

Bei der früheren Königstor-Hausverwaltung Talyo meldet sich am Telefon eine Künstliche Intelligenz, die Daten abfragt und einen Rückruf verspricht. Heute verwaltet Immobilien Bossert aus München das Königstor mit seinen fast 400 Wohnungen. Immobilienmanager Ferdinand Franzrahe vom Unternehmen Bossert sagt zum Königstor: „Bei uns kommen die ganzen Beschwerden rein. Es wurde vereinbart, dass die Prüfung, ob die Betriebskostenabrechnungen korrekt sind, bei uns stattfindet.“

Frühere Verwaltung gibt nur Teil der Unterlagen heraus

Ein weiterer Sprecher von Bossert, der direkt mit dem Regensburger Gebäudekomplex befasst ist, betont: „Wir haben zwar die Abrechnung, können aber nicht nachvollziehen, wie die einzelnen Kostenarten berechnet wurden.“ Der frühere Hausverwalter Talyo habe nur einen Bruchteil der Abrechnungsbelege übergeben.

Mieter Peter Aichner steuert auf den Rewe im Königstor zu. Der 66-Jährige hat seine Betriebskosten-Nachzahlung von rund 600 Euro überwiesen. „Die Kosten sind relativ hoch“, urteilt er. Vor allem aber sei nicht jede Zahl hundertprozentig nachvollziehbar, zum Beispiel die Personalkosten und Verwaltungsgebühren.