Regensburg ist beim Onlineservice Spitze in Bayern – Unternehmer sehen noch Handlungsbedarf

Obwohl 500 digitale Verfahren bei der Stadt Regensburg im Angebot sind, sehen Unternehmer noch gewaltigen Handlungsbedarf. Sie sprechen von einer Menge Papierwust und kritisieren, dass sie und andere Bürger für Routineangelegenheiten zu oft beim Amt erscheinen müssen. Die Kommune entwickelt die Online-Leistungen laufend weiter – von der Hunde- bis zur Wohnsitzanmeldung.
Bei der Digitalisierung hat die Stadt alle anderen bayerischen Kommunen überholt. Laut Dashboard Digitale Verwaltung des bayerischen Digitalministeriums bietet Regensburg 504 Onlineverfahren und digitale Services an – ob es um die Beantragung eines Wohnberechtigungsscheins für eine geförderte Mietwohnung, eine Hundeanmeldung oder die elektronische Aufenthaltserlaubnis für Ausländer geht. Damit ist sie Spitzenreiterin im Freistaat. „Ich finde schon, dass man sich freuen kann, in Bayern auf Platz eins zu sein“, sagt Sven Wagner vom Digitalverband Bitkom. Er räumt aber ein, dass es nicht nur auf die Menge ankomme, sondern auch darauf, welche Services umgesetzt werden.
Auch bundesweit mischt Regensburg vorne mit. Im Smart City Index des Digitalverbands Bitkom vom September erreichte die Domstadt den zwölften Platz unter 83 deutschen Städten ab 100 000 Einwohnern. Der neue Index erscheint erst im Herbst.
Stadtsprecherin Katrin Butz nennt die wichtigsten Online-Dienstleistungen. Besonders relevant seien Angebote in den Bereichen Bauen und Wohnen, Gewerbe, Kraftfahrzeuge, Ausländer- und Einbürgerungsangelegenheiten sowie Bürgerservices. Dazu zählen die Beantragung von Meldebescheinigungen, Bewohnerparkausweisen, Personenstands-Urkunden oder die Vereinbarung von Bürgerbüro-Terminen. Auch die Online-Wohnsitzanmeldung ist nun digital möglich.
Mehr als 50 Prozent der Verwaltung nutzt E-Akte
Seit Herbst vorigen Jahres arbeiten mehr als 50 Prozent der Verwaltung mit der E-Akte, die anderen Ämter dagegen noch mit Papier. „Wenn mehrere Ämter an Bürgeranliegen arbeiten, geht das mit der E-Akte schneller“, sagt Sven Wagner von Bitkom. „Regensburg muss hier Gas geben.“ Die Verwaltung sei aber auf dem richtigen Weg. 83 Prozent der untersuchten Leistungen seien digitalisiert, andere Großstädte erreichen im Schnitt 71 Prozent.
Stadtsprecherin Katrin Butz sagt zur E-Akte: „Alle Mitarbeitenden mit städtischem Account, also 100 Prozent, haben mittlerweile Zugriff auf die zentralen Funktionen der E-Akte. Zusätzlich verwalten bereits über die Hälfte der Ämter täglich ihre Dokumente in der E-Akte, häufig auch in Kombination mit den zugehörigen Fachverfahren.“ Die systematische Einführung laufe. Die Digitalisierung sei jedoch kein Projekt mit festem Abschlussdatum. „Es ist ein kontinuierlicher Prozess, in dem laufend neue Anwendungsfälle und Weiterentwicklungen identifiziert und umgesetzt werden.“ Schließlich müssten technische, fachliche sowie rechtliche Anforderungen und Möglichkeiten berücksichtigt werden. Die E-Akte werde Bestandteil von immer mehr Prozessen.
Beim Führerschein geht online gar nichts, es gibt nicht einmal Hinweise auf Wartefristen.Josef Zimmermann, Unternehmer
Der Unternehmer und frühere CSU-Stadtrat Josef Zimmermann hat oft mit der Verwaltung zu tun und sieht den Onlineservice nach wie vor kritisch. „Große Sprünge haben wir da keine gemacht“, sagt er. Ein bayernweiter erster Platz sei kein Aushängeschild. „Die anderen sind noch schlechter dran.“ Einen Bauantrag online einzureichen, funktioniere nicht, sobald man eine Frage habe. „Dann sind Sie sofort wieder ans Amt gebunden und müssen persönlich kommen.“ Sein Architekt habe etwa ein veraltetes Formblatt verwendet. „Ich kann nicht überprüfen, ob alles stimmt. Es gibt keine Checkliste. Die Verwaltung denkt nicht aus Kundensicht“, ärgert sich der Chef der Firmengruppe Zimmermann, die sich auf Elektro- und Gebäudetechnik spezialisiert hat.
„Wir bekommen immer noch so viel Papierwust“
Zimmermann und seine Fahrer ab 50 Jahren müssen alle paar Jahre ihren Lkw-Führerschein verlängern lassen. Er sagt, zunächst habe er für die Beantragung und zur Nämlichkeitsfeststellung ins Amt kommen müssen. „Warum kann ich das nicht machen, wenn ich ihn abhole?“ Die Berufskraftfahrer müssten sich für die Führerscheinverlängerung zwei Tage Urlaub allein für die Behördengänge nehmen – zusätzlich zu den Arztbesuchen. Er selbst habe sechs Monate auf einen Termin für die Verlängerung gewartet. „Beim Führerschein geht online gar nichts, es gibt nicht einmal Hinweise auf Wartefristen. Warum kann ich die Verlängerung nicht online beantragen und bezahlen? Die Ärzte reichen ihre Atteste online ein. Erst zur Abholung muss man persönlich erscheinen, Terminvorschlag vielleicht auch gleich online und warum nicht auch im Bürgerbüro?“ Positiv sei, dass man Handwerkerausweise nun auf Antrag per E-Mail bekomme.
Ein Unternehmer aus dem Bausektor, der oft mit der Stadt zusammenarbeitet, kritisiert die seiner Meinung nach schleppende Digitalisierung scharf. Er möchte anonym bleiben, weil er auf die Kommune für Genehmigungen angewiesen ist. „Da ist nichts digital“, sagt er. „Ich bin für zig Millionenprojekte zuständig. Wir können nicht feststellen, dass es schneller geht.“ Das Unternehmen reicht Unterlagen online ein. „Aber wir bekommen immer noch so viel Papierwust – bei Grundabgaben, Bausachen, Bescheiden, Auskünften.“ Das An- und Abmelden von Mülltonnen laufe über Papierformulare. Für die Zulassung eines Autos aus dem Ausland müsse er erscheinen. Der Unternehmer setzt große Hoffnungen auf OB Thomas Burger.
Das Personal- und Verwaltungsreferat erweitert die digitalen Verwaltungsleistungen kontinuierlich. Derzeit laufen allein im Bereich eGovernment 21 Projekte parallel zur stetigen Umsetzung von Online-Anträgen und -Services in den Ämtern. Bildungsmonitoring, Regensburg-App und Städtische Datenplattform kommen.
Kirchenaustritt und Online-Traukalender
Beliebt: Zehn Onlineservices haben die Regensburger 2025 am meisten genutzt: Statusabfrage beim Ausweis, Kennzeichenreservierung, Briefwahlantrag, Geburtsurkunde, Termin für Kfz-Zulassung, Beantragung Stadtpass und Kirchenaustritt, Traukalender, Termin für Einbürgerung und Führerschein.
Geplant: Die Stadt führt die BundID als zentralen Zugang für ihre digitalen Verwaltungsleistungen ein. Regensburger können sich damit künftig bei vielen Online-Verfahren sicher identifizieren. „Die Bürger benötigen künftig nur noch ein Konto, um viele Anliegen online zu erledigen – schnell, sicher und unabhängig von Öffnungszeiten“, sagt OB Dr. Thomas Burger. Die BundID ist das bundesweit einheitliche Nutzerkonto für digitale Verwaltungsleistungen.
Stadtwebsite: Dort kann man alle Services unter regensburg.de/buergerservice/dienstleistungen aufrufen.