Vom ersten Date bis zum Heiratsantrag: Regensburger Barkeeper erlebt viel mit seinen Gästen

Von Marion Koller · 28. Juni 2026 um 05:00

In der Barock Bar von Thomas Schackmann funkt es manchmal. Vom ersten Treffen bis zur Hochzeit hat der 32-jährige Regensburger in seinem Lokal schon alles erlebt. Der Barkeeper mischt individuelle Drinks und sorgt dafür, dass sich jeder Gast wohlfühlt. Beim Jazzweekend füllt das Team Waffelhörnchen mit Espresso Martini.

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Geschäftspartner Max Maier trifft mit dem Fahrrad bei der Barock Bar ein. Er nimmt den Helm ab, und schon bittet ihn Thomas Schackmann, der Eigentümer, die Zartbitterschokolade im Wasserbad zu schmelzen. Mitarbeiterinnen und Helfer trudeln ein. Sie bestreichen Hunderte Waffelhörnchen innen mit der Schokolade.

Beim Jazzweekend werden sie als „Waffel-Tinis“ mit Espresso Martini feilgeboten. Die Bar ist stilvoll eingerichtet, mit Lederstühlen, einer leuchtenden Thekenrückwand voller Spirituosen und Kunst des Regensburgers Andre Maier. Eine Art Inszenierung, bei der die Gäste die Hauptrolle spielen. Thomas Schackmann führt Regie – mit zurückhaltender Art, Kotelettenbart und gerne im Anzug.

Herr Schackmann, wie kommt das mit den Hörnchen?

Thomas Schackmann: Viele Gäste lieben unseren Espresso Martini, deshalb bringen wir ihn in der Waffel aufs Jazzweekend.

In Ihrer Bar mixen Sie ungewöhnliche Cocktails, aber bei einfachen Sommerdrinks scheint der Hugo Spritz den leicht bitteren Aperol Spritz überholt zu haben.

Schackmann: Wir haben kreative Signature Drinks, die für die Barock Bar stehen. Wir loten unsere eigenen Grenzen aus. Aber wir machen auch die Klassiker wie Aperol Spritz oder Hugo, wenn der Gast das wünscht. Ich würde Aperol oder Campari Spritz trinken. Wenn wir das gut machen, probiert der Gast vielleicht das nächste Mal einen unserer Drinks. Schön, dass wir in Regensburg immer mehr in die Aperitiv-Kultur kommen.

Welcher der mit Kommentaren – „Thank you for your trust“ (Danke für Ihr Vertrauen) – versehenen Cocktails ist der beliebteste?

Schackmann: Wahrscheinlich der Porn Star Twist mit Gin, Pfirsichlikör, Vanille und einigem mehr. Die Gäste freuen sich über die Kommentare auf der Karte. Das lockert auf.

Das Kaufmannshaus aus dem Mittelalter ist ein Denkmal. Warum haben Sie diesen Standort und Namen gewählt? Das Haus wurde nicht im Barock gebaut.

Schackmann: Ich wollte nach der Geschäftsübernahme keinen großen Wirbel machen und habe das Potenzial gesehen. Den Namen habe ich behalten. Schon als Angestellter habe ich mich mit den schönen Räumen identifiziert.

Ist Schumann's Bar in München ein Vorbild?

Schackmann: Ich finde Charles Schumann cool. Manchmal bin ich drin. Trotz seines Alters arbeitet er noch mit. Er hat es geschafft, sich die Freude daran zu bewahren. Dann kann man in unserem Beruf 80 werden. Wirtschaftlich war er erfolgreich. Das gehört dazu. Aber ich glaube, da sind auch wir auf einem guten Weg. Allerdings hat er selektiert. Er sieht die Bar als Ort für Menschen, die Kopfarbeit leisten. Wir selektieren nicht, sondern machen Hochwertigkeit nahbar. Eine Bar entwickelt über die Jahre ein Publikum. Ein Teil ist Laufkundschaft, viele kommen gerne zurück. Promis würde ich nicht erkennen, wenn sie vor mir sitzen. Für mich sind sie alle Gäste.

Schütten manche ihr Herz aus?

Schackmann: Ja, klar. Es kommen Menschen mit hohem Redebedürfnis. Das kann um den Sohn in der Schule gehen oder um die Partnerin. Die Klassiker: eine kaputte Beziehung, das Verliebtsein, die Beförderung. Man sieht so viel: Wir haben erste Dates, Heiratsanträge und Hochzeitsfeiern. (Vor der Tür verweilt eine Touristengruppe, bewundert die Häuserzeile und ruft lautstark durcheinander.)

Der Filmemacher Luis Buñuel beschreibt die Bar in seiner Autobiografie als Ort der Meditation und Einsamkeit.

Schackmann: Das mit der Einsamkeit, da bleibe ich mit dem Kopf hängen. In eine gute Bar kann man auch alleine gehen. Man ist stets in guter Gesellschaft, aber unverbindlich. Manchmal stelle ich Leute einander vor.

Auch die Bayern trinken immer weniger Alkohol. Zahlreiche Millennials trainieren viel und verzichten deshalb. In der Barock Bar reagieren Sie mit fantasievollen, alkoholfreien Kreationen, zum Beispiel A Little Something mit Traubensaft, Kokospüree, Kaffeegewürz und alkoholfreiem Sekt.

Schackmann: Ja, stimmt. Junge Menschen trinken immer weniger Alkohol. Es werden oft leichtere oder alkoholfreie Cocktails bestellt. Wir nehmen diese Herausforderung gerne an und mischen auf Wunsch individuelle Drinks.

Sie sind für den SWC Regensburg gelaufen. Welchen Sport mögen Sie heute?

Schackmann: In meiner Jugend habe ich viel Leichtathletik gemacht. Heute machen mir andere Sportarten mehr Freude: Ich spiele gerne Schach. Und laufe nur noch von Tisch zu Tisch.

Welches Lokal besuchen Sie gern?

Schackmann: Wir sind gerne im Palletti oder zum Schnitzeltag in der Klappe. Hin und wieder im Biergarten des Coming Home.

Was erwarten Sie von der neuen Rathaus-Koalition?

Schackmann: Regensburg ist eine sehr kulinarische Stadt geworden. Es ist so schön, hier essen und trinken zu gehen. Ich wünsche mir, dass die Verwaltung das aktiv unterstützt. Positiv sehe ich, dass wir immer mehr Freisitze haben. Den Trend soll die Stadt fortsetzen.

Was lernen Sie von Gästen?

Schackmann: Eine Geschichte hat meine Einstellung zum Service geprägt. Im Schlosshotel hat ein Stammgast warmen Cognac bestellt. Aber dadurch wird der Geschmack verfälscht. Er hat mir meine Ablehnung angesehen, einen Tomatensaft bestellt und in den Cognac gekippt. Dann bestellte er einen weiteren warmen Cognac. Er hatte recht. Gäste dürfen trinken, was sie wollen. Wir sind keine Lehrer.

Sie sperren um 2 Uhr zu. Wie kommen Sie zur Ruhe?

Schackmann: Zwischen 3 und 4.30 Uhr gehe ich ins Bett, weil ich vorher Zeit für mich selbst brauche. Ich lese im Bar-Handbuch „Cocktailian“. Im Moment schaue ich die Gangsterserie Peaky Blinders, weil Geschichte, Kulisse und Kostüme cool sind. Wenn das Ziel Entspannung ist, schaue ich nichts Neues.