Spatenstich für 274 Wohnungen im Regensburger Kasernenviertel

Von Marion Koller · 2. Juli 2026 um 17:37

Im innenstadtnahen Südosten von Regensburg wächst bald der neue Postblock in die Höhe – Bezahlbare Mietwohnungen für Familien und Senioren sind ebenso geplant wie Eigentum. Der Bauherr Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe hört viel Lob. Es gibt aber auch verhaltene Kritik vom Bürgerverein Südost.

Drei Seiten des früheren Postblock-Karrees, das jahrelang leerstand, sind abgerissen. Bagger haben das Grundstück mit fast 11 000 Quadratmetern weitgehend geräumt. Nur der Häuserriegel an der Furtmayrstraße steht noch. Auf dem Areal baut die Immobilien Zentrum Unternehmensgruppe (IZ) 274 Wohnungen. Mehr als die Hälfte der Wohnfläche wird laut Bauherr öffentlich gefördert. Das Projekt bietet viele bezahlbare Mietwohnungen, aber auch Eigentum. Rund 600 Menschen werden nach der Fertigstellung im Kasernenviertel einziehen.

Beim Spatenstich am Donnerstag hörten die Verantwortlichen des IZ großes Lob von Stadt und Regierung. Verhaltene Kritik äußerten die Vertreter des Bürgervereins Süd-Ost am Rande der Veranstaltung.

Baugenossenschaft war zum Verkauf gezwungen

Von einem „Stück Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt“ sprach OB Dr. Thomas Burger. Regensburg sei attraktiv und wachse. Es ziehe viele Menschen an, die hier arbeiten oder studieren wollen. „Das ist schön, stellt uns aber vor viele Herausforderungen.“ Das Zusammenspiel der Baugenossenschaft Regensburg und des IZ bezeichnete er als etwas Besonderes. „Es braucht Mut und kreative Ideen.“

Wir sind sehr froh, dass endlich Bewegung in dieses Quartier kommtRainer Lacler, Bürgerverein Süd-Ost

Zum Hintergrund: Der Baugenossenschaft haben die Millionen gefehlt, um das heruntergekommene Karree zu sanieren oder neu zu bauen. Nach längeren Verhandlungen entschied sich das IZ, den Postblock zu kaufen.

„Alle unsere Partner kommen aus der Region, was einen Baubeginn in nur 15 Monaten nach Erwerb des Grundstücks möglich macht“, betonte IZ-Vorstandsvorsitzender Alexander Dietlmeier bei der Feier. Zunächst starten die ersten beiden Bauabschnitte: 194 Neubauwohnungen mit etwa 12 300 Quadratmetern Wohnfläche entstehen, darunter 107 geförderte für Familien, Alleinerziehende und Senioren mit Wohnberechtigungsschein. Diese Wohnungen bleiben dauerhaft im Bestand des IZ. Sie sind zwei bis vier Zimmer groß. Dietlmeier sprach von Nettokaltmieten in Höhe von sieben bis acht Euro pro Quadratmeter. Auch 87 Eigentumswohnungen werden hochgezogen. „Knapp 90 Prozent sind reserviert.“ Mieter und Käufer können voraussichtlich im Herbst 2028 in die Wohnblocks mit dem Energieeffizienzhaus-Standard EH 40 einziehen.

Im dritten Bauabschnitt wird der Gebäuderiegel an der Furtmayrstraße 32 bis 38 saniert und neu aufgeteilt: in weitere 80 Eigentumswohnungen. Unter dem Innenhof kommt eine Tiefgarage mit 100 Plätzen. Car-Sharing und Lastenräder für Bewohner sind geplant. Die gesamte Investitionssumme beträgt rund 90 Millionen Euro.

Dr. Johann Semmelmayer, Aufsichtsratschef der Baugenossenschaft Regensburg, räumte ein: „Der Abschied von unserem Bestand ist uns nicht leichtgefallen.“ Die Baugenossenschaft habe sich der Realität stellen müssen. Steigende Kosten und die Ausgaben für den sonstigen Immobilienbestand hätten sie zum Verkauf des Postblocks gezwungen. „Mit dem Immobilien Zentrum haben wir einen Partner gefunden, der unsere Ziele verstanden hat.“ Der Verkauf ermögliche es der Baugenossenschaft, den übrigen Wohnungsbestand in Regensburg zu sanieren – auch energetisch. „Der Gedanke des bezahlbaren Wohnens bleibt erhalten, wenn auch in anderer Form“, betonte Semmelmayer.

Alle unsere Partner kommen aus der Region. Das macht den schnellen Baubeginn möglich.Alexander Dietlmeier, IZ-Vorstandschef

Eine Förderung in Höhe von 25,4 Millionen Euro vom Freistaat und vom Bund erhält Bauherr IZ für die Errichtung der Sozialwohnungen im Postblock. Sie müssen 40 Jahre lang günstig vermietet werden. Das sagte Oliver Seidel, Sachgebietsleiter Wohnungswesen bei der Regierung der Oberpfalz. Er ist bei der Behörde zuständig für die Vergabe der Fördermittel. Warum gelingt es dem IZ immer wieder, Förderung zu erhalten, während andere Investoren sagen, sie gingen leer aus und könnten daher keine Sozialwohnungen bauen? Dazu sagte Seidel: „Das IZ ist ein langjähriger Partner, hat einfach Durchhaltevermögen und Biss.“ Außerdem habe es einen imponierenden Willen für Verbesserungen.

Nachbar ist froh, dass der „Schandfleck“ verschwindet

Im bayerischen Doppelhaushalt 2026/27 stünden voraussichtlich bis zu 3,6 Milliarden Euro zur Verfügung, weil auch Mittel aus dem Infrastrukturfonds des Bundes einfließen. „Ich würde sagen, es wird noch eine Schippe draufgelegt“, sagte Seidel. Es werde hin und wieder gemunkelt, die Fördermittel versiegten, aber das stimme nicht. „Doch wir müssen priorisieren und können nicht jedes Vorhaben fördern.“ In den letzten Jahren seien jeweils 150 bis 160 Wohnungen in Regensburg gefördert worden. Das solle mehr werden. Schließlich drohe hier das Wohnen zum Luxus zu verkommen.

Rainer Lacler und Katharina Lindner vom Bürgerverein Süd-Ost vertraten die Nachbarschaft. Lacler meinte: „Das war ein Schandfleck.“ Den Neubau betrachtet er als Aufwertung für das ganze Viertel. „Es hätte aber gerne mehr geförderter Wohnraum sein dürfen. Und den kleinen Kiosk am Ecke hätte man erhalten können – als Nachbarschaftstreff.“ Lindner hätte es vorgezogen, wenn mehr renoviert worden wäre. Die Spaten schwangen dann Alexander Dietlmeier sowie Projektpartner und Financiers.

Die Geschichte

Genossenschaft: 1899 gründeten 41 Eisenbahnmitarbeiter den „Bau- und Sparverein des bayerischen Eisenbahnerverbandes“ als Genossenschaft. Der Postbauverein schloss sich 1928 an. Daraus entstand die Baugenossenschaft Regensburg., die den Postblock bis 2025 besaß.

Quartier: Die 99 Wohnungen des alten Postblocks wurden ab 1928 gebaut.