Projekt „Insight Neunburg“: Realschüler präsentieren dem Stadtrat ihre Ideen

Wenn Stadträte wieder die Schulbank drücken, muss das einen besonderen Grund haben. Der Auslöser waren die Ergebnisse einer Projektgruppe dreier neunten Klassen der Gregor-von-Scherr-Realschule, die sich intensiv mit dem Freizeitverhalten von Jugendlichen auseinandergesetzt hatte. Die Präsentation passte zu den aktuell im Stadtrat vorliegenden Anträgen.
Eingereicht wurden diese von der CSU, der Freien Wählern und Bündnis 90/Die Grünen, die alle ein Mitspracherecht der jungen Neunburger fordern. In der jüngsten Sitzung des Stadtrates wurde die Durchführung einer Jugendbürgerversammlung favorisiert. Das Ergebnis der Projektgruppenarbeit sollte als Basis für das weitere Vorgehen dienen.
Einen kleinen Einblick darin, wie intensiv sich die 15 Schülerinnen und Schüler mit dem Thema beschäftigt hatten, konnten die geladenen Gäste gleich beim Betreten des Klassenzimmers erleben. Überall prangte das in Blau gehaltene Themenplakat mit der Aufschrift „Insight Neunburg – was wir sehen – was wir wollen“, ebenso wie Ausdrucke mit den Namen der Akteure und verschiedenen Ergebnissen. Für jeden Teilnehmer waren eine „Gedankenkarte“ und eine „Zugangskarte“ an seinem Platz ausgelegt. Bei der Gedankenkarte ging es um die Erfassung persönlicher Eindrücke während der Präsentation, auf der Zugangskarte sollte die Bereitschaft zur Unterstützung verschiedener Maßnahmen signalisiert werden.
Bernd Bischoff, stellvertretender Schulleiter und Projektleiter, eröffnete die Präsentation und stellte die Ausgangslage vor. Sein besonderer Gruß ging an Dr. Martina von Gehlen, Mitarbeiterin im Projekt „Leistung macht Schule (LemaS)“, von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, die eigens angereist war.
Umfrage unter 200 Schülern der Realschule, Mittelschule und Gymnasium
Zunächst stellten die Schüler den Umfang und die Ergebnisse der eigens entwickelten Umfrage unter 200 Mitschülern der Realschule, der Mittelschule und des Gymnasiums Oberviechtach zu ihrem Freizeitverhalten vor. Bei der Umfrage gab es neben den absoluten Antworten Ja und Nein auch mehrere Abstufungen, die ausgewählt werden konnten. Die Zielgruppe lag bei den 14- bis 18-Jährigen.
Die Analyse spezieller Angebote auf den Homepages der Vereine für Jugendliche fiel deutlich negativ aus. Bei der Betrachtung der Angebote des Jugendtreffs Schwandorf kamen die Akteure zu dem Ergebnis, dass ein solcher nicht die Lösung der festgestellten Probleme darstelle. Favorisiert wurde eher die Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen. Die Möglichkeiten in Neunburg seien dafür durchaus vorhanden, aber teils noch ausbaufähig.
Jungen gestalten Freizeit spontaner als Mädchen
Unterschiedlich fiel das Ergebnis zwischen Mädchen und Jungen bezüglich der Planung von Freizeitaktivitäten aus. Letztere setzen eher auf Spontaneität. Fast die Waage hielten sich die Antworten bei der Frage nach dem Interesse, neue Freizeitaktivitäten auszuprobieren: 27 Prozent antworteten mit „Ja“, 24 Prozent mit „Nein“. Zudem meldeten sich 26 Prozent mit „eher Ja“.
Nur 31 Prozent bekannten sich zum Interesse, an der Gestaltung ihrer Stadt mitzuwirken. Das führte auch zur Frage eines Jugendparlaments, dessen Vorbilder in Berlin und Nittenau jedoch nicht überzeugen konnten. Anders sah es da schon bei der inzwischen auch im Stadtrat favorisierten Jugendbürgerversammlung aus. Auch ein „Bürgermeisterfrühstück“ wurde als durchaus hilfreich erachtet.
Am Ende rückte Bischoff noch zwei Aspekte in den Fokus. Zum einen dürften die sozialen Medien nicht unterschätzt werden, zum anderen spiele die Schnelllebigkeit eine wichtige Rolle. Bis neue Ansätze greifen würden, sei die anvisierte Altersgruppe zwischen 14 und 18 Jahren schon älter und die Interessenlagen der „Nachrücker“ möglicherweise schon wieder ganz andere. „Dass sie alle hier sind, zeigte uns, dass sie sich interessieren und zuhören“, hieß es schließlich am Ende der Präsentation.

„Dialog und Kommunikation sind wichtige Mittel für die politische Verantwortlichen“, betonte Bürgermeister Martin Birner (CSU). Die Einbindung der Jugend helfe, die Stadt „frisch“ zu halten. Daher gelte es neue Strukturen der Mitgestaltung zu schaffen und Vorhaben schneller umzusetzen. MdL Martin Scharf (FW) war es wichtig, dass der Dialog und nicht ein Monolog im Mittelpunkt einer Jugendbürgerversammlung stehen müsse. Schulleiterin Diana Schmidberger sah als Alternativen Technikworkshops und vor allem „schöne Plätze“, um sich treffen zu können. Als Elternbeiratsvorsitzender animierte Maximilian Lang (FW) die Jugend, Veranstaltungen selbst zu organisieren. Dem Jugendbeauftragten Elias Schütz (CSU) war es wichtig, dass die Jugend ihre Wünsche auch konkret äußere.