Hitzefrei wie früher? So reagieren Schwandorfs Schulen auf die heißen Tage

Morgens schon warme Klassenzimmer, aufgeheizte Sporthallen und Schüler, denen das Konzentrieren bei knapp 30 Grad immer schwerer fällt: Die aktuelle Hitzewelle ist auch in den Schulen im Stadtgebiet Schwandorf deutlich spürbar. Die Einrichtungen reagieren darauf unterschiedlich – mit mehr Trinkpausen, weniger Hausaufgaben, angepassten Sportstunden, Unterricht in kühleren Räumen oder verkürzten Schultagen. Aber gibt es eigentlich noch das klassische Hitzefrei von früher?
Weniger Hausaufgaben und Pausen im Klassenzimmer in der Lindenschule
Je nach Gebäudeteil ist die Hitze an der Lindenschule unterschiedlich stark zu spüren. Einige Zimmer seien noch relativ kühl, andere Räume dagegen ziemlich warm, berichtet Schulleiterin Ella Vierl im Gespräch mit der MZ und fügt lachend hinzu: „Noch halten wir tapfer durch.“ De Kinder dürften jederzeit Trinkpausen machen. Das Rausgehen wurde eingeschränkt: Die Pausen verbringen die Schüler derzeit meist im kühleren Klassenzimmer.
Um die Konzentration zu fördern, setzt die Schule auf leichte Übungen, Meditation und Yoga ohne große körperliche Anstrengung. Zusätzlich werde am Morgen schon gründlich gelüftet, dies geschehe durch den Hausmeister und das Sekretariat. Als Schule ohne Ganztag endet der Unterricht an der Lindenschule regulär um 12.45 Uhr. Ein klassisches Hitzefrei gibt es dort nicht. Stattdessen bekommen die Kinder laut Schulleiterin Vierl weniger Hausaufgaben auf, die sie zum Teil bereits in der Schule erledigen können. Bei Ausflügen wird gemäß der Direktorin besonders auf Sonnenschutz geachtet: Zwei ihrer Klassen seien in dieser Woche in Neusath-Perschen unterwegs gewesen. Die Eltern wurden im Vorfeld gebeten, ihren Kindern Sonnencreme, Cappy und ausreichend Getränke mitzugeben, zusätzlich hätten auch die betreuenden Lehrer für Getränke gesorgt.
Das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium lässt den Sport am Nachmittag weg:
Schulleiter Johannes Werner vom Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium (CFG) beschreibt vor allem die Ostseite des Gebäudes als problematisch: Dort gebe es Klassenzimmer, die morgens bereits von der aufgehenden Sonne aufgeheizt werden. In den oberen Stockwerken werde es zusätzlich wärmer, weshalb es insgesamt im Gebäude derzeit schon „relativ warm“ sei. Eine der getroffenen Maßnahmen betrifft den Sportunterricht, denn auch die Sporthallen seien stark aufgeheizt. Deshalb finde in den letzten Nachmittagsstunden aktuell kein Sport mehr statt. „In Einzelfällen kann der Nachmittagsunterricht zudem in kühlere Kellerräume verlegt werden, das liegt im Ermessen der jeweiligen Lehrer“, so Werner.
Hitzefrei gibt es am Schwandorfer Gymnasium nicht vor der sechsten Stunde. Am Donnerstag fiel der Nachmittagsunterricht ohnehin weg, am Freitag endete der Schultag wegen der Abiturfeier bereits nach der vierten Stunde früher. Im Unterricht selbst wird das Tempo angepasst: Alles werde bei diesem Wetter etwas heruntergefahren und laufe langsamer, berichtet der Schulleiter. Zudem würden die Lehrer angehalten, stärker auf offene Unterrichtsformen zu setzen, bei denen die Schüler kooperativ oder in Einzelarbeit auch in kühleren Arbeitsnischen lernen können. Eltern sollten derzeit vor allem darauf achten, dass ihre Kinder genug trinken, eine Kopfbedeckung tragen und an Sonnenschutz denken, erinnert Werner.
Mädchenrealschule St. Josef setzt auf verkürzte Stunden statt Hitzefrei
An der Mädchenrealschule St. Josef ist die Hitze ebenfalls sehr präsent. Die Klassenzimmer seien unterschiedlich warm, im Keller sei es noch ein wenig kühler und „gerade noch okay“. Von Etage zu Etage mache sich die Wärme aber deutlich bemerkbar, gerade weil die Verwaltung im obersten Stockwerk liegt. Schulleiter Jürgen Moritz hatte das Kollegium deshalb bereits am vorigen Wochenende auf die bevorstehende Hitze hingewiesen. Die Lehrer sollten besonders darauf achten, das Trinken im Unterricht zu betonen. An der Schule gebe es Getränke- und Wasserspender, außerdem werden mehr Trinkpausen gemacht und morgens sofort gelüftet, um möglichst frische Luft ins Gebäude zu bekommen, so Moritz.
Auch die Sportlehrer erhielten Hinweise, dass Sportunterricht in der Sonne aktuell vermieden werden solle. Das klassische Hitzefrei wurde an der MRS in eine andere Form gebracht. Weil noch Exen und Schulaufgaben anstehen und die Lehrer ihre Noten brauchen würden, könne man nicht einfach einzelne komplette Stunden streichen. Stattdessen hat sich der Schulleiter dafür eine Alternative überlegt, nach der jede Unterrichtsstunde um zehn Minuten verkürzt werde. „Bei sechs Schulstunden spart das insgesamt eine Stunde ein, sodass bereits um 11.50 Uhr Schluss ist“, erklärt Jürgen Moritz. Für die Betreuung und die Heimfahrt sei ebenfalls gesorgt. Manche Schülerinnen können um 11.50 Uhr regulär mit den dann fahrenden Bussen nach Hause fahren, für alle anderen gebe es eine Mittagsaufsicht in der Aula. Auch das Lehrerzimmer wurde wegen der Hitze verlegt: Es zog aus der Verwaltung im obersten Stockwerk in die etwas kühleren Kellerräume um, wo die Räume der Abschlussklassen frisch frei geworden seien.
Die Mädchen reagieren unterdessen laut dem Schulleiter kreativ auf die Wärme: Einige bringen gemäß Moritz kleine USB-Ventilatoren mit oder basteln sich Fächer. Kreislaufprobleme habe es bislang nicht gegeben und auch die Lernmotivation sei weiterhin vorhanden.
Trinkwasserbrunnen helfen in der Grund- und Hauptschule Dachelhofen
In Dachelhofen habe sich das Schulgebäude inzwischen so stark aufgeheizt, dass man die Hitze kaum noch herausbekomme, berichtet Schulleiter Christian Ernstberger. Es sei sehr warm und man schwitze schnell. Als Gegenmaßnahme würden auch hier am Morgen sofort alle Fenster geöffnet und danach bald die Jalousien heruntergelassen, trotzdem müsse man für frische Luft immer wieder durchlüften. Die Temperaturen, die schon morgens teils bei 28 Grad lägen, beobachtet Ernstberger laufend.
Am Donnerstag und Freitag endete der Unterricht wegen der Hitze bereits nach der vierten Stunde, und auch für Montag sei nur bis zur sechsten Stunde Unterricht geplant. Nachmittagsunterricht gebe es derzeit nicht. „Die Entscheidung über Hitzefrei liegt immer bei der Schule vor Ort“, so der Schulleiter. Obwohl nicht die ganze Schule gleichzeitig draußen unterrichtet werden kann, würde der Unterricht allerdings vereinzelt im Freien stattfinden. Im Atrium etwa gebe es ein Sonnensegel, unter dem einzelne Klassen zum Beispiel Lektüre lesen können.
Die Wichtigkeit des Trinkens wird auch von Christian Ernstberger betont, so verweist der Schulleiter auf einen neuen Trinkwasserbrunnen, den es seit diesem Jahr an der Schule gebe und der für die Schüler kostenlos nutzbar sei. Wenn der Unterricht früher endet, bleiben die Lehrer trotzdem vor Ort, außerdem läuft die offene Ganztagesschule bis 16 Uhr. Die Eltern aller Schüler wurden gemäß Ernstberger per Mail über das frühere Unterrichtsende informiert. Wer Betreuungsbedarf hätte, könne sich bei der Schule melden; die Kinder würden dann selbstverständlich nach Stundenplan betreut. Im Unterricht selbst versuchen die Lehrer, auf die Hitze Rücksicht zu nehmen und eher leichter Bewältigbares einzuplanen, etwa Kunst oder Lektüre.
Unterricht im Schatten für rund 105 Klardorfer Grundschüler
Auch in der Grundschule Klardorf ist es in den Räumen derzeit sehr warm, erzählt Schulleiterin Marion Emerich. Deshalb würden die Fenster am Morgen frühzeitig geöffnet, um kühlere Luft hereinzulassen, und auch der Stundenplan sei entsprechend angepasst worden: Der Sportunterricht wird nach vorne gezogen, wenn es noch nicht ganz so heiß ist, außerdem dürfen die Kinder trinken, so viel sie möchten, und werden von den Lehrern zusätzlich daran erinnert.
Der Unterricht war in Klardorf schon die ganze Woche über wegen der Hitze verkürzt. Die Eltern wurden vorab informiert, damit sie sich rechtzeitig um die Betreuung kümmern konnten, so Emerich. Eine Betreuung an der Schule wäre weiterhin möglich gewesen. Nach dem Elternbrief durften aber alle 105 Kinder entweder nach Hause oder in die regulär angebotene Mittagsbetreuung gehen.
Die Hitze mache sich gemäß der Schulleiterin auch bei der Aufmerksamkeit der Schüler bemerkbar, denn es gebe durchaus Konzentrationsschwierigkeiten bei den Kindern, berichtet Marion Emerich. Deshalb gebe es öfter Bewegungspausen. „Manchmal gehen die Klassen auch in den Garten in den Schatten und halten dort freie Lesezeit“, so die Schulleiterin. Insgesamt werde der Unterricht an der Grundschule Klardorf derzeit etwas kürzer und leichter gestaltet.