Waldmünchen: Ferkelerzeuger wie Christian Lommer zahlen derzeit drauf

Seine jährliche Erntebilanz-Pressekonferenz richtete der Bauernverband in der Oberpfalz unter der Leitung von Präsident Ely Eibisch diesmal in Geigant aus. Weil der Landkreis Cham wegen der Beschaffenheit seines Bodens hauptsächlich Futtergetreide herstellt, stand diesmal ein Ferkelerzeuger im Mittelpunkt.
Der Betrieb von Christian Lommer hat Platz für 120 Sauen, als Futter stellt er selbst Wintergerste, Triticale, Körnerraps, Mais und Klee her. Ein Grund für den Pressetermin auf dem Hof für Lommer dürfte auch sein, das Lommer als Stadtrat in Waldmünchen den Auftritt in der Öffentlichkeit gewohnt ist.
Seit 1827 lasse sich auf seinem Betrieb die Schweinezucht nachweisen, sagte Lommer. Er habe eine Mischung aus Deutscher Landrasse und Deutschem Edelschwein, die mit Pietraineber besamt würden. Seine Ferkel gingen zu einem großen Teil an Bauern der Region.
Regionale Kennzeichnung für Fleisch soll helfen
Wie alle Ferkelerzeuger und Schweinemäster leidet Lommer derzeit an schlechten Marktpreisen. Dabei sieht er seinen Ertrag durch Schweinefleisch aus Spanien, aber auch durch Ferkel aus Dänemark unter Druck gesetzt. Eine Lösung erhofft sich Lommer durch eine klare regionale Kennzeichnung von Fleisch- und Wurstprodukten. Dann könne der Verbraucher bewusst entscheiden. „Fleisch, dass nur in Deutschland verpackt worden ist, ist kein deutsches Schweinefleisch. Das ist Beschiss“, fand Lommer drastische Worte. In Österreich sei es gelungen, die Herkunft des Fleisches genau zu bezeichnen. Das müsse auch Ziel in Deutschland sein. Auch BBV-Präsident Eibisch hatte in seiner Rede die regionale Kennzeichnung von Fleisch als eine Lösung hervorgehoben.
Franz Baierl vom Fleischerzeugerring Oberpfalz sagte, dass Ferkelerzeuger wegen der schlechten Marktpreise derzeit ein Minus von zwölf Euro je Ferkel machten. Dies könne sich nur ändern, wenn der Export von Nebenprodukten wie Schweineköpfen und -füßen wieder möglich werde. Dafür sei China der Abnahmemarkt. Der Markt sei aber wegen der Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest gesperrt.
Hoffnung macht Christian Gollwitzer, Fachberater für Schweinehaltung beim AELF Regensburg-Schwandorf, dabei die Widerstandsfähigkeit der Ferkelerzeuger gegen das Auf und Ab des Marktes. Der Begriff „Schweinezyklus“ sei nicht ohne Grund entstanden, Schweinehalter lebten schon immer mit solch starken Schwankungen.
Ein Problem für kleinere Betriebe könnten aber gesetzliche Vorgaben zur Stallgröße werden. Die Verdoppelung der Boxen erfordere Investitionen, die unter diesen Umständen vielleicht nicht mehr getätigt würden.

Auf die allgemeine Erntebilanz ging BBV-Bezirkspräsident Ely Eibisch ein. Er bezeichnete sie für Getreide und Futter als „sehr angespannt“. Wegen des guten Vorjahres seien die Preise am Boden. Hinzu kämen hohe Kosten für Treibstoff, Energie und Dünger. „Es ist nicht möglich, Gewinn zu erzielen“, beschrieb er die Einkommenssituation. Die Erntesituation sei „regional sehr unterschiedlich, je nach Regen“. Dies zeige sich zum Beispiel bei der Mahd. Während der erste Schnitt zufriedenstellend gewesen sei, sei der zweite Schnitt zum Teil ausgefallen. Dies könnte sich mit den dritten und vierten Schnitt bei ausreichend Niederschlägen ausgleichen.
Niederschlag kam für frühe Getreidesorten zu spät
Gerade für frühe Getreidesorten sei der Niederschlag nach einem trockenen Frühjahr zu spät gekommen. Dennoch erwartet Eibisch bei der Wintergerste, die jetzt gedroschen werde, eine durchschnittliche Ernte. Das gilt auch für ein Feld von Lommer oberhalb von Geigant, das im Anschluss besucht wurde. Auch bei der Triticale und für Weizen seien die Niederschläge zu spät gekommen. Der Maisbestand sei derzeit gut.
Kritisch sieht Eibisch die Situation bei der Zuckerrübe, die hauptsächlich um Regensburg angebaut werde. Wegen der guten Ernte des Vorjahres seien zum Teil die Abnahmemengen heruntergefahren worden. Auf einem globalen Markt habe das aber nicht die Preise beeinflusst.
„Der Klimawandel ist für Landwirte sehr herausfordernd“, sagt Eibisch zusammenfassend. „Ohne Wasser wächst nix!“