Höchstwert seit Corona: Der Tourismus im Landkreis Regensburg legt wieder leicht zu

In dieser Branche scheint die Krise weit weg: Für den deutschen Tourismus war das Jahr 2025 ein Rekordjahr. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Übernachtungen bundesweit um 0,3 Prozent auf den Allzeit-Höchstwert von 498 Millionen. Auch im Landkreis Regensburg gab es einen positiven Trend, der mit 3,4 Prozent mehr Übernachtungen sogar noch stärker ausfiel. Dies zeigen Zahlen des Landkreises, die am Montag am Hermannsberg in Wiesent präsentiert wurden.
Einen Allzeit-Rekord verzeichnete der Landkreis 2025 nicht, dennoch sind sowohl die Zahl der Übernachtungen als auch die Zahl ankommender Touristen nach einem geringen Rückgang von 2023 auf 2024 auf einem neuen Höchstwert seit der Corona-Pandemie.
„Nach dem Corona-Knick hat sich der Tourismus ganz gut erholt“, bilanzierte Susanne Kammerer, Leiterin des Sachgebiets Tourismus und Naherholung am Landratsamt. In vielerlei Hinsicht sei man auf einem guten Weg, wenn auch die Auslastung von 33,3 Prozent noch Luft nach oben zeige – wobei diese auch vor der Pandemie unter der 40-Prozent-Marke lag.
Appell: Mehr Sorgfalt für Schotterwege für Radfahrer im Landkreis Regensburg
Im Publikum waren bei Kammerers Ausführungen auch Vertreter anderer Tourismusverbände, Akteure und Landkreisgemeinden. An letztere Vertreter ging auch eine ganz konkrete Bitte: Radfahrer machten einen großen Anteil am Tourismus der Region aus – nicht nur dank überregional renommierter Radwege wie dem Fünf-Flüsse-Radweg. Hier erreichten den Landkreis immer wieder Beschwerden über den Zustand einiger Schotterwege. „Ich habe das Gefühl, dass der Trend immer mehr dahin führt, das aus Kostengründen immer gröbere Schotterpisten entstehen“, sagte Kammerer. Dies sei natürlich verständlich, dennoch appellierte sie an Gemeinden, mit Jagdgenossenschaften dieses Thema anzusprechen.

Gleichzeitig zeigen die Tourismuszahlen auch die Vielfalt im Landkreis. So blieb 2025 ein durchschnittlicher Gast in Tegernheim 1,7 Tage und in Barbing satte 3,9 Tage. Grund dafür sind dabei vor allem Monteure und Geschäftsreisende, die beim Thema Tourismus gern mal hinten runterfallen. Und natürlich profitieren viele Gemeinden von der Nähe zu Regensburg. So war auch Jakob Reitinger, Chef der Regensburg Tourismus GmbH, in Wiesent dabei. „Wir wissen: Es ist dem Gast egal, ob er gerade einen Schritt im Landkreis steht oder noch auf Stadtgebiet. Die Stadt Regensburg wäre nicht so attraktiv ohne den Landkreis – und ich denke, das gilt auch andersherum“, sagte er.
Michael Braun, Vorstand des Tourismusverbands Ostbayern, sprach über die finanziellen Aspekte – von einem hochgerechneten Gesamtumsatz 2025 von 112 Millionen Euro im Landkreis, 18 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Reiner Unternehmer- und Angestelltenlohn für das Gastgewerbe sind 53,5 Millionen. Über Steuern blieben zudem zehn Millionen für Kommunen, rund 1700 Vollzeitstellen biete der Tourismus hier.
Hermannsberg bei Wiesent: Neu dabei und gleich erfolgreich
Wie vielfältig diese Stellen sein können, zeigte der diesjährige Vorzeige-Betrieb, der Hermannsberg. Die ursprüngliche Werkstatt für behinderte Menschen wurde vor Kurzem zum Übernachtungsbetrieb mit 29 Betten erweitert. Dieser laufe sehr gut an, sagt Leiter Andreas Röhrl. „Ich bin total stolz!“
Eine große Herausforderung ist für viele Betriebe das Digitale. So berichtete Susanne Kammerer von intensivem Online-Marketing wie einer Kampagne im Sommer 2025 im Wert von knapp 4000 Euro oder dem „Medienguide“ Tralster, dessen Geschichten allein an der Burgruine Donaustauf über 10 000-mal aufgerufen wurden. Bestimmend, so Michael Braun, werde im Tourismus des Landkreises hingegen das Thema KI sein. „Nicht mehr: Was muss ich tun, um gefunden zu werden? Sondern: Was muss ich tun, damit ich empfohlen werde vom KI-Assistenten meines Gastes“, sagt Braun. „Das ist ein Thema, das bei uns mit Lichtgeschwindigkeit Einzug halten wird.“