Heute ist die Oberpfalz ein beliebtes Reiseziel: Wer waren die ersten Touristen dort?

Die ursprüngliche Natur im Bayerischen Wald, der mittelalterliche Flair der Regensburger Altstadt oder zahlreiche kulturelle Eigenheiten: Viel zu bieten hatte die Oberpfalz schon immer. Trotz ihres Charmes galt die Region lange Zeit aber eher nicht als beliebtes Urlaubsziel. Das änderte sich mit dem Boom der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Doch wann kamen eigentlich die allerersten Touristen in die Oberpfalz? Und warum verschlug es sie dorthin?
„Gar nicht so leicht zu beantworten“, findet Bezirksheimatpfleger Tobias Appl, der die Geschichte des Tourismus in der Oberpfalz in Zukunft aber genauer beleuchten will. Streng genommen hat es die ersten Touristen schon im frühen Mittelalter gegeben – und zwar in der Gestalt von Pilgern. Diese suchten laut Appl zum Beispiel die Gräber der Regensburger Bistumspatrone Emmeram, Erhard und Wolfgang auf. „Denn im Grunde bedeutet Tourismus nur, dass jemand sein gewohntes Umfeld verlässt, um sich auf die Reise in ein anderes Gebiet zu machen“, sagt Appl.
Walhalla und Regensburger Altstadt
In der frühen Neuzeit, also zwischen 1500 und 1800, kam dann der zweite Tourismus-Vorläufer dazu: die sogenannten Kavalierstouren. „Adlige oder großbürgerliche Söhne besuchten während des Erwachsenwerdens mehrere Orte in Europa“, weiß Appl. Die aus heutiger Sicht „wirklichen“ Touristen hätten dann im 19. Jahrhundert die Oberpfalz für sich entdeckt.
Und welche Orte überzeugten sie dort? Natürlich die Walhalla oder die Regensburger Altstadt. „Aber auch das Kloster Waldsassen, der Rauhe Kulm und natürlich der Bayerische Wald.“ Zudem hätten bekannte Veranstaltungen, wie der Further Drachenstich oder Sängerfeste schon früh eine wichtige Rolle gespielt. Für eine passende Unterkunft hätten die traditionsreichen Gasthäuser in den Städten gesorgt. „Um 1900 war das Angebot bereits recht ordentlich“, sagt Appl.

Richtig punkten konnte die Oberpfalz dann vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Erfolgsrezept? „Schöne Natur und günstige Preise.“ Das lockte viele Leute aus Berlin, dem Rheinland und dem Ruhrgebiet an. „Die wollten nicht viel Geld ausgeben und waren mit relativ reduziertem Komfort zufrieden.“
Die Kombination aus historischen Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in der Natur: Das macht auch für Ulrike Eberl-Walter vom Tourismusverband Ostbayern den Reiz der Oberpfalz aus. Beide Aspekte hätten auch für die prägendsten Wegmarken in der Geschichte des Tourismus gesorgt. Hierzu zählt Eberl-Walter unter anderem den Unesco-Welterbetitel für Regensburg und die Erschließung bekannter Rad- und Wanderwege, wie dem Jurasteig oder dem Fünf-Flüsse-Radweg.
Das Oberpfälzer Seenland ist ein wertvoller Natur- und Erholungsraum geworden, den man sich zu Zeiten des Braunkohleabbaus niemals hätte vorstellen könnenUlrike Eberl-Walter, Tourismusverband Ostbayern
„Und das Oberpfälzer Seenland ist ein wertvoller Natur- und Erholungsraum geworden, den man sich zu Zeiten des Braunkohleabbaus niemals hätte vorstellen können“, sagt sie. Die Holzkugel stehe symbolisch für die nachhaltige Renaturierung und sei eine echte Landmarke geworden.
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Insgesamt schätzt Eberl-Walter die Situation die touristische Entwicklung in der Region sehr positiv ein. „Die Oberpfalz behauptet ihre Spitzenposition im ländlichen Raum“, sagt sie. Im vergangenen Jahr sei der Oberpfälzer Wald etwa bundesweit auf Platz Eins im Bereich Gästezufriedenheit beim Tourismus-Ranking „dwif & TrustYou“ gewählt worden. „Besonders überzeugt haben die herzlichen Gastgeber und die innovativen Angebote.“
Zudem sei der Erfolg des Tourismus maßgeblich auf den Mut und die Innovationsbereitschaft der touristischen Akteure zurückzuführen. „Persönlicher Service und regionale Authentizität stärken die Wettbewerbsfähigkeit der Region“, so Eberl-Walter.
Ansprüche verändern sich
Dafür sorgen Erholungs- und Wellnessangebote genauso wie Natur- und Aktivurlaub. Und natürlich sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen. Eberl-Walter nennt verschiedene Trends, die den Tourismus beschäftigen, zum Beispiel Nachhaltigkeit. Immer mehr Menschen würden von ihrem Urlaubsziel Umweltstandards erwarten. Gerade auch die junge Generation wolle im Urlaub darüber hinaus etwas für die Gesundheit tun.
Diese Entwicklungen sollen auch in Zukunft eine Rolle spielen: Die Gäste kompetent begleiten, Tourismus sanft und naturverträglich gestalten und eine gute Freizeitinfrastruktur seien zentral. Zudem sei Tourismus eine klassische Querschnittsbranche. „Damit wirkt er als Stabilisator und Motor der Regionalentwicklung und erhöht die Attraktivität der Orte“, sagt Eberl-Walter. Das zeigen auch die Zahlen: Insgesamt 82 265 Personen würden in der Oberpfalz vom Tourismus leben.