Modern und effizient: Das passiert in der Kläranlage von Furth im Wald

Belebungsbecken, Entwässerung, Faulturm: Der Weg des Abwassers durch die Kläranlage, bis es gereinigt wieder in den Fluss Chamb fließt, ist ein spannender – wie Betriebsleiter Christian Paulus bei einem Rundgang in Furth im Wald (Landkreis Cham) eindrucksvoll erklärt.
Es ist Tag der offenen Tür am vergangenen Freitag. Auf dem Gelände steht ein Würstchenstand, es gibt kalte Getränke. Will man an so einem Ort tatsächlich Brotzeit machen? Da passt der Satz von Paulus ganz gut, der bei seiner Führung mehrfach fragt: „Riechen Sie schon etwas?“ Tatsächlich kommt man auf den ersten Blick, besser gesagt ersten und auch allen weiteren Riechern nichts davon mit, welchem Geschäft hier nachgegangen wird. Dem großen nämlich, das 14 Pumpwerke mit allen anderen Abwässern aus Furth im Wald und Umgebung anliefern.
Was ins Klo fällt, landet in der Kläranlage
Die äußersten Bezirke sind Sengenbühl und Gschwand, sagt der Betriebsleiter. Vier Millionen Liter können es pro Tag werden. Wird die Kapazität beispielsweise bei Starkregen überschritten, befindet sich hinter dem Werkszaun ein großes Rückhaltebecken. In der Anlage angekommen wird das Wasser mit allen ekligen Hinterlassenschaften, die darin schwimmen, durch eine Rechenanlage geschleust, Fremdkörper werden entfernt. Ein Handy haben er und seine Mitarbeiter noch nicht gefunden, erklärt Paulus, ein Gebiss und andere Dinge, die ins Klo fallen können, dagegen schon. In der Halle steht noch ein zweiter Container. Dort landet Sand und Streugut. Einzig in dieser Halle riecht es etwas unangenehm.
Weiter geht es beim sogenannte Belebungsbecken. „Das fasst mehr Wasser als das Further Freibad“, sagt Paulus und lädt dazu ein, auf den Steg, der über das Becken führt, zu kommen. Es könne nichts passieren, der Weg ist mit einem Geländer gut gesichert. Es sei noch keiner reingefallen. „Wenn doch?“, kann ich mir die Frage nicht verkneifen. Paulus grinst und deutet auf zwei Leitern, die sich unter uns befinden. Dann müsse man zusehen, die zu erreichen, sagt er. Das dürfte allerdings schwierig werden, weil man in der dickflüssigen Pampe nach unten gezogen werde, wie in einem Sumpf.
Wie eine riesige Zentrifuge
Zum technischen Teil des riesigen Beckens: Hier findet laut Betriebsleiter die biologische Reinigung statt. Bakterien säubern das Wasser, fressen, was dem Menschen schadet. Im hinteren Teil des Beckens sprudelt es, da wird ständig Sauerstoff zugeführt, den brauchen unter anderem die fleißigen Bakterien, um überleben zu können. Weiter geht die Reise ins Nachklärbecken, das mit seinem Aufbau, der sich kontinuierlich und gemächlich dreht, aussieht, wie eine riesige Zentrifuge. Hier setzt sich ab, was sich noch im Wasser befindet.
Schließlich läuft das geklärte Nass in den Chamb. Paulus deutet an der Einleitstelle ins Wasser. Dort tummeln sich viele Fische, streiten sich um die besten Plätze. „Das geklärte Wasser ist sehr sauerstoffreich“, erklärt er. Rund zwei Tage dauert der Weg durch die Anlage.

Aus dem Nachklärbecken fließt aber nicht nur das saubere Wasser ab. Die Stoffe, die sich abgesetzt haben, werden weitertransportiert. Es wird ihnen Wasser entzogen und sie werden mit ein wenig Chemie eingedickt. „Das ist ungefähr so, wie wenn sie in der Küche einen Soßenbinder verwenden.“ Erfrischend der Humor von Paulus.
Der aufbereitete Schlamm, der nach der Bearbeitung nur noch ein Achtel des Volumens vor der Behandlung hat, wird in den beeindruckend großen Faulturm verfrachtet. Der stammt noch aus dem Jahr 1972, wurde modernisiert und fasst 1,8 Millionen Liter Schlamm. Bei der Gärung, die sich im Faulturm abspielt, entsteht Biogas, das in einem ebenfalls sehr großen Tank gesammelt wird. „Im Moment ist der fast voll“, sagt Paulus. Was mit dem Gas passiert, dazu gleich mehr.

Ist die Gärung abgeschlossen, folgt ein weiterer Schritt der Entwässerung, dann bröckelt hinter dem Faulturm der sogenannte Klärschlamm von einem Fließband auf den Boden. Der sei an sich der beste Dünger, den man sich wünschen kann. Der Betriebsleiter erinnert sich an Zeiten, als Landwirte ihn geholt und auf den Äckern verteilt haben. Das sei inzwischen allerdings gesetzlich verboten. Einmal in der Woche wird eine Fuhre abgeholt und andernorts verbrannt. Das kostet Furth im Wald jedes Mal 5000 Euro. Bei der Frage nach dem Warum zuckt Paulus nur mit den Schultern.
Bevor die Führung beendet ist, zeigt der Betriebsleiter noch einen Haufen Sand, wie den, der am Anfang in einem der beiden Container landet. Dort wachsen Tomatenpflanzen, Zucchini und Kürbisse. Pflanzensamen, die vom menschlichen Körper nicht verdaut wurden, gedeihen hier wieder. „Die Früchte könnte man essen“, sagt Paulus und grinst wieder, „wenn man wollte.“
Das Klärgas spart der Anlage bares Geld
Ach ja, das Gas. Dazu hat sich am Eingang Franz Lackner in Stellung gebracht. Er steht vor einer Maschine mit einem 4,7 Liter Gasmotor, der mit dem Klärgas angetrieben wird und rund 50 kW in der Stunde produziert. Damit könnten ein Großteil der Filter und Pumpen auf der Anlage netzparallel betrieben werden, so der Unternehmer. Das heißt, solange der Gasmotor liefert, muss kein Strom von anderen Anbietern bezogen werden. Weil, wie Paulus erklärt, auch PV-Anlagen auf den Dächern der Kläranlagengebäude installiert sind, spart man in Furth richtig viel. Zumal es laut Lackner für Biogas Zuschüsse vom Staat gibt. Für den privaten Gebrauch funktioniert das Klärgas allerdings nicht, weil es zu wenig Methan enthält. Die neue Maschine wird ihre Vorgängerin ablösen. Die ist in die Jahre gekommen, war mehr als doppelt so groß, hat aber nur halb so viel Strom produziert.