Klimawandel? So wird der Wald auch im Kreis Cham stark für die Zukunft

Von Sabrina Kauer · 6. Juli 2026 um 09:00

Schattenspender, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Wirtschaftsfaktor: Damit all das trotz des Klimawandels, Hitzeperioden und Extremwetterereignissen künftig noch gewährleistet ist, muss sich in Sachen Waldbewirtschaftung etwas tun. Wie das funktioniert, erklärte Johanna Gierl von der Bayerischen Forstverwaltung kürzlich bei einer Exkursion auf dem Ludwigsberg nahe Bad Kötzting. Dazu eingeladen hatte der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham, um Vorsitzenden Robert Kurzmann.

Der Bad Kötztinger Stadtwald ist, wie Gierl sagte, „ein kleines Juwel“. Schon lange Zeit in Försterhand, hat der Wald viele verschiedene Baumarten zu bieten. Esche, Spitzahorn, Buche, Kiefer, Birke, Fichte, amerikanische Roteiche, Lärche, Douglasie, Tanne,... – Bereits auf den ersten Metern vom Wanderparkplatz Ludwigsberg an der Weißenregener Straße aus entdeckten die Teilnehmer viele verschiedene Holzgewächse. „Über zehn Baumarten nur auf einem kleinen Stück, das ist der Traum eines jeden Försters“, sagte Johanna Gierl, die das Revier zum 1. Januar 2025 von Hans Geiger übernommen hatte. Schon nach kurzer Zeit war klar: Für die Zukunft sind Mischwälder das „Nonplusultra“, so die Försterin.

Försterin Johanna Gierl ging auf alternative Baumarten ein. Dazu gehören unter anderem die Esskastanie – eine, wie sie sagt, „Gewinnerin des Klimawandels“ – und die Zerreiche. - Foto: Sabrina Kauer

Sie zeigte eine Grafik, in der deutlich wurde, dass der Hauptwurzelraum der Bäume – was die Wasserreserven angeht – im roten Bereich liegt. „So gut stehts nicht um unsere Böden. Da hat auch das letzte Jahr, als es so nass war, nichts geholfen.“ Auch dass es immer wärmer werde, ob aus natürlichen oder menschengemachten Gründen, sei nicht mehr zu leugnen. Daran müsse sich der Wald anpassen.

Heimische Baumarten werden zu kämpfen haben

Deswegen werde nach alternativen Arten geforscht, um zu sehen, welche Bäume künftig im Bayerischen Wald überleben können. Zu beachten seien dabei unter anderem die Beschaffenheit und somit auch der Nährstoffgehalt der Böden, Niederschläge und Temperaturen. Fest stehe: Die Fichte als Vorreiterin im Bayerischen Wald werde in Zeiten des Klimawandels keine Zukunft haben. „Ihr wirds zu warm und zu trocken“, so Gierl. Allgemein werden heimische Baumarten mit den künftigen Bedingungen, wie sie sagte, zu „kämpfen“ haben.

Försterin Johanna Gierl ging auf die Einschätzung des aktuellen Bodenfeuchtezustands ein. - Foto: Sabrina Kauer

Wärmere Temperaturen und Trockenheit bieten auch eine Grundlage für enorme Schädlingsvermehrung. Stichwort Borkenkäfer, genauer gesagt der Buchdrucker, eine Käferart aus der Unterfamilie der Borkenkäfer. Das kleine Insekt frisst sich durch Fichtenbäume hindurch, sodass diese absterben. Durch den Klimawandel werden auch Extremwetterereignisse wie stärkere Unwetter und Stürme begünstigt. Für die Fichte als Flachwurzler ein Problem. „Sie kann sich nicht gut im Boden verankern und ist die erste Baumart, die bei einem Sturm fällt“, erklärte die Försterin.

Deshalb werde in Sachen heimische Baumarten der Fokus künftig unter anderem auf Eiche, Weißtanne, Birke, Rotbuche, Lärche sowie Berg- und Spitzahorn gelegt. „Die Tanne wird bei uns die Gewinnerin werden“, sagte Gierl, denn diese eigne sich beispielsweise auch gut für Dachstühle. Als Baumaterial sei die Douglasie schon heute sehr gefragt und als Schnittholz eigneten sich Zedernarten.

Jetzt richtig handeln für die nächsten Generationen

Beim Blick auf alternative Baumarten kristallisiere sich die Esskastanie als weitere „Gewinnerin des Klimawandels“ heraus. Auch Robinie, Zerreiche, Speierling oder Roteiche werden künftig Bestandteil des Bayerwalds sein. „Wir wollen mit alternativen Baumarten nicht dagegenarbeiten, sondern den Wald erhalten, damit unsere nächsten Generationen auch noch was davon haben“, sagte Gierl.

Johanna Gierl (2. v. r.) machte deutlich, dass der Wald Lebens-, Wirtschafts- und Wohlfühlraum zugleich ist. Dies gelte es auch zukünftig zu erhalten und miteinander in Einklang zu bringen. - Foto: Sabrina Kauer

Damit dabei aber auch der Schutz der Natur nicht zu kurz kommt, achteten Förster unter anderem darauf, Biotope zu bewahren. Alte Bäume, die zwar keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr für Waldbesitzer hätten, jedoch aber wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere sind, werden laut Gierl finanziell gefördert.

Wichtig sei, den Wald ganzheitlich stark aufzustellen und so fit für die Zukunft zu machen. Deswegen gelte es, genau jetzt richtig zu handeln.

Petition gegen Änderungen bei FFH-Gebieten

Beim Waldbegang sprach Försterin Johanna Gierl auch über Biotope und Flora-Fauna-Habitate (FFH), die es in und um den Wald zu erhalten gilt. Dabei machte Robert Kurzmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Cham des Bund Naturschutz, darauf aufmerksam, dass die Europäische Union gerade dabei ist, Naturschutzgesetze aufzuweichen, damit Personen und Institutionen Bauvorhaben in gewissen Gebieten leichter umsetzen können. Davon wären unter anderem Flora-Fauna-Habitate wie die Sandgrube bei Schachendorf in Cham betroffen.

„Hände weg von der Natur“: Die Teilnehmer machten nach der Exkursion auf die Petition aufmerksam. - Foto: Sabrina Kauer

Die FFH-Richtlinie vom 21. Mai 1992 gibt laut Internetseite des Bundesamts für Naturschutz vor, dass natürliche Lebensräume und wildlebende Tiere und Pflanzen wiederhergestellt, erhalten und damit die biologische Vielfalt gefördert werden sollen. Der Naturschutzbund fordert die Politik dazu auf, bestehende Naturschutzgesetze zu verteidigen. „Denn wenn unsere Natur zerstört wird, trifft das uns alle: heute, morgen und kommende Generationen. Es geht um die Zukunft von 450 Millionen Menschen in Europa“, schreibt der Naturschutzbund im Internet.

Über eine Online-Petition können sich Bürger daran beteiligen, ein Signal an die Entscheidungsträger zu senden. Die Petition ist unter dem Titel „Hands off nature“ im Internet zu finden. Mittlerweile haben diese bereits mehr als 571 000 Menschen unterzeichnet. sk